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Schaufenster-Dekoration

Bei einem Magazin ist es nicht anders als beim Menschen: Im Lauf der Zeit verändert sich sein Gesicht – es genügt ein Blick auf Titelseiten aus 35 Jahren.

Da schau her! Mit Liebesblicken, wie die Titelblätter (oder Cover) von Zeitschriften sie am Kiosk potenziellen Käufern entgegenwerfen, wartet das „Schaufenster" natürlich auch auf - wenngleich auf seine eigene, etwas verhaltenere
Art. Immerhin ist - als inhaltsschwere Verpackung gewissermaßen - ja noch die Tageszeitung darum gehüllt, die die sofortige Kenntnisnahme der ungeheuren Attraktivität der Beilage ein wenig, nun, verstellt. Doch das „Schaufenster" müht sich redlich, „Presse"-Leser und „Presse"-Freitagswegen-dem-Schaufenster-Käufer in seinen Bann zu ziehen; manch ein Cover hat trotz Hülle das Zeug zum echten Aufreger. So lassen Damen ohne Haupthaar oder mit Vollbart sowie zur Requisite umfunktioniertes Essen am Freitagvormittag unsere Telefone heißlaufen - auch das erweisen 35 Jahre „Schaufenster"-Machen.

Ja, die Technik

Wenn wir vom „Spiegel" sprechen, wollen wir nicht reinschauen, um zu kontrollieren, ob das Make-up noch gut sitzt. Nein, der „Spiegel" ist ein Ausdruck, der den Umfang eines Printmediums definiert, also in dem Fall des „Schaufenster", an dem wir gerade arbeiten. Erst zeichnet die Chefin vom Dienst alle gebuchten Anzeigen ein, wobei „1/1" für eine „Ganzseitige" steht, „1/2 hoch" für eine halbe Seite hoch u. s. w. Dann geht der Kampf um den redaktionellen Platz los: Wie viele Seiten bekommt die Reise? Wie viel die Gourmet-Geschichte? Wie lange wird die Fotostrecke? Wenn Bilder, Texte und Layout stehen, durchlaufen die Seiten nochmals die Kontrolle durch die Redaktion und das Lektorat. Cover und kritische Fotos werden extra „ausgeprooft". Dadurch wird der Echtdruck simuliert und der Artdirector beruhigt. Einen Tag nach Andruck bekommen wir noch einen sogenannten „Plot" aus der Druckerei, an dem wir in letzter Minute Änderungen vornehmen können. Aber da arbeiten wir längst an der nächsten Nummer.

Fachchinesisch

Wenn sich Redakteure zuraunen, dass beim „Nockerl" gegenüber von der „U2" ein „Hurenkind" stehen geblieben ist, tauschen sie sich mitnichten über den Verbleib eines Prostituiertensprösslings nächst eines Grießklümpchens in der U-Bahn aus. Vielmehr geben sie einander wichtige Informationen: Hier bezeichnet das Hurenkind nämlich die letzte Zeile eines Absatzes, die zuoberst in einer Spalte oder auf einer Seite steht (ein absoluter Textsatz-Fauxpas!). Mit dem Nockerl bezeichnet die Redaktion Texthappen geringeren Umfangs (so ein Nockerl genießen Sie übrigens gerade), und U2, U3 und U4 sind - gemeinsam mit dem Cover (U1) - die vier Seiten des Magazinumschlags. Das ist jetzt aber wieder genug Fachsimpelei - wenigstens bis zum nächsten (halb)runden Jubiläum.