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Königssohn in Lech verunglückt

(c) REUTERS (MIRO KUZMANOVIC)
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Der Bruder des niederländischen Thronfolgers Willem-Alexander, Johan Friso von Oranien Nassau, wurde von einer Lawine verschüttet. Ärzte mussten den 43-Jährigen wiederbeleben. Es besteht weiterhin Lebensgefahr.

Lech am arlberg/Amsterdam. Die Lawinengefahr auf Österreichs Bergen wurde am Freitag einem Mitglied des niederländischen Königshauses zum Verhängnis. Wie „Die Presse“ erfuhr, verschüttete am frühen Nachmittag ein Schneebrett den zweiten von drei Söhnen von Königin Beatrix, Johan Friso von Oranien Nassau.

Der Bruder des Thronfolgers Willem-Alexander war kurz nach Mittag im ungesicherten Skiraum von Augenzeugen beobachtet worden, ehe sich über ihm die Schneemassen lösten. Nach der Alarmierung begannen Bergrettung, mehrere Skischulen und Freiwillige mit der Suche, an der sich auch zwei Hubschrauber beteiligten.

Etwa 20 Minuten nach dem Lawinenabgang fand man den 43-Jährigen – laut Lechs Bürgermeister Ludwig Muxel deshalb so schnell, weil er mit einem sogenannten „Lawinenpieps“ ausgerüstet war. Noch am Lawinenkegel und während des Fluges musste Johan Friso vom Notarzt wiederbelebt werden. Zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe hatte sich der Zustand des Niederländers stabilisiert. Allerdings bestand laut Auskunft des Königshauses nach wie vor Lebensgefahr.

Gemeinsam mit Johan Friso war noch ein zweiter Skifahrer unterwegs. Dabei dürfte es sich um einen Freund aus Österreich gehandelt haben, der nicht von der Lawine erfasst wurde.

 

Berühmt durch „Mabelgate“

Derzeit herrscht in der Region hohe Lawinengefahr (Stufe 4 von 5). In den vergangenen Tagen wurden im ganzen Land zahlreiche Skifahrer und Tourengeher verschüttet. Unter anderem gab es in Ischgl einen Toten, der auf einer offiziell freigegebenen Piste verstarb.

Die Mitglieder des niederländischen Königshauses verbringen seit vielen Jahren am Arlberg ihre Winterferien. Seit einer Woche urlauben Königin Beatrix und Johan Friso wieder in Lech. Heute, Samstag, sollten Willem-Alexander, seine Frau Maxima und ihre drei Kinder anreisen. Für Montag war der traditionelle Fototermin beim Lecher Postamt geplant.

Johan Friso ist kein potenzieller Thronfolger mehr, denn: Am 24.April 2004 heiratete er Mabel Wisse Smit. Seine Braut war kein unbeschriebenes Blatt. Sie hatte als Studentin eine Beziehung zum Amsterdamer Unterweltboss Klaas Bruinsma. Mabel verheimlichte diese Beziehung ihrem Mann nicht, allerdings Königin Beatrix und dem damaligen Ministerpräsidenten Jan Peter Balkenende. Das sollte Folgen haben.

Balkenende griff durch und verweigerte dem Paar die notwendige Zustimmung für ihre Ehe. Die Affäre ging in den Niederlanden als ,,Mabelgate“ in die Geschichte ein.

Die Heirat war für Johan Friso auch so etwas wie ein Befreiungsschlag. Denn bevor er Mabel Wisse das Ja-Wort gab, hielten sich hartnäckige Gerüchte, er sei homosexuell. Der Informationsdienst des Königshauses sah sich sogar genötigt, ein offizielles Dementi zu verbreiten. Das war am 14.Februar 2001, als in den Niederlanden ,,schwule Friso-Feste“ im Fasching stattfanden.

 

Bewegtes Berufsleben

Johan Friso studierte nach dem Absolvieren des ,,Freisinnig christlichen Gymnasiums“ in Den Haag an der Universität von Berkeley in Kalifornien und an der Universität in Delft Luft- und Raumfahrt (1988–1994). An der renommierten Erasmus-Universität in Rotterdam absolvierte er ein zweites Studium in Volkswirtschaft, das er 1996 als Master of Business Administration in Paris abschloss.

Nach dem Studium arbeitete Johan Friso für die Investmentbank Goldman Sachs in London, wo er zum Vice-President aufstieg. Ab Oktober 2006 war Prinz Friso Managing Director bei Wolfensohn & Campany in London. In dieser Funktion engagierte er sich besonders für die Einführung und Anwendung von alternativen Energien wie Wind, Sonne und Biomasse. In Amsterdam gründete er das MRI-Zentrum für nachhaltige Energien. Am 1.April 2011 wechselte Prinz Friso als Chief Financial Officer zu Urenco in Großbritannien. Die britisch-deutsch-niederländische Urenco arbeitet auf dem Sektor der Zentrifugaltechnik zur Anreicherung von Uran. Johan Friso und Mabel haben zwei Töchter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2012)