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Dominique Strauss-Kahn droht ab Ende März Verfahren wegen Zuhälterei

(c) AP (Haraz N. Ghanbari)
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Verhör des Exchef des Internationalen Währungsfonds (IWF) während mehr als 30 Stunden in Polizeistation. Dominique Strauss-Kahn wird sich ab März einem Strafprozess wegen Verdachts der Zuhälterei stellen müssen.

Lille/Paris. Die Sache wird immer enger für Dominique Strauss-Kahn: Der 62-jährige Exchef des Internationalen Währungsfonds (IWF) und frühere französische Finanzminister wird sich ab März einem Strafprozess wegen Verdachts der Zuhälterei stellen müssen – das verlautete in der Nacht auf Donnerstag aus Justizkreisen.

Strauss-Kahn (DSK) hatte sich zuvor in Lille während eines mehr als 30 Stunden währenden Polizeigewahrsams einem Verhör wegen der Vorwürfe stellen müssen – ein Hotel in der nordfranzösischen Stadt war Zentrum einer Bande, die Sexpartys für Promis organisiert hatte, auch für DSK. Der stritt nicht ab, an den Orgien, etwa in Hotels in Paris und Washington, teilgenommen zu haben. Doch seien das vergnügliche und „frivole“ Treffen unter Erwachsenen gewesen, die niemanden etwas angingen. Dass die mitwirkenden Damen Prostituierte waren, die seine Freunde durch Zuhälter rekrutierten, will er nicht gewusst haben. Sie seien ihm ja als „Freundinnen“ vorgestellt worden.

Seiner Meinung nach hat er für seine Unschuldsbeteuerung ein Topargument. Einer seiner Kumpane, der ihm Gespielinnen brachte, war ein hoher Polizeioffizier in Lille. Auch der (inzwischen vorzeitig pensionierte) Verantwortliche für die Sicherheit der Region Nordfrankreich soll mindestens ein Mal in Washington bei einer solchen Ausschweifung mitgefeiert haben.

 

Die Untersuchungsrichter warten

Aufgrund der Geständnisse anderer Personen, gegen die Verfahren wegen Zuhälterei laufe, und dank Aussagen von Prostituierten sind die Behörden aber von der Ahnungslosigkeit des Lebemanns nicht überzeugt. Er wurde zwar in der Nacht auf Donnerstag entlassen, aber Ende März dürfte er drei Untersuchungsrichtern vorgeführt werden – und die sind angeblich entschlossen, DSK wegen Zuhälterei vor Gericht zu bringen. Ihm drohen bis zu 20 Jahre Haft.

Er selbst äußerte sich bisher nicht zum Verhör, steht aber öffentlich zu seinem Lebenswandel; Zuhälterei sei ihm aber ein „Horror“. Laut dem Blatt „Nord-Eclair“ besitze die Polizei allerdings ein SMS, in dem DSK mit einem Freund Tarife und Praktiken einer „Partyfreundin“ besprochen habe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.02.2012)