Alle Refco-Lasten in die Bilanz 2005, auch Immobilien auf dem Prüfstand.
Wien/Pressburg (dom). Ewald Nowotny, seit 1. Jänner 2006 Generaldirektor der Bawag/PSK, baut den Konzern um. Alle bankfremden Firmenbeteiligungen werden verkauft, bekräftigte er am Wochenende vor österreichischen Journalisten in Pressburg. Nicht trennen will sich die Bawag aber von ihrem 34-Prozent-Anteil an den Österreichischen Lotterien.
Die Lotterien-Beteiligung gehört für Nowotny zum "Kerngeschäft". Wie die "Presse" berichtete, hat die Bawag vor kurzem ihren Lotterien-Anteil gemeinsam mit jenem der Casinos Austria in eine neue Gesellschaft eingebracht und bei dieser Gelegenheit kräftig aufgewertet. Die damit gehobenen stillen Reserven dienen dazu, die Ausfälle aus dem Refco-Debakel teilweise zu kaschieren.
Im Herbst 2005 waren Bawag-Kredite in Höhe von 425 Mill. Euro an den insolventen US-Broker Refco mit einem Schlag wertlos geworden, wegen des Refco-Skandals trat der damalige Bawag-Chef Johann Zwettler zurück. Nach dem Verkauf eines Kredits beläuft sich die Belastung aus der Refco-Pleite für die Bawag jetzt auf 392 Mill. Euro. Sie soll laut Nowotny voll in die Bilanz des Jahres 2005 gepackt werden. Die Bank werde einen "deutlich" geringeren Gewinn ausweisen als zuletzt. Einen Verlust werde es aber nicht geben, der Alleineigentümer ÖGB werde wieder eine Dividende erhalten.
Auf der Verkaufsliste der Bawag stehen wie berichtet die Elektrokette Cosmos/Köck, die Schuhhandelskette Stiefelkönig, die Klavierfabrik Bösendorfer sowie der Fernsehsender ATV+. Über den Stand der Verkaufsverhandlungen will sich die Bankspitze derzeit nicht äußern. Als Interessenten für Cosmos werden in der Branche der Industrielle Josef Taus, der Investor Erhard Grossnigg sowie Red Zac genannt. Für eine Übernahme von Stiefelkönig hat unter anderem die Schuhhandelskette Deichmann ihr Interesse angemeldet.
Für den in der Verlustzone steckenden Klavierbauer Bösendorfer interessieren sich dem Vernehmen nach neben der Beteiligungsfirma UIAG mehrere heimische Klavierbauer. Ebenfalls im Rennen sein soll laut "Profil" eine Gruppe rund um den Gesundheitsökonomen und Ex-LIF-Politiker Christian Köck. Den Verkauf von Bösendorfer an einen internationalen Konkurrenten la Steinway oder einen Finanzspekulanten schließt man bei der Bawag aus. Der Standort Österreich müsse erhalten bleiben, andernfalls werde der Verkauf abgeblasen.
Sicher nicht verkaufen will die Bawag den soeben mit hohem Aufwand renovierten und unter Denkmalschutz stehenden PSK-Hauptsitz am Georg-Coch-Platz. Bei nicht betriebsnotwendigen Immobilien könnte es laut Nowotny hingegen durchaus einen Verkauf geben.