Bevölkerung diskutiert mehr über die EU

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Die heimische Debatte ist freilich im Vergleich eine meist negative. Wichtigste Themen sind die wirtschaftliche Lage und die Staatsschulden. Deutlich besser schneiden die mittel- und osteuropäischen Länder ab.

Brüssel/Wien. Die EU ist durch die aktuelle Staatsschuldenkrise Thema geworden – nicht nur in den Medien, sondern auch an den Stammtischen. 74 Prozent der Österreicher und Österreicherinnen diskutieren derzeit häufig oder gelegentlich über dieses Thema (25 Prozent nie). Das geht aus einer jüngsten Eurobarometer-Umfrage hervor, die in allen EU-Mitgliedstaaten durchgeführt wurde. Obwohl in Österreich mehr über lokale und nationale Politik debattiert wird, erreicht das EU-Thema im europäischen Vergleich hierzulande einen Spitzenwert. EU-weit sind es lediglich 59 Prozent der Bürger, die privat regelmäßig über „europäische politische Angelegenheiten“ diskutieren. 40 Prozent diskutieren nie darüber.

Die heimische Debatte ist freilich im Vergleich eine meist negative. 55 Prozent der Befragten waren der Ansicht, dass sich die EU in die falsche Richtung entwickelt. In Deutschland sind lediglich 46 Prozent dieser Ansicht, in Großbritannien hingegen 69 Prozent. Deutlich besser schneiden die mittel- und osteuropäischen Länder ab, die 2004 der Union beigetreten sind.

Und was brennt den Österreichern am meisten unter den Nägeln? Es sind nicht mehr so stark die Kriminalität und die Zuwanderung. Diese Themen haben laut der Eurobarometer-Studie an Bedeutung verloren. Heute bewegt die Österreicher vor allem die allgemeine wirtschaftliche Lage in der EU und das Schuldenproblem. Während beispielsweise 47 Prozent (+11 Prozent) die wirtschaftliche Lage als eine der beiden wichtigsten Probleme der Union nannten, waren es bei der Einwanderung nur noch elf Prozent (zehn Prozent weniger als ein Jahr zuvor). Negativ wird die Entwicklung der Demokratie in der Europäischen Union beurteilt. 56 Prozent sind mit der „Art und Weise, wie Demokratie in der EU funktioniert“ nicht zufrieden. 41 Prozent sind zufrieden.

Grafik: Die Presse

Gefühl, die EU nicht zu verstehen

Trotz ihres Eifers für EU-Diskussionen fühlen sich die Österreicher bei EU-Themen nicht sattelfest. 49 Prozent gaben an, dass sie eigentlich nicht verstünden, wie die Union funktioniert. 46 Prozent schätzen ihren Wissensstand als ausreichend ein. Gefragt nach wichtigen Fakten (z. B. Zahl der Mitgliedstaaten) schnitten die Österreicher allerdings besser ab als die anderen EU-Bürger.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.03.2012)

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