Die zur Raiffeisen-Gruppe gehörende Uniqa will Minderheitsaktionäre aus den Osteuropa-Töchtern auskaufen. Dies soll einen dreistelligen Millionenbetrag kosten. Die Uniqa geriet zuletzt wirtschaftlich unter Druck.
Wien/APA/Höll. Bei der Uniqa, Österreichs zweitgrößtem Versicherungskonzern, zeichnen sich einige Änderungen ab. Der neue Konzernchef, Andreas Brandstetter, will bei den Osteuropa-Töchtern die Minderheitsaktionäre auskaufen. Dies dürfte einen „ansehnlichen“ dreistelligen Millionenbetrag kosten: „Wir wollen das noch heuer und nächstes Jahr unter Dach und Fach bringen.“
Ein wichtiger Minderheitsaktionär ist die Osteuropa-Bank EBRD. Diese ist an der Uniqa-Tochter in Polen mit 30 Prozent, in Kroatien mit 20 Prozent und in Ungarn mit 15 Prozent beteiligt. Ausgenommen vom Auskauf ist Albanien, wo die Uniqa 68 Prozent an der Sigal-Gruppe hält.
Mehr „Unterfutter“ beim Kapital
Die Uniqa geriet zuletzt wirtschaftlich unter Druck. Wegen der Schuldenkrise in Griechenland und diverser Umbaukosten war im Vorjahr ein Vorsteuerverlust von 330 Millionen Euro angefallen. Bereits im Herbst wurde der Abbau von 600 der 9000 Verwaltungsjobs angekündigt.
2013 will sich das Unternehmen einen größeren Betrag von der Börse holen. Details dazu verriet Brandstetter nicht. Analysten gehen davon aus, dass es sich um einen hohen dreistelligen Millionenbetrag handeln wird. Im Zuge der Kapitalerhöhung könnte der Streubesitz von derzeit etwas mehr als neun Prozent auf bis zu 49 Prozent steigen. Laut Brandstetter sei die Ausstattung mit Eigenkapital okay, man wolle aber mehr „Unterfutter“ haben.
In der Vergangenheit gab es Gerüchte, dass die Uniqa verkauft werden soll. Doch das wurde von Raiffeisen entschieden dementiert.
Innerhalb der Raiffeisen-Gruppe dürfte auch die Raiffeisen Bank International (RBI) unter Umständen Geld brauchen. Schon seit Längerem wird hier über eine größere Finanzspritze spekuliert. Die Erste-Bank-Analysten halten eine Kapitalerhöhung zwischen 750 Millionen und 1,5 Milliarden Euro für möglich.
Rückzug aus Dubai?
Bei der Uniqa räumt Brandstetter mit Investments auf, die sein Vorgänger, Konstantin Klien, eingegangen war. Bis Ende März 2012 soll der Verkauf der Deutschland-Tochter, der Mannheimer-Versicherung, abgeschlossen sein. Auf dem Prüfstand steht eine Beteiligung in Dubai.
Dort halten die Österreicher 15 Prozent an der Takaful Al-Emarat-Versicherung. Diese vertreibt Produkte nach dem islamischen Recht. Klien sah hier in der Vergangenheit großes Wachstumspotenzial: „Zunächst wollen wir uns in den wirtschaftlich boomenden Vereinigten Arabischen Emiraten etablieren, dann in der gesamten Golfregion.“ Ende 2009 hatte der Dubai-Ableger aber weniger als 1000 Kunden.
Heuer wieder Gewinne
Außerdem ist die Uniqa an diversen Hotels beteiligt. Hier wurde ein Bieterverfahren eingeleitet. Angestrebt wird eine Verpachtung der Hotels, aber auch ein Verkauf ist denkbar.
Laut Brandstetter soll sich die Uniqa verstärkt auf das Kerngeschäft in Österreich und Osteuropa konzentrieren. Heuer will das Unternehmen wieder Gewinne schreiben. Ziel sei ein besseres Ergebnis als 2010. Damals lag der Jahresüberschuss bei 67,4 Millionen Euro.
Bis zum Jahr 2015 soll das Ergebnis um 400 Millionen Euro gegenüber 2010 verbessert werden. Dazu wird die Partnerschaft mit den Raiffeisenbanken intensiviert. Denn immer mehr Versicherungsprodukte werden über den Bankschalter verkauft.