ÖBB: Pragmatisiert im Privatbetrieb

Facility Management. ÖBB-Ausgliederung beschert der Reinigungs-Branche unkündbare Waggonputzer. Reiwag-Chef Wagner wälzt Expansionspläne im "China der Österreicher".

Wien. "Das wird eine interessante Sache", meint der Chef der Reinigungs- und Facility-Management Firma Reiwag, Viktor Wagner. In der Tat: Reiwag ist eines jener drei österreichischen Unternehmen, das im Rahmen eines Outsourcing-Prozesses der ÖBB die Waggonreinigung der Bundesbahn übernommen hat. Samt den dazugehörigen Eisenbahnern.

Und jetzt hat Wagner in seinem Unternehmen zwei Klassen von Reinigungspersonal. Denn eine der Bedingungen für den 300-Millionen-Auftrag über zehn Jahre (von dem 70 Mill. Euro auf die Reiwag entfallen) war, dass die übernommenen Eisenbahner ihre dienstrechtliche Sonderstellung behalten.

Damit hat sich die Bahn "Golden Handshake"-Lösungen erspart. Und die betroffenen Mitarbeiter trotzdem motivieren können, die Bahn freiwillig zu verlassen. Sie verdienen mehr als die zum Reinigungskollektivvertrag angestellten Stammkräfte. Und die pragmatisierten unter ihnen - bei der Reiwag rund die Hälfte der 60 Übernommenen - sind unkündbar.

Allerdings, so Wagner im Gespräch mit der "Presse", habe es bisher im Unternehmen keinerlei Reibereien deshalb gegeben. Zumal die Waggonreinigung in einer eigenen Tochtergesellschaft (Reiwag Rail Services) organisiert ist. Und warum ein Privatunternehmen für einen (allerdings sehr kleinen) Teil der Mitarbeiter Unkündbarkeit akzeptiert, ist auch schnell erklärt: Die ÖBB plant noch einige Ausgliederungen - und da wolle man im Geschäft bleiben.

Mit Private-Public-Partnership Aufträgen hat man ja Erfahrung: Wagner war relativ bald nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nach Prag gefahren, um den dortigen Stadtvätern seine Dienste schmackhaft zu machen. Ergebnis: Seit elf Jahren ist die Reiwag für ein Drittel der Prager Straßenreinigung und Müllabfuhr zuständig. Und derzeit laufen Gespräche über die Übernahme der Hälfte der Stadtreinigung einer "zweiten tschechischen Großstadt", und über eine Art "Müll-Consulting" für das Emirat Dubai.

Die Scheichs hätten sich auch für eine Übernahme des "Müllmanagements" durch die Reiwag interessiert, aber das habe er - ebenso wie seine China-Pläne - ad acta gelegt. "Unser China ist Osteuropa", umreißt Wagner seine Expansionsstrategie. Und dort hat er unterdessen einen kleinen Reinigungs-Konzern mit Tochtergesellschaften in Tschechien, Ungarn, Rumänien, der Slowakei und neuerdings auch in Kroatien aufgebaut. Und in zwei Jahren steht der Sprung in die Ukraine an.

Die Expansionsstrategie hat Reiwag heuer bereits zum dritten Mal in die von "GrowthPlus/Europe's 500" ermittelte Liste der 500 schnellst wachsenden Unternehmen (die im Rahmen einer Gala am Wochenende in der Wiener Hofburg ausgezeichnet wurden) katapultiert.

Auf Rang 97, um genau zu sein. "Nächstes Jahr sind wir noch weiter vorne", sagt Wagner. Denn 2006 habe ihm den größten Umsatzschub in der Unternehmensgeschichte beschert. Die Zahl der Mitarbeiter ist heuer (einschließlich der übernommenen Bundesbahner) von 1730 auf 2300 gewachsen.

An externe Expansionsfinanzierung (etwa durch einen Börsengang) denkt Wagner, dem die Reiwag zu hundert Prozent gehört, nicht: "Wir haben keinen Euro Schulden und finanzieren das Wachstum aus eigener Kraft".

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