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Wetter: Am Berg tobt der Winter, im Tal kommt das Plus

(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)
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Ein Lawinentoter und zahlreiche gesperrte Skilifte. Die Kältewelle ist zwar vorüber, der Winter in den Bergen aber lange nicht. Wintersportler dürfen dennoch auf die nächste Woche hoffen.

Wien. Die längste Kältewelle seit 27 Jahren mag (endlich) vorbei sein, der Winter ist es aber noch nicht: Immer noch fallen – im Bergland – beachtliche Schneemengen. In Kombination mit außergewöhnlich starken, orkanartigen Windböen macht der Neuschnee die Lage in vielen Skigebieten nicht nur unerträglich, sondern sogar lebensgefährlich: Am Mittwochnachmittag starb im Skigebiet Ischgl (Tirol) ein schwedischer Urlauber, der – auf einer nicht gesperrten Piste – von einem Schneebrett mitgerissen wurde.

Für Skiurlauber seien „die Bedingungen derzeit ungünstig, die Sicht ist aufgrund der Schneeverwehungen schlecht“, sagt Martin Puchegger vom Wetterdienst Ubimet. „Bergtouren sind bei diesem Wind sowieso lebensgefährlich.“ Am stärksten war der Wind mit 173 km/h auf dem oberösterreichischen Feuerkogel. In Salzburg wurden auf dem Kolomansberg, der Schmitthöhe und der Loferer Alm 101 km/h gemessen. Der meiste Neuschnee – etwa ein halber Meter – fiel in Kitzbühel und im Gebiet um den Arlberg. Im übrigen Bergland gab es zwischen 20 und 40 Zentimeter Neuschnee.

Die Lawinenwarndienste von Vorarlberg bis in die Steiermark haben am Mittwoch aufgrund der gefährlichen Kombination aus Neuschnee und Sturm die Warnstufen angehoben: In Tirol etwa stieg die Lawinengefahr von „erheblich“ auf „groß“ (Stufe vier von fünf). In Vorarlberg wurde sie ebenfalls um eine Stufe auf „erheblich“ erhöht und wird vermutlich heute, Donnerstag, ebenfalls als „groß“ eingestuft. Auch die Unwetterzentrale hat am Mittwoch quasi für den gesamten Alpenraum eine Unwetterwarnung ausgegeben. Für die Skifahrer wirkt sich die Wetterlage vor allem in Form von gesperrten Skiliften aus: So waren im Arlberg-Gebiet gestern, Mittwoch, zwanzig von 84 Liften aufgrund des starken Windes und der Schneemengen gesperrt. Wegen Lawinengefahr war Mittwochnachmittag auch der Arlberg-Pass gesperrt, nächtliche Sprengungen einzelner Schneebretter sollen hier für mehr Sicherheit sorgen. Für einen Rettungswagen in Hittisau im Bregenzerwald ging die Konfrontation mit einem Schneebrett glimpflich aus: Der Fahrer war kurz vor dem Abgang der Lawine noch ausgestiegen, konnte sich aber in Sicherheit bringen. Alle Insassen blieben unverletzt.

In Salzburg wehte der Sturm gestern, Mittwoch, sogar Postbusse von der Straße. Viele Skigebiete, wie etwa Zell am See, konnten nur bis zur mittleren Höhe genutzt werden, darüber wurden viele Lifte aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Für einen Einbruch der Nächtigungen sorgte die vergangene Kälteperiode übrigens in keinem Skigebiet. „Gerade von den deutschen Touristen wurde das Winterwetter sehr gut aufgenommen“, so Ingrid Schranz von der Tirol Werbung, „sie haben mehr kurzfristige Buchungen gemacht, weil es endlich wirklich Winter war.“ Im Gasteinertal löste die Kälte eine Verschiebung in den Wellnessbereich aus. Soll heißen: Wer nicht auf der Piste frösteln wollte, zog das warme (und volle) Thermenbecken vor.

Ausgelöst wird das momentane Wetter von einer Änderung der Großwetterlage: Nach der Nordostströmung aus Russland, die Österreich seit 31. Jänner eine Kältewelle und dem Bergland fast minus 30 Grad gebracht hat, „haben wir es jetzt mit einem West- bis Nordwestwetter-Regime zu tun“, so Puchegger. Da derzeit abwechselnd kalte Luft aus dem Norden und mildere Luft aus dem Atlantik hereinströmt, entstehen nicht nur starke Sturmböen, sondern sondern auch Wintergewitter.

 

Ausblick: Mild und weniger Wind

Entspannung ist aber in Sicht: Spätestens heute, Donnerstagabend, sollte der Sturm abgeklungen sein. Die dritte und letzte Semesterferienwoche (Oberösterreich und Steiermark) wird wesentlich milder, allerdings auch wechselhafter: Immer wieder kann es, wie etwa am Freitag, schneien. Für Skiurlauber gibt es aber gute Nachrichten: In höher gelegenen Skigebieten dürfte die Lage angesichts milderer Temperaturen, wenig Wind und genug Schnee ideal sein. In den Tälern machen sich langsam Plusgrade (fünf bis zehn Grad) breit, Schneeregen und trübes Wetter sind zu erwarten. Außergewöhnlich kalt wird der Winter aber trotz der langen Kältephase nicht ausfallen: Da der Dezember und Jänner deutlich zu warm waren, „wird die Saison insgesamt zu mild verlaufen sein“, sagt Puchegger.

Auf einen Blick

Die orkanartigen Böen, die gestern, Mittwoch, für erhöhte Lawinengefahr gesorgt haben, klingen Donnerstagabend ab. Während es im Flachland taut, wird für die Berge aber weiterer Schneefall vorhergesagt. Ab dem Wochenende dürfte es auf den Bergen bei milden Temperaturen bessere Bedingungen für Skifahrer geben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2012)