Sparbuch schlägt Bausparer deutlich

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Die staatliche Prämie für die Bausparverträge wird wohl halbiert. Wenn das passiert, fährt man mit jährlich gebundenen Sparbüchern deutlich besser als mit einem Bausparer.

Wien/Ker. Ab April bekommt man für einen „Bausparer“ höchstwahrscheinlich eine geringere Prämie vom Staat. Nämlich nur noch 1,5 Prozent pro Jahr auf die Bausparbeiträge, die der Kunde einzahlt. Wenn ein Kunde jährlich 1200 Euro einzahlt, legt der Staat somit nur noch 18 Euro drauf, und nicht mehr 36 Euro wie zuletzt.

Bisher war die staatliche Prämie oft ein ausschlaggebendes Argument, einen Bausparvertrag abzuschließen. Wie sieht das nun aus? Rechnet sich der Bausparer noch? Oder ist ein simples Sparbuch mittlerweile die bessere Alternative, die mehr Zinsen abwirft und bei der das Geld nicht sechs Jahre gebunden ist?

Zum Verständnis: Wie viel ein Bausparer abwirft, hängt von den Marktzinsen ab. Bei der Raiffeisen Bausparkasse oder bei Wüstenrot bekommt man im ersten Jahr des Vertrags einen relativ hohen Fixzins. Danach orientiert sich die jährliche Verzinsung am Geldmarktzins, dem sogenannten „Euribor 12 Monate“. Die beiden Bausparkassen ziehen den Euribor-Zinssatz jeweils (an gewissen Tagen) im November heran und ziehen davon 1,3 Prozentpunkte ab. Mindestens gibt es aber ein Prozent Zinsen. Das Resultat ist die Bausparverzinsung für das folgende Jahr. Hinzugerechnet wird die steuerfreie staatliche Prämie, die Kontoführungskosten werden abgezogen. Im Gegensatz dazu haben einjährige Sparbücher einen großen Vorteil. Deren Verzinsung liegt im Normalfall über dem Zwölf-Monats-Euribor (beim Bausparer werden wie gesagt 1,3 Prozentpunkte abgezogen).

Welche Anlageklasse nun mehr abwirft, hängt auf dem ersten Blick von den Marktzinsen und schließlich von der Europäischen Zentralbank (EZB) ab. Mit ihren Zinsentscheidungen beeinflusst die EZB die Zinsen wesentlich. „Die Presse“ hat sich dazu einige Zinsszenarien für Bausparer und Sparbücher angesehen. Bei der jeweiligen Bausparvariante wurde die Wüstenrot als Anbieter herangezogen (zur Vereinfachung wurde die Berechnung jeweils auf Jahresbasis gemacht und die halbierte Prämie herangezogen, auch für das Jahr 2012, Anm.).


Szenario 1: Die EZB hält die Zinsen lange gering: Derzeit hält die EZB die Zinsen auf niedrigem Niveau, da die kriselnden Eurostaaten wohl keine höheren Zinsen vertragen würden. Wenn die wirtschaftliche Krise länger anhält, könnten die Zinsen für längere Zeit gering bleiben. Ein (vereinfachtes und modellhaftes) Szenario dazu: Der Euribor (zwölf Monate) bewegt sich in den nächsten drei Jahren bei zwei Prozent, in den folgenden drei Jahren bei drei Prozent.
Bausparer:
Der Kunde zahlt zu Jahresbeginn 1200 Euro ein (in der Laufzeit von sechs Jahren zahlt er somit 7200 Euro ein). Für den Bausparer (Wüstenrot) würde man in diesem Fall im ersten Jahr den versprochenen Fixzins von 3,5 Prozent bekommen, in den folgenden beiden Jahren die Mindestverzinsung von einem Prozent. In den letzten drei Jahren gibt es 1,7 Prozent jährlich. Nach sechs Jahren hat der Kunde netto (also nach Steuern und Kosten) rund 7590 Euro auf dem Konto.
Sparbuch: Was passiert, wenn man 1200 Euro zu Jahresbeginn jeweils auf ein einjährig gebundenes Sparbuch legt? Angenommen wird, dass die jährlichen Sparzinsen um 0,5 Prozentpunkte höher als der Euribor (zwölf Monate) liegen. Bei diesem Szenario erhält der Sparer nach sechs Jahren mehr als 7800 Euro. Also deutlich mehr als für den Bausparer.


