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Die Soravia-Saga: Zeit des Erwachens

(c) Clemens Fabry
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Schon lange wird darüber gemunkelt, dass es den Unternehmerbrüdern Soravia wirtschaftlich nicht so gut geht. Das kommt der Wahrheit schon recht nahe. Doch das Duo schwört, dass es jetzt wieder aufwärts geht.

Ein Interview mit den Unternehmerbrüdern Hanno und Erwin Soravia ist eine gewisse Herausforderung. Auf eine Frage kommen zwei Antworten – und die meist gleichzeitig. Aber so sind sie nun einmal, und so waren sie immer schon: erstaunlich unkonventionell, erfrischend unangepasst, erschöpfend redselig.

Erfolgreich natürlich auch. Die Söhne aus einer der prominentesten Industriellenfamilien Kärntens – ihr Vater war einst Miteigentümer der Bauholding Strabag – haben über die Jahre ein ansehnliches Imperium aufgebaut. Da gibt es etliche Immobilienprojekte in Osteuropa und in Österreich; da gibt es das Geschäft mit Werbeplakaten; da gibt es eine Beteiligung am Wiener Auktionshaus Dorotheum. Anteile am Wiener Hotel Hilton gehören auch noch dazu, ebenso das Kinderspiel-Paradies Minopolis.

Die zwei smarten Kärntner Brüder befanden sich also seit Beginn ihrer unternehmerischen Aktivitäten vor über 20 Jahren sozusagen auf der Siegerstraße. Und das in einigermaßen jugendlichem Alter: Hanno Soravia ist Jahrgang 1960, sein Bruder wurde 1967 geboren. Kein Wunder, dass in soignierten Wiener Kreisen gerne kopfschüttelnd konstatiert wurde, dass die beiden „auf zu vielen Kirtagen tanzen“. Gut und gerne gipfelte das in der gekünstelt bangen Frage: „Wie lange wird das noch gut gehen?“

Jetzt gibt es wieder jede Menge zu tuscheln. Denn auf der Siegerstraße geht es, sagen wir es einmal so, ein bisserl holprig zu. Baustelle um Baustelle, Schlagloch um Schlagloch.

Die Bilanz für das vergangene Jahr 2011 liegt noch nicht vor. Dafür die für 2010. Und die ist nicht gerade eine beruhigende Lektüre.

Der Soravia-Konzern musste in dem Jahr einen Verlust von 8,8 Millionen Euro hinnehmen. Und das nicht zum ersten Mal: Schon 2009 gab es einen Verlust von 7,8 Millionen Euro – ein Jahr davor hatte der Konzern noch einen Gewinn von 2,4 Millionen Euro geschrieben.

Was ist da bloß los? „Das sind nur Abwertungsverluste“, sagt Erwin Soravia. „Durch die neuen internationalen Bilanzierungsrichtlinien mussten Liegenschaften neu bewertet werden.“ Sein Bruder Hanno: „Das sind rein buchhalterische Spiele.“

Im Bericht des Soravia-Wirtschaftsprüfers BDO stellt sich die Lage freilich eher nicht so harmlos dar: Zwar wurden „keine Tatsachen festgestellt, die den Bestand des Konzerns gefährden“, doch der Immobilienbereich Soravia Real Estate Development GmbH ist ein Sorgenkind. Zitat aus dem BDO-Bericht: „Die SRED erlitt in den Jahren 2009 und 2010 wesentliche Verluste. Das Eigenkapital des Jahresabschlusses der SRED ist negativ.“ Die Finanzierung der Immobilientochter sei „nicht hinreichend gesichert und der Bestand der Gesellschaft somit gefährdet.“

BDO weist deshalb darauf hin, dass der Abschlussprüfer seine „Redepflicht gemäß §273 Abs. 2 UGB wegen Bestandsgefährdung“ ausgeübt hat. Das ist sozusagen ein gesetzlich vorgeschriebener Alarm, den ein Wirtschaftsprüfer auslösen muss – wenn er Insolvenzgefahr wittert.

Probleme hat dem Unternehmerduo die Wirtschaftskrise in Osteuropa gemacht. Kaum ein osteuropäisches Land, in dem die beiden nicht ehrgeizige Immobilienprojekte auf die Beine gestellt hatten – Bürogebäude, Wohnanlagen, Hotels. Doch dann kam die Krise und damit ein veritables Liquiditätsproblem: Geplante Verkäufe waren so gut wie unmöglich, bereits zugesagte Finanzierungen für Hochbauprojekte wurden mit einem Mal zurückgezogen.
Doch jetzt wird alles wieder gut, betonen die Brüder.

Zunächst einmal, weil der Immobilienbereich 2010, auf Druck der Banken, restrukturiert wurde. Heute steckt nur mehr ein geringer Teil des investierten Projektvolumens von insgesamt 234 Millionen Euro in Osteuropa – nämlich 41 Millionen Euro. Die Brüder sind dazu übergegangen, in erster Linie in Österreich zu investieren.

Vor allem aber: Um die Liquidität zu sichern, wurden – wie es aus dem Konzern heißt – „aus anderen Bereichen der Soravia-Gruppe Mittel zur Verfügung gestellt“. Und „gravierende Kosteneinsparungen eingeleitet“.

Das waren zum Teil harte Einschnitte, wiewohl die erfolgsverwöhnten Unternehmer offenbar immer noch Probleme haben, das auch zuzugeben. Gerne erzählen sie, wie „super erfreulich“ die Beteiligungen in Österreich laufen. Dennoch haben sie vor Kurzem Anteile an ihrem „Baby“ Megaboard – einer ihrer ersten Unternehmensgründungen – verkauft. Die Firma, die recht gut im Geschäft mit Werbeflächen für Plakate ist, gehört jetzt zu 50 Prozent Konkurrent Gewista: „Der Markt geht ja kaputt, wenn es zu viel Werbeflächen gibt“, argumentiert Erwin Soravia. Um dann zuzugeben: „Eigentlich wollten wir nicht verkaufen. Aber wir haben halt einen super Preis dafür bekommen.“

Vom Hotel Hilton wurden vor einigen Jahren 75 Prozent an die RZB verkauft, das Kinderspiel-Paradies Minopolis gehört den Brüdern nur mehr zu zehn Prozent. Sehr zufrieden sind die Soravias weiterhin mit ihrem 30-prozentigen Anteil am Dorotheum, der allerdings verpfändet ist – „eine völlig normale Besicherung für die Bank“, wie sie sagen.

Sehr stolz waren die beiden stets auf ihren Aufsichtsrat, der mit klingenden Namen bestückt war. Ex-ÖVP-Chef Erhard Busek ist allerdings gegangen, ebenso der frühere SPÖ-Vizebürgermeister Sepp Rieder. „Aus Altersgründen“, sagen die Soravias. Trotzdem: Der kaum jüngere Präsident der Industriellenvereinigung, Veit Sorger, ist geblieben.

Sei's drum. Aus der Soravia AG soll jetzt eh eine GmbH werden. Aus Kostengründen, wie allgemein gemutmaßt wird? Nein, aus Effizienzgründen, erklären die Brüder. „Die AG war pure Eitelkeit“, räumen sie allerdings ein.
So gesehen scheinen sie doch am Boden der Realität angekommen zu sein. Was nichts daran ändert, dass sie nach wie vor guter Dinge sind: Für 2011 kündigen sie wieder Gewinne an.