Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Amanshausers Welt: City Album/Minsk

(c) REUTERS (STRINGER)
  • Drucken

Reizvolle Diktaturmetro­pole: Stalin, Wodka und Aufstand.

Ein Aufstand

Kastrychnickaya Ploshca (Oktoberplatz): Hier fanden 2006 und 2010 die Proteste gegen das Luka­schenko-Regime statt, die von Spezialeinheiten niedergeschlagen wurden. Der auch aus optischen Erwägungen bizarr anmutende ­Staatschef führt mit eiserner Hand Europas letztes Brutalo-Regime. Die meisten Weißrussen missbilligen den Mann, möchten ihn mittelfristig abschütteln und werden sich eines glücklichen Tages wieder auf dem symbolträchtigen Kastrychnickaya Platz versammeln, um ihn zu ­stürzen.

Ein Warenhaus

Gosudarstvennyi Universalnyi Magazin (GUM, Niezalezhnasti Praspekt 21, www.gum.by): Vor ­dem Zweiten Weltkrieg war Minsk die größte jüdische Metropole auf russischem Gebiet. Bis zur Befreiung 1944 wurde es fast vollständig zerstört. Die Realsozialisten bauten ihre eigene schöne, neue Welt auf. Symbol dafür: GUM, das „staatliche Universalgeschäft“. Dieser historische Ort existiert seit 1951 und atmet den Charme einer Aufbruchsepoche. Hier kann man heute noch im Stalin-Empire einkaufen, Elektronika-Wecker oder Radios im Sowjetstil. Zeitgenössische Durchschnittsware gibt es im TSUM (Tsentralnij Univermag), Lebensmittel im Centralnyi universam (Niezalezhnasti Praspekt 23).

Eine Galerie

Galerie Y˘ (Niezalezhnasti Praspekt 37a): Das „Y˘“ ist der einzige Buchstabe, den es nur im belarussischen Alphabet gibt, man spricht das aus wie ein kurzes U. In kurzer Zeit wurde diese „aktive Kunstplattform zur Präsentation der zeitgenössischen belarussischen und europäischen Kunst“ (Eigendarstellung) zum wichtigsten nicht staatlichen Ausstellungsort und zum Treffpunkt belarussischer Intellektueller. Im Juli 2012 soll das grenzüberschreitende internationale Projekt „Europaⁿ“ in der „Y˘“ zu sehen sein. Viel Glück!


Eine Frage

 

Belarus oder Weißrussland? Geht beides. Belarus ist korrekte Diplomatensprache, mit weniger Russland-Verwechslungsgefahr.

Noch eine Frage

 

Hieß Minsk früher nicht Mensk? Genau, bis heute gibt es Mensk-Verfechter. Fragen Sie Belarussen!

Ein Getränk

Belarussischer Wodka (z. B. Сmолuųa Люкс.1) ist gefragt. Als „Partisan-Vodka“, aus kleiner Brennerei, auch in Berliner Szeneclubs.

Ein See

Der Saslaujer Stausee, „Minsker Meer“ genannt, Wassersport- und Badegebiet.

Ein Ausblick

Den schönsten hat man von der Plattform der Neuen Nationalbibliothek, einem 22-stöckigen Rhombus am Ufer der Swislatsch.

TIPP

Weitere Kolumnen auf: www.amanshauser.at