Drei neue Wiener Wochenmärkte eröffnen im April – und läuten die Wiederentdeckung der Nahversorger ein. Immer mehr Junge erledigen ihre wöchentlichen Einkäufe lieber an kleinen Wochen- oder Bauernmärkten
Wien. Es scheint fast so, als wären die goldenen Zeiten des Naschmarkts bald vorbei. Nein, das liegt nicht am Umbau, der den Markt bis 2015 sanieren soll, und auch nicht an der Besucherfrequenz. Was die anbelangt, ist der Naschmarkt mit 60.600 Besuchern pro Woche noch immer die Nummer eins der Wiener Märkte (die letzte Zählung stammt aus dem Frühling 2011). Aber jene, die den Naschmarkt zu dem machten, was er ist – ein angesagter Treffpunkt – könnten langsam genug von dem Boulevard der Eitelkeit haben.
Gut, die junge, urbane Mittelschicht, die ein ausgeprägtes Gespür für Trends hat, nimmt noch immer hin und wieder Platz in den Schanigärten vor Tewa, Neni und Co. Und die Zahl der überdimensionalen Sonnenbrillen ist nach wie vor recht hoch.
Die Jungen entdecken die Märkte
Aber immer mehr Junge erledigen ihre wöchentlichen Einkäufe dann doch lieber an kleinen, netten Wochen- oder Bauernmärkten, die irgendwie persönlicher und manchmal doch näher zur eigenen Wohnung sind. Und auch die Bezirke entdecken kleine Märkte als ideales Instrument, Grätzel aufzuwerten. „Die Blütezeit der Märkte war in den 70er und 80er Jahren. Dann ist es zurückgegangen. In den letzten fünf Jahren ist aber ein Trend erkennbar, wieder auf Märkte zu gehen“, sagt Doris Knor, Obfrau für die Bereiche Markt, Straßen- und Wanderhandel im Wiener Wirtschaftsbund. Sie führt das vor allem auf die jüngere Generation zurück, die das regionale und saisonale Angebot der Markthändler – vom Bauernbrot über Vorarlberger Käse bis zum Wiener Radieschen – schätzt. Auch Alexander Hengl, Sprecher des Wiener Marktamts, spricht von einem Trend in Richtung Wochenmärkte und Straßenständen – „seit etwa einem halben Jahr oder Jahr“. Seitdem fragen Bezirke nämlich verstärkt beim Marktamt an und bitten um ein Konzept, wie und wo sich mit ein paar Marktstandln eine Gegend aufwerten lässt.
Drei neue Wochenmärkte ab April
Im April eröffnen gleich drei neue Wochenmärkte. Ab 14.April werden in der Altgasse in Hietzing jeweils samstags ein paar Standler die Bewohner mit frischer Ware versorgen. Ab 20.April soll ein Markt den verwaisten Dornerplatz in Hernals attraktivieren – jeweils freitags. Und ab 28.April werden zweimal in Monat zusätzliche Standler versuchen, das Sorgenkind Schwendermarkt in Rudolfsheim-Fünfhaus etwas aufzuwerten. „Dabei handelt es sich überall um zehn bis 15 Standler“, sagt Knor, die hofft, dass es im Herbst ein paar weitere Neuerungen geben wird. Vor allem jene Gegenden, die über keine fixen Märkte verfügen, wären dafür geeignet – etwa Simmering, Ober St. Veit oder die sich in Entstehung befindende Seestadt Aspern.
Wobei es sich streng genommen bei den drei oben erwähnten Märkten gar nicht um Märkte handelt, sondern – laut Marktamt – um Straßenstände, von denen es 1087 in Wien gibt. Fixe Märkte gibt es in Wien übrigens 17 mit 850 Standln, plus den Großmarkt in Inzersdorf mit 430 Ständen.
Dann wird es etwas kompliziert: vier temporäre Märkte (etwa auf der Freyung), drei Gelegenheitsmärkte (Christbäume, Glücksschweinchen und Märkte zu Allerheiligen) und etwa 100 Anlassmärkte pro Jahr – dazu gehören auch die 17 Adventmärkte und fünf Ostermärkte.
Wann es sich um einen „richtigen“ Markt handelt und wann nicht liegt unter anderem an der Größe. Mindestens zehn Stände braucht es für einen Markt. „Viele sogenannte Märkte sind anfangs Straßenstände, um zu probieren wie es läuft, und werden dann etwa zu temporären Märkten“, sagt Hengl. Er ist überzeugt davon, dass es – egal wie sie dann richtig heißen – mehr Märkte geben wird. Gerade beim jungen Publikum sei es wieder en vogue, direkt beim Produzenten zu kaufen. „Wenn wir es schaffen, dass sie das ständig tun, dann sehe ich rosarot für die Zukunft.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2012)