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Affenweibchen treiben lieber ab, als die Jungen totschlagen zu lassen

(c) EPA (Steffen Schmidt)
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Bei Dscheladas kommen Embryos, die nach der Geburt von einem neuen Haremsherrn getötet würden, nicht lebend zur Welt. Ihre werdenden Mütter treiben ab, man weiß nicht wie.

Vor über einem halben Jahrhundert bemerkte die Biologin Hilda Bruce, das bei trächtigen Laborweibchen Embryos abgehen, wenn ein neues Männchen auftaucht. Man nannte das den „Bruce-Effekt“, bemerkte ihn auch bei anderen Labornagern, vermutete Ähnliches bei Pferden, zudem kamen immer wieder Beobachtungen aus der freien Natur: So waren etwa bei Pavianen nach der Ankunft neuer Männchen abgetriebene Föten gefunden worden. All das war jedoch so ungesichert, dass der „Bruce-Effekt“ als Labor-Artefakt galt.

Aber nun hat ihn Jacinta Beehner (University of Michigan) in der freien Natur gefunden, bei Dscheladas, das sind Affen, die polygyn leben: Die Männchen haben einen Harem, diese Position halten sie etwa drei Jahre, dann werden sie entthront. Und der Nachfolger tötet alle Jungen, die entweder erst nach seiner Machtübernahme geboren oder dann noch gesäugt werden. Denn während dieser Zeit sind die Mütter nicht kopulationsbereit. Die schon geborenen, aber noch gesäugten Jungen des alten Paschas sind verloren, und die, die noch auf dem Weg zur Geburt sind, sind es auch.

Ihre werdenden Mütter treiben ab, man weiß nicht wie, aber den Grund kann man schon vermuten: Sie würden mit dem Austragen und anschließenden Säugen nur Energie verschwenden. Deshalb kommen in den ersten sechs Monaten nach einem Machtwechsel – so lange sind die Weibchen trächtig –, fast keine Jungen zur Welt (Science, 355, S.1222). Neu gezeugt hingegen wird rasch, die Zeit drängt: Die Weibchen säugen die Jungen 2,6 Jahre, nach drei Jahren übernimmt der nächste Pascha. Bis dahin müssen die Jungen abgestillt sein. Die Forscher wollen nun bei anderen Tieren näher hinsehen, vor allem bei Pferden. jl

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2012)