Fintenreicher Rivalenkampf: Carolin Pienkos sorgt für schlagfertige Dialoge in „Revanche“ von Anthony Shaffer. Cornelius Obonya brilliert als Bestsellerautor und gehörnter Ehemann.
Eiferer in einsamen Landhäusern sind beliebter Stoff für Krimiautoren. In „Revanche“ von Anthony Shaffer, Zwillingsbruder des berühmten Peter („Amadeus“), tragen ein Ehemann und ein Geliebter ihren Zweikampf um eine Frau aus. Die Dame, Maggie, ist nicht anwesend. Was über sie erzählt wird, klingt widersprüchlich: Ist sie eine verschwenderische Nymphomanin, eine betrogene Betrügerin oder ganz einfach eine schwer verliebte Frau? Der Krimi-Bestsellerautor Andrew Wyke und der fesche Loser Milo, der Friseur, Schauspieler, vielleicht aber auch bloß arbeitsloser Gelegenheitschauffeur ist, finden etwas über zwei Stunden lang immer neue Finten, um einander fertigzumachen. Ein Tennisschläger ist das wichtigste Accessoire, doch wer „Spiel, Satz und Sieg“ für sich verbuchen darf, bleibt die längste Zeit offen...
Shaffers Stück ist trotz munteren Handygeklingels, Erwähnung von Wirtschaftskrise und Migrantenproblemen nicht das frischeste. Wer die Filmfassung von Joseph L. Mankiewicz („Mord mit kleinen Fehlern“, 1972) nicht gesehen hat, wird diese Aufführung froh genießen können – gegen Giganten wie Laurence Olivier und Michael Caine ist im Theater schwer anzukommen.
Shaffers Stück ist dem Lauf eines Haken schlagenden Hasen vergleichbar. Freilich, mit einer gewissen Routine wird hier immer wieder der Zuschauer „überrascht“. Ähnlichkeiten dieses Dramas mit z.B. Agatha Christie oder Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ sind wohl kein Zufall. Carolin Pienkos, die u. a. auch am Burgtheater inszeniert hat, erweist sich allerdings als versierte Lenkerin der schlagfertigen Dialoge. Cornelius Obonya als Ehemann und Rupert Henning als Lover absolvieren den Kampf über weite Strecken bravourös. Obonya ist allerdings bühnenfüllend, von seinem grandiosen Soloabend „Cordoba“, in dem er unterschiedlichste Figuren gezeichnet hat und eine wahre Flut von Dialekten und Sprachfärbungen zu bewältigen hatte, gewohnt, sich zu produzieren. Obonya spielt seinen Partner zeitweise an die Wand.
Gekonnter angelsächsischer Realismus
Nur in der kurzen Szene nach der Pause, wenn Henning als Scotland-Yard-Inspektor, eine fantastische Columbo-Variation, die vermeintliche Ermordung des Liebhabers durch den Ehemann erforscht, reißt er die Führung schauspielerisch an sich. Der dämonisch schillernde Krimiautor, der den Liebhaber seiner Frau mit dem Versprechen eines Diamantenschatzes in die Falle lockt, ist letztlich die dankbarere Rolle – und sie hat auch mehr Facetten als jene des Gegenspielers: Obonya serviert präzis jede Wendung, jede Pointe. Dabei liegt ihm die Härte des Erfolgsmenschen, der Gott und die Welt kennt und auch seine Frau als Teil der Beute betrachtet, die ihm zusteht, deutlich mehr als die Opferrolle, in die er kurzzeitig schlittert. Der erste Teil bis zur Pause ist sehr stark. Danach hätte die eine oder andere Kürzung nicht geschadet, vor allem gegen Schluss, wenn sich die beiden Männer eher unmotiviert als Liebhaber einander annähern, was weitgehend unglaubwürdig wirkt.
Insgesamt jedoch: eine packende Aufführung, Realismus nach angelsächsischer Art, wie ihn das Stadttheater beherrscht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.03.2012)