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PRO: Mit Frauenquoten gegen verkrustete Strukturen

Frauenquoten gegen verkrustete Strukturen
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PROFrauen stehen Männern auch in der Arbeitswelt um nichts nach. Darum sind verpflichtende Frauenquoten ein notwendiges Übel.

"Ich bin kein Fan von Quoten", sagt EU-Kommissarein Viviane Reding - und dem können sich wohl viele anschließen. Denn in der Wirtschaft sollte einzig und allein die Leistung zählen. Doch das ist nicht so. Daher ist die Frauenquote - zumindest vorübergehend - wohl ein notwendiges Übel, wie auch Reding erkannt hat.

Diese vier Argumente sprechen für eine verpflichtende Frauenquote in den Chefetagen:

  • Quote gibt qualifizierten Frauen eine Chance

In der Bildung stehen Frauen heute den Männern um nichts nach: Seit 1999 gibt es sogar mehr weibliche als männliche Studenten an Österreichs Universitäten. Schon 1980 betrug der Frauenanteil laut Statistik Austria 40 Prozent. Heute sind die meisten dieser ehemaligen Studentinnen 50 Jahre oder älter, sollten also bereits ganz oben auf ihrer Karriereleiter angekommen sein. Dennoch ist man von einer 40-prozentigen Frauenquote in leitenden Positionen Lichtjahre entfernt. So sitzen etwa in den Vorständen der 200 größten österreichischen Unternehmen gerade einmal 5,1 Prozent Frauen.

Dabei wäre es einfach: In Frankreich wurde 2010 ein Gesetz verabschiedet, das bis 2017 in den Konzernvorständen eine Frauenquote von 40 Prozent vorschreibt. Und der Frauenanteil schnellte sofort von sieben Prozent (2007) auf über 20 Prozent. Das geht aus einem Bericht der "Corporate Women Directors International" hervor. Offenbar hatte man plötzlich kein Problem mehr, hochqualifizierte Frauen zu finden.

  • Konzerne mit Frauen im Vorstand erfolgreicher

Eine aktuelle Studie von Ernst & Young (mehr dazu ...) kommt zum Schluss, dass sich Diversität in Vorständen auszahlt: Große Konzerne mit weiblichen Vorstandsmitgliedern haben zwischen 2005 und 2010 deutlich mehr Umsatz und Gewinn erzielt als Firmen ohne Frauen in Führungspositionen.

EU-Justizkommissarin Viviane Reding, die für eine verpflichtende Frauenquote eintritt, bringt es auf den Punkt: Alle Studien aus der Wirtschaftswelt würden zeigen, dass Unternehmen, in denen mehr Frauen vertreten sind, profitabler seien und mehr Arbeitsplätze schaffen. "Es werden Talente verschwendet" - und dies könne sich die EU in Zeiten der Krise nicht erlauben.

  • Männernetzwerke zu dominant

Wie kommt es nun, dass Firmen trotz der Vorteile so selten auf Frauen setzen? Die deutsche Soziologin Jutta Allmendinger hat in einem Interview mit dem deutschen Rundfunk eine einfache Erklärung dafür: "Frauen sind kaum in den Netzwerken von Spitzenleuten, die sich immer wieder treffen. Dabei wäre auch wichtig, dass Karrierefrauen dort vertreten wären, um weitere qualifizierte Frauen in die Führungspositionen nachzuziehen." Erst wenn wir an diesem Punkt angekommen sind, sind Quoten überflüssig.

Diese These spiegelt sich auch in Meinungsumfragen wieder. Laut einer Forsa-Studie fühlen sich 70 Prozent der Managerinnen in Deutschland durch die Seilschaften der männlichen Konkurrenz benachteiligt.

  • Wirtschaft wird familienfreundlicher

Während Managerinnen Männernetzwerke fürchten, bereitet die Doppelbelastung durch Job und Familie laut der Forsa-Umfrage nur jeder Zwölften Kopfzerbrechen. Doch auch hier würde sich einiges ändern, wenn Firmen gezwungen sind, nicht nur die besten männlichen, sondern auch die besten weiblichen Talente zu umwerben. Betriebskindergärten, familienfreundliche Arbeitszeiten & Co. würden plötzlich ganz oben auf der Agenda stehen. Wetten?

>>CONTRA: Gesetzliche Frauenquote führt nicht zum Ziel

"PRO und CONTRA"

Die Serie "PRO und CONTRA" ist eine Sammlung von Für- und Wider-Argumenten zu einem aktuellen Thema, die nicht die Meinung der Autoren widerspiegelt.

(sk)