Donnerstag läuft die Frist ab. Es bleibt ungewiss, ob die Beteiligung der Investoren für einen freiwilligen Anleihentausch ausreicht. Freitag entscheiden die EU-Finanzminister über das zweite Rettungspaket.
Athen/Brüssel/Ag./Aga. Die Zitterpartie um Pleitekandidat Griechenland nimmt kein Ende. Noch haben die Privatgläubiger zwar einige Stunden Zeit, auf das von der Athener Regierung vorgeschlagene Angebot zum Anleihentausch einzugehen. Doch die Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) glaubt nicht mehr an einen freiwilligen Schuldenschnitt, berichtete die „Financial Times Deutschland“ am Dienstag.
Die Beteiligung der Investoren werde nicht ausreichen, um die Aktivierung der Collective Action Clauses (CACs) zu vermeiden, so der Tenor. Die CACs sind Zwangsklauseln, mit denen ein Verzicht privater Gläubiger erzwungen werden kann. Damit würde aus der freiwilligen eine unfreiwillige Umschuldung, durch die auch Kreditausfallversicherungen (CDS) fällig werden könnten.
Nur wenn über 90 Prozent der Anleihen in privater Hand in Höhe von insgesamt 206 Milliarden Euro freiwillig umgetauscht werden, will Athen auf die Anwendung der CACs verzichten. Das aber ist zum jetzigen Zeitpunkt noch fraglich. Der Lenkungsausschuss des Internationalen Bankenverbands (IIF), der die Umschuldung mitverhandelt hat, hat seine Unterstützung für den Forderungsverzicht bereits definitiv bekundet. Ihm gehören zwölf Banken, Versicherer und Hedgefonds an, die in Summe rund 20 Prozent aller Papiere in privater Hand halten. Es handelt sich um die Allianz, die Alpha Bank, Axa, BNP Paribas, CNP Assurances, die Commerzbank, die Deutsche Bank, die Eurobank EFG, Greylock Capital Management, die ING Bank, die Intesa San Paolo und die National Bank of Greece.
IIF warnt: Pleite kostet eine Billion
Um diesen Instituten die Entscheidung für den Tausch zu erleichtern, warnte der von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann geführte IIF in einem internen Dokument vor einer unkontrollierten Pleite Griechenlands. Es sei „kaum absehbar, dass die Kosten dafür unter einer Billion Euro liegen“.
Morgen, Donnerstag, läuft die Erklärungsfrist für den Anleihentausch ab. Eine Verlängerung dieser Frist wurde von Athen am Dienstag zum wiederholten Mal kategorisch ausgeschlossen. Am Freitag sollte feststehen, wie viele Gläubiger sich an der Aktion tatsächlich beteiligen. Am Nachmittag wollen die Euro-Finanzminister auf Basis des Ergebnisses endlich über die Freigabe des zweiten, 130 Milliarden Euro schweren Rettungspakets entscheiden. Sollte die Schuldenschnitt-Beteiligung zu gering ausfallen, würde noch Geld für das Gesamtpaket fehlen. Derzeit ist unklar, wie es in einem solchen Fall weitergehen wird.
Österreich hat im Übrigen bis zum Jahresende 2011 für seine bisherige Beteiligung an den griechischen Milliardenhilfen in Höhe von 1,56 Milliarden Euro von der Regierung in Athen 62,6 Millionen Euro an Zinsen überwiesen bekommen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2012)