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PRO: Die Vorherrschaft des Dollar bleibt

Dollar Warum Dollar Weltleitwaehrung
(c) REUTERS (� Kacper Pempel / Reuters)

PRODem "Greenback" wurde zuletzt das Ende als Leitwährung Nummer eins vorhergesagt. Vier Gründe, wieso auch Experten irren können.

Die Diskussion kehrt in schöner Regelmäßigkeit wieder. Dann fragen sich Ökonomen, ob der Dollar seine Nummer-eins-Position halten kann oder sein Sturz bevorsteht. 2011 hat die Weltbank in einem Bericht die Debatte wieder neu entflammt. Danach soll die chinesische Regierung seit Monaten an einer Strategie arbeiten, die Bedeutung des Yuan weltweit auszuweiten und den Dollar als Leitwährung abzulösen. Im Dezember kündigten Japan und China an, ihren Handel miteinander auf die eigenen Währungen Yuan und Yen umzustellen. Einen Termin dafür nennen die beiden Länder aber nicht.

Das hat gute Gründe. Denn es gibt starke Argumente dafür, dass sich die Vorherrschaft des Dollar auch langfristig nicht ändern wird:

  • "Dollar-Falle"

China ist nach Daten des US-Finanzministeriums der größte Gläubiger der USA. Das Reich der Mitte hat bis zu 70 Prozent der Devisenreserven von umgerechnet etwa 2400 Milliarden Euro in auf Dollar lautenden Vermögenswerten angelegt. Und Peking weiß, dass es kaum eine andere Wahl hat. Denn nur auf dem Dollar-Markt sei das Angebot groß genug, um die hohen Summen aus China ohne Verwerfungen zu verkraften. Damit helfen sie der US-Regierung, ihr Haushaltsdefizit zu finanzieren. Ein umfangreicher Verkauf von US-Staatsanleihen oder die Konzentration der Neuinvestitionen auf andere Währungen würde sich direkt auf den Wert des Dollar auswirken. Würde das US-Finanzsystem crashen, geriete auch das chinesische Wirtschaftswunder in ernste Gefahr. Und diese Situation wollen die Chinesen sicherlich vermeiden.

  • Die Verrechnungseinheit

Der Dollar hat derzeit mit 60 Prozent den mit Abstand größten Anteil an den internationalen Währungsreserven. Darauf folgt der Euro mit 27 Prozent. Das britische Pfund und der japanische Yen halten einen Anteil von etwa vier Prozent an den internationalen Währungsreserven, den Rest teilen sich sonstige Währungen. Mit Blick auf diese Zahlen bleibe der US-Dollar "mindestens die nächsten zehn Jahre" die wichtigste Leitwährung der Welt, sagte Russlands Vizepremier und Finanzminister Alexej Kudrin am Rande einer UN-Konferenz, die dem Kampf gegen die globale Wirtschaftskrise gewidmet war. "Der Dollar ist heute die wichtigste Leitwährung in der Welt vor dem Euro. Es ist nicht leicht, diese Struktur zu ändern. Denn alle Verrechnungen in der Welt erfolgen entweder in Dollar oder in Euro", führte Kudrin aus. Selbst zwischen den Ländern, die den bilateralen Handel nicht in Dollar betreiben, erfolgen die Verrechnungen in Dollar. Die großen Konkurrenten Japan und China zahlen 60 Prozent ihres Handels miteinander mit US-Dollar. Und es gibt keine Idee, wie Verrechnungen tatsächlich anders abgewickelt werden können.

  • Welche Krise?

Die US-Wirtschaft ist nicht nur die weltgrößte, sondern doppelt so groß wie die auf Platz zwei rangierende chinesische. Das Pro-Kopf-Einkommen ist höher als das der BRIC-Staaten China, Indien, Russland und Brasilien zusammen. Trotz aller Bedenken über die Bonität der USA – Standard & Poor’s hat die Top-Bonität AAA entzogen - haben die Schwankungen des Weltmarkts die Dominanz des Dollar als Leitwährung nur gestärkt. Die Nachfrage nach US-Anleihen ist nach der Herabstufung sogar gestiegen. Natürlich stehen die USA vor gewaltigen Herausforderungen. Die Staatsverschuldung wächst, die Arbeitslosigkeit ist groß, die Reallöhne sind gesunken - all das nagt am Selbstwertgefühl des Landes. Dennoch: In keinem Land gibt es mehr Elitehochschulen, mehr multinationale Konzerne, mehr Innovationen an vorderster Technologiefront. Startups aus dem Silicon Valley haben stark an Fahrt aufgenommen. Bei den wirtschaftlich wichtigen Entwicklung unkonventioneller Fördertechnologien für Erdgas sind Amerikas Firmen führend. All das lässt den Schluss zu: Das Land bewältigt auch die aktuelle Krise.

  • Stärke der USA

Das Staatsdefizit der USA ist höher als das der Euroländer, auch das Leistungsbilanzdefizit der USA. Das sollte den Dollar eigentlich schwächen, aber das Gegenteil ist der Fall. In den USA reagiert die Wirtschaftspolitik einfach schneller auf Fehlentwicklungen als etwa Europa. Das zeigt auch der Blick in die Vergangenheit: So wurde  das hohe Staatsdefizit der Reagan-Regierung durch eine aggressiv expansive Geldpolitik, begleitet auch von Steuererhöhungen, unter Nachfolger Clinton in einen Überschuss gewandelt. Warum sollte das nicht auch diesmal gelingen?

>>CONTRA: Die Tage der Leitwährung Dollar sind gezählt

PRO & CONTRA steht diese Woche im Zeichen der Serie "150 Jahre Greenback".

"PRO und CONTRA"

Die Serie "PRO und CONTRA" ist eine Sammlung von Für- und Wider-Argumenten zu einem aktuellen Thema, die nicht die Meinung der Autoren widerspiegelt.

(herbas)