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Grippe: Wiens Spitäler überfüllt

Symbolbild
(c) REUTERS (FABIAN BIMMER)
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Grippewelle und Durchfallerkrankungen sorgen derzeit für Engpässe in Spitälern: Einige nicht akute Operationen werden verschoben, Patienten auf dem Gang behandelt. Die Versorgung sei jedoch nicht gefährdet.

Wien. Es sei eine Situation, „wie wir sie in den vergangenen 30 Jahren noch nie erlebt haben“ – Wiens städtische Spitäler werden derzeit von Menschen, die unter der Grippe leiden, regelrecht gestürmt. Die Krankenhäuser stünden „vor Herausforderungen, die wir bis jetzt nicht gekannt haben“, wie es Susanne Drapalik vom Krankenanstaltenverbund (KAV) formuliert.

Drapalik, Leiterin für Medizinmanagement und Sofortmaßnahmen beim KAV, berichtet von dreimal mehr Rettungszufahrten als sonst. Dazu kommt eine „nicht planbare“ Zahl an Menschen, die selbst ins Spital kommen. Kurz gesagt: Die Spitäler sind, da diese Situation bereits seit einer Woche anhält, an ihrer Kapazitätsgrenze.

Wie groß die Zahl der zusätzliche Patienten sei, könne man erst in einigen Wochen sagen, so Drapalik. Zu viele sind es jedenfalls: Mittlerweile müssen Patienten teilweise auf Gangbetten (der KAV nennt das „Überbelagsbetten“) versorgt werden oder werden auf eigentlich nicht zuständige Abteilungen innerhalb der Spitäler „umgeschichtet“. Einige nicht akute Operationen wurden verschoben, um die Versorgung aufrechtzuerhalten. Welche der elf städtischen Spitäler besonders betroffen seien? „Alle“, sagt Drapalik.

Hauptgrund für die außergewöhnlich hohe Zahl an Patienten ist die Grippe: In der Vorwoche wurden 14.700 Neuerkrankte gezählt, deutlich mehr als in der Woche davor (11.300). Aufgrund der immer älteren werdenden Bevölkerung gebe es besonders viele alte Menschen, die wegen der Grippe und ihren Folgeerscheinungen – von Lungenentzündung über Herzerkrankungen bis fieberbedingter Zuckerentgleisung – behandelt werden müssen, sagt Drapalik. Diese bleiben außerdem meist deutlich länger im Spital als jüngere Patienten. Weiters hätten die Spitäler selbst höhere grippebedingte Krankenstände als sonst.

Viele Wiener würden sich auch deswegen ins Spital einliefern lassen, weil Ordinationen überfüllt seien und viele Ärzte daher keine Hausbesuche machten, sagt ein Sprecher des Wiener Roten Kreuzes. Das Rote Kreuz verzeichnet derzeit etwa ein Drittel mehr Transporte von Grippepatienten.

Zusätzlich zur Grippewelle kursieren derzeit auch sogenannte „Noro-Viren“ in der Stadt, die schwere Durchfallerkrankungen auslösen und oft einen Spitalsaufenthalt nötig machen. Diese Viren seien gerade in Spitälern „ein großes Problem“, sagt Franz X. Heinz, Leiter des Departments für Virologie (Med-Uni Wien), weil sie sehr ansteckend seien. „Oft müssen ganze Abteilungen geschlossen werden, weil sich das Personal auch ansteckt“, sagt Heinz.

 

Höhepunkt noch nicht erreicht

Der Höhepunkt der Grippewelle werde erst in den nächsten zwei Wochen erreicht. „Welches Ausmaß sie einnehmen wird, wissen wir heute noch nicht.“ In Heinz' Department für Virologie werden Blutproben aus ganz Österreich ausgewertet, der Großteil sei mit Influenza-A-Viren (H3N2) infiziert, gegen die die Impfung helfe. Daher sei es auch jetzt noch sinnvoll, sich impfen zu lassen.

In den Wiener Spitälern stellt man sich auf noch mehr Grippepatienten in der nächsten Woche ein. „Mit Kreativität“ werde man weitere Kapazitäten schaffen, sagt Drapalik. Zwar könne es sein, dass einige Patienten eine Nacht in einem Gangbett verbringen müssen oder zusätzliche Betten in die Zimmer geschoben werden. Die Versorgung sei aber „zu 100 Prozent“ gewährleistet. „Wir bringen das“, sagt Drapalik, „irgendwie zusammen.“
siehe auch Seite 10

Auf einen Blick

Die Grippewelle in Österreich steuert auf ihren Höhepunkt zu: Am stärksten betroffen ist Wien, wo es in der Vorwoche 14.700 Neuerkrankungen gegeben hat, in der Woche davor waren es 11.300.

Auch im Rest Österreichs steigt die Zahl der Erkrankten: Bei der niederösterreichischen GKK etwa wurden vorige Woche 4395 grippebedingte Krankenstände gemeldet, vor zwei Wochen waren es erst 2705.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.02.2012)