Zusätzlich zu seinem Ruhestandsbezug von 200.000 Euro im Jahr will der zurückgetretene deutsche Bundespräsident weitere Privilegien, für die der Steuerzahler aufkommen soll.
Der deutsche Ex-Bundespräsident Christian Wulff besteht einem Magazinbericht zufolge ungeachtet der Debatte über seinen Ehrensold auch auf weiteren Privilegien für ehemalige Staatsoberhäupter. Wulff wünsche die gleiche Behandlung wie seine noch lebenden Vorgänger und beanspruche ein Büro und Mitarbeiter, berichtete "Der Spiegel" am Sonntag. Damit kämen neben den rund 200.000 Euro Ruhestandsbezügen jährlich 280.000 Euro weiterer Kosten auf die Steuerzahler zu, berichtete das Magazin. Das Bundespräsidialamt wolle die Mittel im kommenden Haushalt beantragen.
Wulff war nach der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung Mitte Februar zurückgetreten. Die Staatsanwaltschaft hatte am Freitagabend sein Haus in Großburgwedel durchsucht und dabei unter anderem Unterlagen und Telefondaten beschlagnahmt. Dem "Spiegel" zufolge wollen die Ermittler vor allem die Kommunikation zwischen Wulff und dem Filmunternehmer Christian Groenewold unter die Lupe nehmen. Groenewold hatte für Wulff einen Kurzurlaub auf Sylt bezahlt und seinerseits vom Land Niedersachsen eine Bürgschaft erhalten. Wulff hatte erklärt, er habe Groenewold die Hotelrechnung in bar erstattet.
Vorgänger nimmt Ehrensold nicht an
Anders als Wulff nimmt der 2010 zurückgetretene Ex-Bundespräsident Horst Köhler seinen Ehrensold nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" nicht in Anspruch. Er wolle nach seinem freiwilligen Ausscheiden Doppelbezüge vermeiden, berichtet das Blatt. Wulff hat sich bisher nicht öffentlich erklärt.
Die Grünen kritisierten das Verhalten des ehemaligen Bundespräsidenten. "Ich rate Herrn Wulff einen Moment innezuhalten und zunächst alle Vorwürfe zu klären", erklärte die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Renate Künast. Er beschädige das Ansehen der Politik insgesamt und auch nach seinem Rücktritt das des Bundespräsidenten.
Der am 19. Juni 1959 geborene CDU-Politiker war der zehnte Präsident der Bundesrepublik Deutschland. Im Februar 2012 musste er seinen Hut nehmen. Ein Überblick über den Werdegang des einstigen ersten Mannes im deutschen Staat. (c) AP (Michael Sohn)
Wulff begann seine politische Karriere bereits als Teenager. Schon mit 16 trat er der CDU bei, engagierte sich in der Schülerunion, arbeitete sich mit zähem Ehrgeiz und Seilschaften wie dem "Andenpakt" in der Politik nach oben. "Das ist ein Mittelstreckenläufer" erkannte Helmuth Kohl, "der hat Stehvermögen." (c) REUTERS (POOL)
Und dieses Stehvermögen brauchte er auch: Zwei Wahlniederlagen musste er einstecken, bis er schließlich 2003 niedersächsischer Ministerpräsident wurde. Den Parteivorsitz gab er bereits 2008 an David McAllister ab, der ihm später auch im Amt des Ministerpräsidenten nachfolgte. (c) REUTERS (FABRIZIO BENSCH)
Schon damals gab sich Wulff präsidial, als liberaler Moderator. Kantige politische Äußerungen vermied er aber stets. Vielmehr galt er als langweilig und konturlos. Einzig wenn es der Karriere förderlich war, griff er auch parteiinterne Konkurrenten an - wie den hessischen Kollegen Koch. (c) EPA (Peer Grimm)
2010 war Wulff als Kandidat von CDU/CSU und FDP nach dem überraschenden Rücktritt von Horst Köhler im dritten Wahlgang von der Bundesversammlung gewählt worden. Sein von SPD und Grünen unterstützter Gegenkandidat war der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck, den sich laut Meinungsumfragen die Mehrheit der Bevölkerung als Staatsoberhaupt gewünscht hatte. (c) REUTERS (TOBIAS SCHWARZ)
Am 30. Juni 2010 zog er dann ins Schloss Bellevue ein und mauserte sich zum „beliebtesten Schwiegersohn der Republik“ - 20 Monate später verlässt er das Schloss nach der kürzesten Amtsperiode eines deutschen Staatsoberhaupts. (c) REUTERS (POOL)
Wulff war nach eigenen Angaben kein Alphatier. Es fehle ihm „der unbedingte Wille“ zur Macht, sagte der damalige Ministerpräsident von Niedersachsen und stellvertretende CDU-Vorsitzende 2008 in einem Interview: „Kanzler traue ich mir nicht zu.“ (c) AP (Markus Schreiber)
Seine Herkunft aus kleinen Verhältnissen und einer schwierigen Familie habe ihn geprägt, hieß es oft. Als Kind musste er seine Mutter pflegen, die an Multipler Skleros litt und von ihrem Lebensgefährten verlassen wurde. (c) REUTERS (THOMAS PETER)
Doch der zurückhaltende und manchmal sogar schüchtern wirkende Plolitiker konnte auch anders. Hinter vorgehaltener Hand ätzte er gegen die Bundeskanzlerin. Das nährte Spekulationen, Angela Merkel habe ihn ins höchste Staatsamt „weggelobt“. (c) EPA (RAINER JENSEN)
Für Aufsehen sorgte der Jurist und Katholik, als er als erster eine Patchworkfamilie mit ins deutsche Präsidenten-Amt brachte. Nach der Scheidung von seiner Ehefrau Christiane, mit der er eine Tochter hat, heiratete Wulff die deutlich jüngere Pressereferentin Bettina Körner. Sie brachte einen Sohn mit in die Beziehung, 2008 kam der gemeinsame Sohn der beiden zur Welt. (c) Dapd (Berthold Stadler)
Dass am Ende ein 500.000-Euro-Kredit für das Familienheim in Burgwedel den Rücktritt einleitete, wäre Politikern mit einer anderen Herkunft vermutlich nicht passiert. "Jeder weiß, dass Scheidungen teuer sind", sagte Wulffs Unternehmerfreund Egon Geerkens, als die besonders günstigen Bedingungen für den Hauskredit bekannt wurden. (c) Dapd (Stefan Simonsen)
Hatte am Anfang die "Bild"-Zeitung die Karriere Wulffs gefördert, war sie zum Schluss der schärfste Kritiker. Nicht über Affären an sich stolpern Politiker in der Regel, sondern über ihren Umgang damit. Das schrieb "Bild" schon am 13. Dezember.(hell) (c) Dapd (Timur Emek)
Der zurückgetretene deutsche Bundespräsident Christian Wulff will weder auf Ehrensold (200.000 Euro) noch auf Büro und Stab verzichten. Die SPD möchte ihn jetzt ohne militärische Ehren in Pension schicken.
Die Aktion sei "auf freiwilliger Basis" verlaufen, es gebe keinen Durchsuchungsbeschluss, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes. Es geht um den Verdacht der Vorteilsannahme.
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