•Szenario2: Die Wirtschaft erholt sich, die Zinsen steigen an.Die EZB hebt die Zinsen an, um die Inflation niedrig zu halten. Der Euribor bewegt sich in den nächsten zwei Jahren bei zwei Prozent, dann zwei Jahre lang bei drei Prozent, in den darauffolgenden zwei Jahren erreichen die Zinsen 3,5 Prozent.
Bausparer: Beim Bausparer bekommt man wieder für das erste Jahr den versprochenen Zinssatz in der Höhe von 3,5 Prozent. Danach reduziert sich die jährliche Verzinsung auf ein Prozent, für die nächsten zwei Jahre gibt es 1,7 Prozent, danach bekommt man zwei Jahre lang 2,2 Prozent. Unter dem Strich bleiben nach der Laufzeit rund 7660 Euro übrig (nach Steuern und Kosten).
Sparbuch: Auch hier bekommt der Kunde für das einjährige Sparbuch je einen Zinssatz, der um 0,5 Prozentpunkte höher liegt als der Zwölf-Monats-Euribor. Nach sechs Jahren stehen nach Steuern und inklusive Zinseszinseffekt etwas mehr als 7900 Euro auf dem Sparkonto. Auch hier schlägt das Sparbuch den Bausparer.
•Szenario3: Die Marktzinsen steigen deutlich an: Die Wirtschaftsleistung legt überraschend stark zu, die Gefahr einer hohen Inflation ist groß. Die Zinsen ziehen daher relativ stark an. In diesem Jahr steigt der Euribor auf zwei Prozent. Im folgenden Jahr bewegt sich der Geldmarktzins bei 2,5 Prozent, danach bei drei Prozent, danach bei 3,5 Prozent. In den darauffolgenden Jahren notiert er bei vier Prozent.
Bausparer:
Auf dem Bausparkonto liegen nach den sechs Jahren netto rund 7735 Euro. Sparbuch: Hier gibt es wieder mehr. Nach sechs Jahren hat der Kunde 7990 Euro zur Verfügung. Wieder unter der Annahme, dass die jährliche Verzinsung um 0,5 Prozentpunkte höher liegt als der Euribor.

Fazit: Bei allen drei Zinsszenarien schneidet das Sparbuch deutlich besser ab als der Bausparer. Für das Jahr 2012 wurde angenommen, dass es für das ganze Jahr die halbierte Bausparprämie gibt. Das entspricht nicht ganz der Praxis, soll aber potenziellen Neukunden zu erkennen geben, wie sehr der Bausparer langfristig durch die verringerte staatliche Prämie an Attraktivität verliert. [i-stockphoto]

Was Sie beachten sollten beim... Bausparen

Tipp 1

Geringe Prämie. Der Staat will die Prämie für Bausparer von drei Prozent auf 1,5 Prozent verkürzen. Wenn man jährlich 1200 Euro einzahlt, macht die Prämie künftig nur noch 18 Euro jährlich aus. Sie verliert aber mit der Zeit sowieso an Gewicht: Man erhält sie nämlich nur für die jeweils neu einbezahlten Beiträge, nicht aber für die gesamte angesparte Summe.

Tipp 2

Beiträge. Zumindest sollten die Kunden beim Bausparer schauen, dass sie die Beiträge nicht monatlich einzahlen, sondern den Jahresbeitrag (meistens 1200 Euro) auf einmal zu Jahresbeginn. Somit verzinsen sich die 1200 Euro über das ganze Jahr. Wenn man monatlich einzahlt, ist die Verzinsung gestaffelt, der Zinsertrag ist geringer.

Tipp 3

Alternative Sparbuch. Aber auch, wenn man jährlich einzahlt, springt beim Bausparer nicht mehr viel heraus. Egal, wie sich die Zinsen entwickeln, mit jährlich gebundenen Sparbüchern steigt man künftig besser aus. Die (geringere) staatliche Prämie und der relativ hohe Einstiegszinssatz machen beim Bausparer „das Kraut nicht mehr fett“.

Tipp 4

Aufwand. Der Vorteil beim Bausparer ist jedoch, dass man sich ein wenig Arbeit erspart. Wenn man auf Sparbücher setzt, muss man jeweils zu Jahresende das Geld auf ein neues, einjähriges Sparbuch (Anbieter vergleichen!) legen. Dieser Aufwand ist jedoch äußerst gering. Vor allem, wenn man bedenkt, dass das Sparbuch mehr abwirft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.03.2012)

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