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Wohin sich Investoren wenden

MIPIM World
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Auf der Mipim wurde über die Trends für 2012 diskutiert. Thema Nummer eins: die Finanzierung. Und: Polen gilt im Osten als Zugpferd.

Die Wirtschaftskrise hat in der Immobilienbranche Unsicherheit ausgelöst. Auf der Immobilienmesse Mipim, die diese Woche in Cannes über die Bühne ging, diskutierten die Fachleute über die Auswirkungen auf die Märkte. Alljährlich in der zweiten Märzwoche werden an der Côte d'Azur die Weichen für das Immobilienjahr gestellt. Heuer in aller Munde: die Finanzierung von Investments. Im auf der Messe vorgestellten „Real Estate Intentions Survey“ von CBRE wurde die Stimmung unter den Investoren analysiert und Prognosen für die Investmentaktivitäten 2012 erstellt. Rund ein Drittel der 340 befragten Marktteilnehmer sieht in der Fremdkapitalbeschaffung das größte Hindernis für eine Erholung. Außerdem bewege die Krise in der Eurozone die Investoren zu einer defensiveren Strategie.

 

Ist Polens Boomzeit vorbei?

Weltweit gesehen zählen laut CBRE Mittel- und Osteuropa hinter Westeuropa und Nordamerika zu den begehrtesten Investmentregionen. Bezogen auf den gesamteuropäischen Markt liegt Großbritannien im Ranking vor Deutschland, dem diesjährigen „Country of Honour“ auf der Mipim, und den CEE-Ländern. Unter allen ost- und südosteuropäischen Regionen gilt Polen als eine der sichersten. „Die Boomzeiten sind zwar vorbei, aber der Markt ist trotzdem in Bewegung geblieben“, sagte Tomasz Trszoslo, Head of Capital Markets für die CEE-Region bei Jones Lang LaSalle. „Die Banken sind bei den Investments nur vorsichtiger geworden, aber der Markt zeigt sich mittel- bis langfristig attraktiv“, sagt auch Richard Wilkinson, Vorstand der Erste Group Immorent in Wien. Polen, eine attraktive Investmentregion – zu diesem Schluss kam man auch bei der Diskussionsrunde „CEE investment: where is the finance coming from and under what conditions?“ im Palais des Festivals in Cannes. Wobei eines feststeht: „Mit Immobilien wird nicht mehr wie früher schnelles Geld gemacht“, sagt Alexander Wlasto, Geschäftsführer im Competence Center Real Estate bei Ernst & Young Österreich.

Nach der „most attractive european city“ fragte CBRE – das Ergebnis: Das meiste Vertrauen der Investoren genießt zwar London, doch die polnische Hauptstadt liegt im Städteranking von CBRE gleich hinter der Stadt an der Themse und noch vor Paris. In Warschau zählen folgende Projekte zu den wichtigsten Investment-Deals 2011: der Erwerb von 50 Prozent der Anteile an der „Galeria Mokotow“ durch Unibail Rodamco mit rund 237 Millionen Euro, die Akquisition der Büroimmobilien „North Gate“ durch Deka Immobilien (103 Millionen Euro), „Focus Filtrowa“ durch RREEF (117 Millionen Euro) und weiters „Park Postepu“ mit rund 102 Millionen Euro durch die Immofinanz.

Erwähnenswert ist das erste Engagement der „Qatar Investment Authority“ in Polen: Der Fonds aus dem Nahen Osten erwarb die Projektentwicklung des neuen Hauptsitzes des polnischen Telekommunikationsunternehmens „TP S.A“ in Warschau. Auf dem Sektor der Warschauer Büroimmobilien konzentriert sich die Nachfrage auf den Central Business District. Hier sanken die Renditen innerhalb von zwölf Monaten auf 6,25 Prozent.

Gründe dafür sind die geringe Verfügbarkeit hochwertiger Büroimmobilien auf dem Markt und das als günstig eingestufte durchschnittliche Mietpreisniveau. Dieses liegt nach Angaben von Aengevelt zwischen 22 und 25 Euro pro Quadratmeter pro Monat. Damit hält der Wert immer noch um etwa 20 Prozent unter den Durchschnittsmieten der Vorkrisenzeit. Im Geschäftsviertel „Mokotow“ bewegen sich die Renditen durchschnittlich zwischen 6,7 und 6,8 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2012)