Zwei Drittel des Osteuropageschäfts der heimischen Finanzbranche entfallen auf den EU-Raum.
wien (dom). Österreichs Banken erwirtschaften rund ein Drittel ihrer Gewinne in den Ländern Zentral- und Osteuropas. Das Engagement der heimischen Finanzbranche im Osten ist in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen. Die Gewinne aus dem Osten gleichen auch die relativ mageren Erträge aus, die im Inlandsgeschäft erzielt werden.
Nach Einschätzung der Oesterreichischen Nationalbank birgt die Ostexpansion Risken, die nicht vernachlässigt werden dürften. Darauf hatte vor kurzem auch der Internationale Währungsfonds verwiesen.
Per Saldo sei sie aber nicht problematisch, so die Nationalbank-Direktor Josef Christl am Dienstag bei einer Pressekonferenz. "Wir haben nach wie vor ein gutes Gefühl," so Christl. Die Notenbank verweist in ihrem Finanzmarktstabilitätsbericht auf wachsende Budget- bzw. Leistungsbilanzprobleme in Ungarn, Rumänien und Kroatien. Das starke Kreditwachstum in Zentral- und Osteuropa werde mittelfristig auch zu höheren Kreditausfällen führen.
Generell seien aber die Gewinnspannen für die Banken in diesen Ländern deutlich höher als in der alten EU. Da die Versorgung mit Bankprodukten deutlich geringer ist als im Westen, gebe es auf Jahre hinaus gute Wachstumschancen. Reduziert wird das Risiko auch durch die Tatsache, dass nach dem 1.1. 2007 - wenn Rumänien und Bulgarien der EU beitreten - fast zwei Drittel des Ostengagements der heimischen Banken auf die neuen EU-Mitgliedsländer entfällt, was vor allem die rechtliche Sicherheit erhöht.
Weiterhin Sorgen bereiten der Notenbank die Fremdwährungskredite. In Österreich haben die heimischen Banken davon knapp 54 Mrd. Euro vergeben, in den Ländern Osteuropas, wo Eurokredite deutlich billiger sind als jene in lokaler Währung, weitere 40 Mrd. Euro. Für die Notenbank sind diese Fremdwährungskredite eine "sehr riskante Form" der Finanzierung, die OeNB warnt seit längerem davor. Immerhin, so Christl, sei es gelungen, den Anteil der Unternehmensfinanzierungen in fremder Währung zu reduzieren. Bei den privaten Haushalten erfreuen sich Kredite in Schweizer Franken - Yen und Dollar spielen nur eine marginale Rolle - weiter ungebrochener Beliebtheit.
Insgesamt beurteilt die Nationalbank die Stabilität des Finanzsystems positiv. Die Problemfälle Bawag und Hypo Alpe Adria seien gut bewältigt worden.