Russland: Weniger Öl nach Europa

Der Russische Pipeline-Monopolist Transneft will künftig weniger Öl nach Europa liefern: "Wir haben Europa mit Öl überversorgt."

Russlands Pipeline-Monopolist Transneft will nach dem Bau der geplanten Versorgungsleitungen nach Asien weniger Öl nach Europa leiten. "Wir haben Europa mit Öl überversorgt. Und jede einfache wirtschaftliche Logik sagt, dass exzessive Versorgung die Preise drückt", sagte Transneft-Chef Semyon Wainschtok der Zeitung "Nesawisimaya Gaseta" vom Montag.

Öl nach Asien

"Bisher können wir die Versorgung nicht verringern, weil alle unsere Ausfuhren nach Europa gehen. Aber sobald wir das Öl nach China, Südkorea, Australien und Japan umleiten, wird dies sofort Öl bei unseren europäischen Kollegen abziehen." Wainschtok hat wiederholt erklärt, dass der Bau der Pipeline nach Asien Russland dabei helfen werde, russisches Öl anders zu verteilen und auch zum Abbau von Preisabschlägen für Europa beitragen werde.

Die Pipeline mit einer Länge von mehr als 4.000 Kilometern von Sibirien bis zur Pazifik-Küste soll elf Mrd. Dollar kosten und nach Fertigstellung 1,6 Mio. Barrel (1 Barrel = 159 Liter) pro Tag durchleiten. Weil die Pipeline in nur 800 Meter Entfernung vom Nordufer des Baikals verlegt werden soll, wurde eigens das russische Wasserschutzgesetz geändert. Die Ölleitung wird nach derzeitigem Bauplan 130 Zuflüsse des Baikalsees kreuzen. Durch die Pipeline sollen jährlich bis zu 80 Mio. Tonnen Öl zur Versorgung von China und anderen Abnehmern im Pazifikraum gepumpt werden.

Umweltschützer demonstrieren

In mehreren russischen Städten haben Umweltschützer gegen den vom Kreml beschlossenen Bau einer Ölpipeline am sibirischen Baikalsee protestiert. In der Großstadt Irkutsk, 100 Kilometer westlich des Baikals, forderten am Samstag einige tausend Demonstranten Schutz für das größte Süßwasserreservoir der Welt, wie der regionale Fernsehsender AS Baikal TV auf seiner Webseite berichtete.

Eine Informationsblockade der staatlich kontrollierten russischen Medien überschattete die Aktion, zu der Greenpeace und andere Umweltschutzorganisationen aufgerufen hatten. Protestaktionen gab es auch in den Städten St. Petersburg, Nischny Nowgorod, Ulan-Ude und Angarsk. Die Menschen fürchten, dass ein Ölunfall in dem erdbebengefährdeten Gebiet das Ökosystem am nördlichen Ende des Baikals zerstören könnte. (Ag.)

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