Das dänische Möbelhaus BoConcept und das Wiener Modelabel La Hong ziehen ins Design-Center. Mit der Eröffnung des BoConcept-Stores sind nun nur noch drei Geschäfte leer.
Wien. Ganz möchte man es ja nicht glauben, dass das Stilwerk funktioniert. Das Design-Einkaufszentrum am Donaukanal wirkt seit Ende 2010 noch immer wie vor der Eröffnung: blitzblank und menschenleer. Besucher findet man – egal, zu welcher Tageszeit – nur vereinzelt. Dennoch sind die Shop-Betreiber zufrieden. Am Freitag eröffnet der österreichweit erste Shop der dänischen Möbelkette BoConcept, die im Gegensatz zum den sonstigen Anbietern preisgünstig ist.
Betreiber sind die Inhaber des daneben angesiedelten Einrichtungshauses behan + thurm, Sabrina und Ewald Stückler. „Natürlich funktioniert das Geschäft, sonst würden wir ja keinen zweiten Shop eröffnen“, sagt Ewald Stückler.
Qualitätsfrequenz statt Massen
Stückler spricht ebenso wie Center-Managerin Karin Witasek von einer Qualitätsfrequenz. Das Konzept – alles rund um Design, Wohnen und Einrichten im hochpreisigen Segment – verlange keine Laufkundschaft. „Wenn in einem Shop zwei Küchen pro Woche geordert werden, reicht das. Die zwei Personen fallen aber im Stilwerk nicht auf“, sagt Witasek. Pro Tag zählt das 6000 Quadratmeter große Stilwerk lediglich 2000 Besucher. Auf Laufkundschaft, wie in einem klassischen Einkaufszentrum, sind die 26 Stilwerk-Shops demnach nicht angewiesen. Mit der Eröffnung des BoConcept-Stores sind nun nur noch drei Geschäfte leer.
La Hong im Möbelhaus
Anfang Mai zieht auch La Hong Couture in den Jean-Nouvel-Tower. Dass das Modelabel nicht ganz zum Wohnkonzept passt, will Witasek aber nicht bestätigen. „Es geht ja um Design. Außerdem führt La Hong schon seit Jahren Gespräche, auch Lampen und Accessoires zu machen.“ Der Modedesigner übersiedelt am 10.Mai samt Atelier, Schneiderwerkstatt und Shop somit von der Innenstadt in die Leopoldstadt.
Die letzten beiden leerstehende Geschäfte sollen allerdings auch in den nächsten Jahren nicht dauerhaft vermietet werden. „Die werden temporär für Veranstaltungen oder Präsentationen vermietet. Das hat sich rentiert. Außerdem bringt man dadurch auch mehr Leute ins Haus“, sagt Witasek.
Wobei das bei Shop-Inhabern nicht unbedingt gewünscht wird. „Im Schnitt lassen sich unsere Kunden eine Stunde beraten. Da schätzen sie Ruhe und wollen keine Menschenmassen“, sagt Stückler. Und: Vor allem in höherpreisigen Geschäften habe man Kunden, die Diskretion schätzen. „Das sind Menschen, die oft in der Zeitung vorkommen, wenn auch nicht immer positiv.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.03.2012)