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Zentralmatura: Eltern drohen mit Klagen

Zentralmatura Eltern drohen Klagen
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In zwei Jahren treten die ersten AHS-Schüler zur zentralen Reifeprüfung an. Einige Stolpersteine müssen bis dahin aus dem Weg geräumt werden. Sollte es zu Komplikationen kommen, schließen Eltern auch Klagen nicht aus.

„Der Entwurf wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet“, so kommentiert die AHS-Lehrergewerkschaft die Verordnung zur Zentralmatura, deren Begutachtungsfrist morgen, Dienstag, ausläuft. Die Elternvertreter sprechen in ihrer Stellungnahme von „Unbehagen“, das die gesetzlichen Neuerungen hervorrufen. Und auch Bundesschulsprecherin Conny Kolmann warnt: Vieles sei noch unklar. Und dennoch: Bereits in zwei Jahren treten die ersten AHS-Schüler zur Zentralmatura an. Ein Jahr später folgt die BHS. Stolpersteine müssen bis dahin noch viele aus dem Weg geräumt werden.

1Die Zeit drängt: Die Verordnung kommt mit Verzögerung

Den ursprünglichen Zeitplan hat das Unterrichtsministerium bereits seit Längerem verworfen. Im Jahr 2008 kündigte dieses an, dass nach der Kundmachung einer neuen Verordnung ein gesamter Oberstufengang durchlaufen werden soll, bevor die erste Zentralmatura stattfindet. Die Realität straft das Ministerium Lügen. Denn: Bereits jene Schüler, die heute in der sechsten Klasse sitzen, werden in zwei Jahren zur zentralen Matura antreten. Eine seriöse Vorbereitung sei damit nicht möglich, kritisieren Lehrer, Eltern und Schüler.

2Sorgenkind Mathematik: Feldtestungen allein sind zu wenig

Während die Vorbereitungen in Englisch stets als Beispiel einer gelungenen Vorbereitung herangezogen werden, hakt es im Bereich Mathematik. Dort starten derzeit die Feldtestungen der Beispiele; dabei werden die Maturabeispiele von Schülern gelöst und auf ihre Tauglichkeit geprüft. Schulversuche (wie es diese etwa bereits in Englisch gab) wird es in Mathematik aufgrund des Zeitdrucks nicht geben. So ergebe sich ein „relativ hohes Restrisiko“, warnt AHS-Lehrergewerkschafter Eckehard Quin. Denn die Beispiele würden nicht nur an einigen wenigen Schulen getestet, sondern auch unter völlig anderen Bedingungen als bei der Matura selbst – Leistungsdruck und Nervosität würden fehlen.

3Lehrstoff und Schulbücher: Orientierung an Kompetenzen fehlt

Weder Lehrplan noch Unterricht seien flächendeckend auf die neuen „kompetenzorientierte“ Reifeprüfung umgestellt, kritisieren die Eltern. Die Lehrer gehen noch einen Schritt weiter: Auch die entsprechenden Bücher würden fehlen. Stimmt nicht, sagt das Unterrichtsministerium. Die Bücher seien schon approbiert – und geprüft werde nichts, was nicht auch im Lehrplan stehe. Und dennoch fühlen sich die Lehrer alleingelassen. Es gebe eine Vielzahl an zugelassenen Büchern, die für die Vorbereitung zur Zentralmatura nicht geeignet sind. Welche davon tatsächlich im Unterricht landen, sei nicht die Entscheidung des einzelnen Lehrers. Eine Rolle würde dabei nicht zuletzt auch das Schulbuchbudget spielen.

4Schwerpunkte: Selbe Fragen trotz unterschiedlicher Kenntnisse

Egal welcher Schwerpunkt in den einzelnen Gymnasien und Realgymnasien gesetzt wird, die zentralen Klausurfragen sind dieselben. Wie viele Mathematikstunden ein Schüler wöchentlich etwa tatsächlich genossen hat, spielt keine Rolle. Gemessen werden die Schüler an denselben Kriterien. Die Pädagogen fürchten sich angesichts dessen vor einer Nivellierung nach unten.

5Beurteilung: Eltern könnten rechtliche Schritte setzen

Angesichts der vielen Unklarheiten, die noch ausgeräumt werden müssen, zeigen sich die Eltern in ihrer Stellungnahme zur Verordnung (der Entwurf liegt der „Presse“ vor) kämpferisch. Sollten die Maturaleistungen ihrer Kinder deutlich schlechter sein als jene der vorangegangenen Jahrgänge, die noch im „alten“ System maturiert haben, würden sie auch vor rechtlichen Schritten nicht zurückschrecken. Vorausgesetzt, die schlechte Leistung könne auf mangelnde Organisation und Vorbereitung der Zentralmatura zurückgeführt werden.

6Die Ferien: Ost und West sollen denselben Schulbeginn haben

Mit dem Vorstoß einer Vereinheitlichung des Schulstarts und der Sommerferien sorgten die Experten des Bildungsforschungsinstitut (BIFIE), die die Zentralmatura vorbereiten, für Diskussion. Selbe Chancen für alle gebe es nur dann, wenn auch die Unterrichtszeit dieselbe wäre, so das Argument. Ministerin Claudia Schmied hält zwar wenig von diesem Vorschlag, diskutieren will sie ihn dennoch. Der Widerstand der Länder ist sicher.

7Vorbereitungszeit: Betreuung vor der mündlichen Matura soll fallen

Auf die Hilfe der Lehrer konnten sich die Schüler vor der mündlichen Reifeprüfung stets verlassen. Rechtlich war nämlich die Einrichtung von vorbereitenden Arbeitsgruppen vorgesehen. Dieser Passus fehlt in der neuen Verordnung. Das stößt auf Kritik der AHS-Lehrer. Aus dem Ministerium heißt es dazu: Solange die Begutachtungsfrist noch laufe, könne noch nicht abgeschätzt werden, ob es tatsächlich bei einer Abschaffung der Vorbereitungszeit bleibe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2012)