Missbrauch: Kloster Mehrerau will nicht zahlen

Missbrauch Kloster Mehrerau will
(c) EPA (DIETMAR STIPLOVSEK)

Ein ehemaliger Internatsschüler will 200.000 Euro, weil er in dem Kloster missbraucht worden sein soll. Die Zisterzienser berufen sich auf Verjährung.

Das Bregenzer Zisterzienser-Kloster Mehrerau beruft sich angesichts der Zivilklage eines ehemaligen Zöglings auf die Verjährung der Missbrauchs-Vorwürfe. Das Kloster hafte nicht für das vorsätzliche Handeln einzelner Mitglieder, sagt Bertram Grass, Anwalt des Klosters, zu Vorarlberger Medien.

Das heute 57-jährige Opfer soll in den 1960er-Jahren als Internatsschüler des Privatgymnasiums des Klosters von einem Pater missbraucht worden sein. Der 57-Jährige verklagte das Kloster vor einem Zivilgericht auf 200.000 Euro Schmerzengeld und Verdienstentgang.

Taten verjährt, kein medizinisches Gutachten

In der am Montag eingebrachten Klagsbeantwortung bestritt das Kloster die Ansprüche des Mannes auf Schadenersatz und verwies einmal mehr auf die Opferschutzkommission. Zudem seien die Taten aus juristischer Sicht verjährt. Er gehe nach derzeitigem Stand davon aus, dass die Klage vom Gericht abgewiesen werde, so der Anwalt gegenüber den "Vorarlberger Nachrichten".

Die Klagsschrift sei zudem "minimalistisch". Sie enthalte keine medizinischen Gutachten und keine nachvollziehbare Berechnung des Verdienstentgangs, hielt der Rechtsvertreter gegenüber "ORF Radio Vorarlberg" fest. Der Mehrerauer Abt Anselm van der Linde sagte, er habe um Vergebung gebeten und dem Opfer empfohlen, sich an die Opferschutzkommission zu wenden. Dies lehnt der Mann jedoch ab.

Der Verfahrenshelfer des Opfers erklärte, sein Mandant sei von seinen Eltern in gutem Glauben in die Obhut des Klosters gegeben worden. Das Kloster treffe jedenfalls ein Auswahlverschulden, "da der Pater bereits vor seiner Einstellung wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden war".

"Vagabundendasein" als Folge des Missbrauchs

Der Kläger soll 14 Jahre alt gewesen sein, als die Übergriffe 1968 begannen. Er sei von einem Pater über drei Jahre hinweg "unzählige Male" in seinem Zimmer vergewaltigt und so seelisch kaputt gemacht worden, schilderte der Mann in seiner Klage. Mit 16 Jahren brach er die Schule ab. Wäre es nicht zum Missbrauch gekommen, hätte er das Gymnasium fertig gemacht, ein technisches Studium begonnen und in der Folge "ein normales Leben mit Job und Familie" gehabt, begründete der Mann, der laut Klage ein "Vagabundendasein" führt.

2004 erstattete eine anderes Opfer des Paters Anzeige, beim Verhör soll der heute 75-Jährige ein umfassendes Geständnis abgelegt haben. Bis 2010 soll er im Bereich des Klosters Stams tätig gewesen sein, danach wurde er suspendiert.