Kunsthalle: Mitarbeiter erklären Matt ihr Misstrauen

Kunsthalle Mitarbeiter erklaeren Matt
Kunsthalle Mitarbeiter erklaeren Matt(c) Die Presse (Teresa Zötl)
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Fast 90 Prozent der Mitarbeiter unterschrieben eine notariell ausgewertete Misstrauenserklärung. Die Dienstfreistellung des Direktors endet Ende März.

47 von 54 Mitarbeitern der Kunsthalle Wien haben eine Erklärung unterschrieben, in der dem derzeit dienstfrei gestellten Direktor der Kunsthalle Wien, Gerald Matt, das Misstrauen ausgesprochen und die Stadt Wien als Eigentümerin gebeten wird, für klare Verhältnisse zu sorgen. Die Auswertung des anonym durchgeführten Misstrauensvotums wurde durch einen Notar vorgenommen. Bezüglich seiner konkreten Auftraggeber verweist der Notar auf Anfrage auf seine Verpflichtung zur Verschwiegenheit.

Ihm seien am Mittwoch eine Liste der 54 Kunsthallen-Mitarbeiter sowie 53 Kuverts übergeben worden, heißt es in dem der APA vorliegenden Notariats-Schreiben. Vier der Schreiben hätten nicht eindeutig einem Mitarbeiter zugeordnet werden können, zwei der Schreiben seien mit dem Vermerk "Stimmenthaltung" versehen gewesen. Fazit des Notars: "Zusammenfassend heißt dies, dass 88,67 Prozent der Mitarbeiter dem derzeit dienstfrei gestellten Direktor der Kunsthalle Wien ihr Misstrauen aussprechen."

Bisher keine Hinweise gegen Matt

In der Causa Kunsthalle laufen derzeit Erhebungen von Kontrollamt, der Staatsanwaltschaft und der von der Stadt Wien beauftragten Prüffirma HLB Intercontrol. Einerseits werden die rechtlichen Details der Übernahme der Trägerschaft vom bisherigen Verein auf eine neu gegründete GesmbH geprüft, andererseits gibt es mannigfaltige Vorwürfe gegen Gerald Matt, die etwa eine Vermischung von privaten und dienstlichen Tätigkeiten sowie angeblich für Sponsorleistungen versprochene Staatsbürgerschaften betreffen.

Ein kürzlich vorgelegter Prüfbericht der von der Kunsthalle beauftragten Firma Interbilanz Hübner entlastete Matt und fand im Zusammenhang mit Möbeltransporten, Reparaturarbeiten an Kraftfahrzeugen sowie bei Arbeiten in der Wohnung Matts "keine Hinweise auf privat veranlasste Kosten", die über das Haus abgerechnet worden seien. Die Dienstfreistellung Matts endet Ende März. Bis dahin will man Klarheit über die weitere Vorgangsweise gewonnen haben, hat der interimistische Geschäftsführer Franz Patay wiederholt versichert.

Patay wusste von hoher Unzufriedenheit

Kunsthalle-Sprecherin Claudia Bauer wollte zu der Erklärung keine Stellung nehmen: "Es handelt sich dabei um eine interne Angelegenheit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern." Der Verein der Kunsthalle Wien zeigt sich "überrrscht". Vereins-Präsident Thomas Häusle ließ wissen: "Selbstverständlich werden die Anliegen der Mitarbeiter ernst genommen und intern zwischen dem Verein Kunsthalle Wien und der GmbH, dem zukünftigen Träger der Kunsthalle Wien, besprochen."

Der interimistische Geschäftsführer Franz Patay wies darauf hin, dass "zum jetzigen Zeitpunkt" nicht die neu gegründete GesmbH, sondern noch immer der Verein Arbeitgeber der Kunsthallen-Mitarbeiter sei. "Das heißt aber nicht, dass wir dieses Votum nicht ernst nehmen", so Patay, schließlich sei man an motivierten Mitarbeitern interessiert. Dass dort eine hohe Unzufriedenheit herrsche, habe er schon vor dem heute bekanntgewordenen notariell beglaubigten Misstrauensvotum gewusst: "Ich habe das auch ohne Notar zur Kenntnis genommen."

Derzeit werde die Übernahme der Verträge der Kunsthalle durch die neue GmbH geprüft, so Patay. "Davon gibt es über 200, nicht nur den von Herrn Dr. Matt." Es gebe nur die Möglichkeit alle Verträge oder keinen Vertrag zu übernehmen. Bei dieser Prüfung sei man "im Plan". Gleichzeitig prüften Arbeitsrechtsexperten auch "alle mögliche Szenarien" bezüglich des Vertrags von Gerald Matt. Sobald ein Ergebnis vorliege, werde der Aufsichtsrat in Kenntnis gesetzt. Dieser soll das nächste Mal in der letzten Märzwoche, "jedenfalls aber vor Ostern", zusammentreten.

(APA)

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