Das Schnitzel, die Brösel und die liebe Republik

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Verschlagen, Fettnapf, heiße Luft: In der Küche liegt der Schlüssel für den Umgang mit Österreich.

Andere mögen Kriege führen, du, Österreich, backe! Erst aus der Entfernung des Exils öffnet sich die gastronomische Größe dieses Landes. Es beginnt am Flughafen Schwechat, der zwar selbst, wie hier bereits festgehalten, ein kulinarisches Notstandsgebiet ist. Doch auf dem Weg zur Gepäcksausgabe liefern sich dort, wo einst die Werbung für ein sogenanntes „Nobelbordell“ (ein „nobles“ Bordell gibt es ebenso wenig wie einen schwarzen Schimmel) zu peinlicher Betroffenheit rührte, nun zwei Wiener Gasthäuser mittels Plakaten ein Ringen darum, wer denn das bessere Wiener Schnitzel zu panieren vermag.

Überhaupt steht das Schnitzel für vieles, was dieses Land manchmal so unfassbar macht. Erfahrene Schnitzelbäcker erinnern daran, dass man Eiweiß und Dotter „verschlagen“, aber nicht mixen darf und das zart brutzelnde Fleisch in der Pfanne regelmäßig mit heißem Fett übergießen soll. Denn nur so werfe die Panier die gewünschten luftigen Blasen.

Verschlagen, Fettnapf, heiße Luft: Braucht es noch mehr Stichworte für den Umgang mit unserer lieben Republik? Neulich, mit mütterlichen Schnitzeln und Gugelhupf abgefüttert, fand ich mich im Traum in eine Debatte mit einem Manager und einer Ernährungsberaterin platziert. Worum es ging, weiß ich nicht mehr, aber ein Satz ist mir erinnerlich: „Man stelle sich nur vor“, hob die Ernährungsberaterin an, „der ÖIAG-Chef bekäme vom Liftwart bei der Bergstation eine Buttersemmel gereicht, deren Nährwert bekanntlich dem einer durchschnittlichen ÖIAG-Beteiligung gleicht.“

Also wirklich! Nicht überall, wo es Brösel gibt, ist alles heiße Luft. Auch wenn der nächste Fettnapf meist nicht weit ist. Vor allem in unserer lieben Republik.

E-Mails an: oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2012)

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