Glücksspiel. Die 12 Spielbanken werden umstrukturiert. 300 Mitarbeiter sind gegangen.
Brüssel/wien (eid). Weniger Gäste, weniger Umsatz, aber hohe Kosten: Was hinter vorgehaltener Hand seit langem gemunkelt wird - dass die Casinos Austria mit ihren zwölf Spielbanken in Österreich kein Geld verdienen - ist nun offiziell. Bei einem um 3,1 Prozent auf 283 Mill. Euro gefallenen Umsatz hat das Nettoergebnis, das sich schon 2004 um 17 Prozent auf 10,3 Mill. Euro verringerte, auf minus 10,8 Mill. Euro gedreht. Das Betriebsergebnis war schon 2004 negativ. Die Zahl der Besucher ist 2005 um 5,3 Prozent auf 2,3 Millionen gesunken. "Die Verhältnisse haben sich geändert", sagte Casinos-Vorstand Paul Herzfeld bei der Bilanz-Präsentation in Brüssel.
Damit sind die neuen Zeiten gemeint. Ausgelöst durch den Boom bei Internet-Spielen, an denen die Casinos über ihre Beteiligung an den Lotterien kräftig mitnaschen. Das Umsatzplus von 46 Prozent auf 626 Mill. Euro ist der Beweis dafür. Außerdem kommen die Casinos hierzulande durch die schrittweise Legalisierung des Automatenspiels unter Druck, so Herzfeld. Die dafür gewählte Bezeichnung "kleines Glücksspiel" sei "sehr liebevoll", denn diese Angebote kämen den großen Spielen in den Casinos schon sehr nahe. Casinos-Chef Leo Wallner stellt daher das als "Glücksbringer" gedachte Casinos-Projekt Leobendorf nördlich von Wien in Frage.
Negativ zu Buche schlagen sich zudem Schadenersatzprozesse wegen hoher Spielverluste und die von einigen Bundesländern exorbitant gesteigerte Vergnügungssteuer. Allein in Graz stieg sie um 163 Prozent auf 740.000 Euro. Der Finanzminister musste sich hingegen mit einer um fünf auf 135 Mill. Euro zurückgegangenen Spielbankenabgabe zufrieden geben.
Mit einem Restrukturierungskonzept will Wallner das Steuer herumreißen. Dazu gehört der Abbau der 1800 in Österreich Beschäftigten. 300 statt der erwarteten 150 Mitarbeiter haben bereits den großzügigen "Golden Handshake" (bis zu einem Jahresgehalt) angenommen. Übrigens auch drei Casino-Direktoren. Gleichzeitig wurde ein neues Gehaltsschema eingeführt, das sich nicht mehr ausschließlich an den (schwindenden) Trinkgeldern orientiert.
Neue Spiele, wie "Easy Roulette" (eine Art automatisches Roulette) sollen Spieler anlocken, die Spielbanken werden "runderneuert". Das Konzept ist nicht neu, aber ausländische Gesellschaften haben damit Erfolg: Das Casino mit Bar, Restaurant, Vinothek und Veranstaltungszentrum. Wallner stellt für 2007 Gewinne in Aussicht. Was bedeutet, dass es auch heuer rote Zahlen geben wird.
Wie geschmiert läuft das Geschäft nicht nur im Internet, sondern auch im Ausland. Die in der Casinos Austria International zusammengefassten 62 Spielstätten erbrachten 883 Mill. Euro Umsatz (+ 25,4 Prozent) und eine Gewinnverdoppelung auf 20,1 Mill. Euro. Der Casinos Austria Konzern, für den sich Herzfeld einen Börsegang als "Option" vorstellen kann, erreicht ein Umsatzplus von 16,8 Prozent auf 3,04 Mrd. Euro. Der Konzerngewinn ist wegen der Restrukturierungsaufwendungen im Inland um fast ein Viertel auf 29,6 Mill. Euro gefallen. Expandiert wird in Serbien und in Chile.