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Ivana Bodrožić: "Coming of age" im Krieg

Ivana Bodroi Coming Krieg
(c) Zsolnay Verlag
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Die junge AutorinIvana Bodrožić hat einen Roman über den Jugoslawien-Krieg geschrieben – aus der Sicht eines heranwachsenden Mädchens. Beiläufig und berührend zugleich.

Wie ist es, im Krieg erwachsen zu werden? Was bedeutet es, wenn die inneren Krisen mit äußeren Krisen ganz anderer Art zusammenfallen?

Ivana Bodrožićs Roman „Hotel Nirgendwo“ nähert sich diesen Fragen an. Bodrožić, selbst im kroatischen Vukovar aufgewachsen, schildert darin das Heranwachsen eines Mädchens im Jugoslawien-Krieg.

Die erste Liebe, die erste Trennung, im Bombenhagel? Nein, so plakativ behandelt die 1982 geborene Autorin ihr Thema nicht. Auf sehr beiläufige, aber nicht minder berührende Weise erzählt sie die Geschichte eines kroatischen Mädchens, vielleicht wie sie selbst eines war, das nur in die Ferien fahren wollte – und nicht mehr aus ihnen zurückkommt, weil die Welt über Nacht eine andere geworden ist. Der Krieg bricht über die Familie herein, mit aller Gewalt, auch wenn sie ihn nur aus der Ferne erlebt und nicht im belagerten und später von den Serben eingenommenen Vukovar, aus dem ihre Eltern sie rechtzeitig wegschicken.

Die Mutter boxt sich und ihre beiden Kinder durchs Leben, die Familie lebt in beengten Verhältnissen und das Geld reicht nie aus. Die Versuche, den verschwundenen Vater zu finden, der sich weder auf den Listen der Toten noch der Verwundeten findet, bleiben erfolglos. Doch irgendwo zwischen den nächtlichen Besuchen im Discoclub Oase und der Nachricht, dass die Familie schließlich eine eigene Wohnung erhält, liegt auch das kleine große Glück. som

Ivana Bodrožić: "Hotel Nirgendwo". Übersetzt von Marica Bodrožić, Zsolnay Verlag, 221 Seiten, 19,50 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.02.2012)