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Griechen-Anleihen: Umtauschen oder nicht?

Symbolbild
(c) EPA (Karl-Josef Hildenbrand)
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Der deutsche Anlegerschutzverband DSW empfiehlt Kleinanlegern, das Angebot zum Umtausch griechischer Staatsanleihen nicht anzunehmen. Privatinvestoren würden mindestens 53,5 Prozent ihres Geldes verlieren.

Wien/Weber. Viele Anleger mit starken Nerven haben sich in den letzten Wochen noch die eine oder andere Griechenland-Anleihe zugelegt. An der bei Privatanlegern beliebten Börse Stuttgart gehörten sie an mehreren Tagen zu den meistgehandelten Staatsanleihen.
Spekuliert wird, dass der griechische Staat die Anleihen an Kleinanleger zum vollen Nennwert zurückzahlt. Das würde eine Rendite von über 100 Prozent bringen, erzielt in nur wenigen Tagen. Denn die nächste große Anleihe wird bereits am 20. März fällig. Dieses Papier (ISIN GR0110021236) wurde am Montag aber vielerorts vom Handel ausgesetzt. „Die Informationslage ist sehr ungesichert, und die Liquidität ist auch stark zurückgegangen“, erklärte ein Sprecher der Stuttgarter Börse der „Presse“. Wann das Papier wieder gehandelt werden kann, stehe nicht fest. Schon am vergangenen Montag wurde die Anleihe einen Tag lang vom Handel ausgesetzt.

Das Umtauschangebot der Griechen sieht vor, dass Anleger auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen verzichten müssen. Die neuen Anleihen haben zudem eine viel längere Laufzeit als die alten Papiere. De facto liegt der Verlust damit bei über 70 Prozent. Dieser Deal wurde vom internationalen Bankenverband und der griechischen Regierung ausgehandelt.

Privatinvestoren empfiehlt der deutsche Anlegerschutzverband DSW, ihre Anleihen nicht umzutauschen. „Wir raten insbesondere Investoren, deren Papiere kurze Restlaufzeiten haben, das Angebot nicht anzunehmen“, sagte DSW-Geschäftsführer Marc Tüngler am Montag.

24 neue Anleihen für eine alte

Obwohl der Umtausch nur dann freiwillig bleibt, wenn mehr als 90 Prozent der Gläubiger (gemessen am Nennwert der Anleihen) mitmachen, sei das Risiko überschaubar. Beträgt die Zustimmungsquote nämlich zwischen 75 und 90 Prozent, kommt es zwar zu einem Zwangsaustausch, jedoch werden Anleger, die sich zuvor dagegen entschieden haben, dabei so behandelt, als hätten sie das Angebot von vornherein angenommen.

„Sollte die Quote über 90 Prozent liegen, wird der Umtausch freiwillig durchgeführt. Bei den 2012 fälligen Anleihen besteht dann durchaus die Chance einer Rückzahlung zum Nennwert“, so Tüngler weiter. Eine Annahme des Angebots empfiehlt der DSW nur jenen Anlegern, die Anleihen mit längeren Laufzeiten besitzen.
Wer sich darauf einlässt, muss sich aber auf Verwaltungsaufwand einstellen. Denn auf jede alte Griechen-Anleihe kommen nicht weniger als 24 neue. 20 kommen aus Griechenland, drei vom Euro-Rettungsfonds EFSF, und eine ist ein Besserungsschein, der einen Zinsaufschlag verspricht, wenn es der griechischen Wirtschaft besser gehen sollte als erwartet.