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Zahlte Gaddafi Sarkozys Wahlkampf?

(c) EPA (MAYA VIDON)
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Laut Enthüllungen eines Onlinemagazins soll Libyens Ex-Diktator Gaddafi 2007 die Wahlkampagne von Sarkozy mit 50 Millionen Euro unterstützt haben. Für den Staatspräsidenten ist das ein schwerwiegender Verdacht.

Paris. Das Gerücht, dass Libyens Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi Nicolas Sarkozys erste Präsidentschaftskampagne des Jahres 2007 finanziert haben könnte, ist nicht neu. Diktatorensohn Saif al-Islam al-Gaddafi hatte bereits vor seiner Festnahme im vergangenen November in einem Interview mit „Euronews“ Sarkozy mit Enthüllungen gedroht: „Wir verlangen von diesem Clown, dass er dem libyschen Volk das Geld zurückgibt, das er zur Finanzierung seiner Wahlkampagne bekommen hat. Wir haben alle Bankangaben, Konten und Dokumente.“

Das klang stark nach einer Retourkutsche für die französische Beteiligung an der internationalen Intervention in Libyen. Doch jetzt liefert das vom ehemaligen „Le Monde“-Chef Edwy Plenel gegründete Onlinemagazin „Mediapart“ mehrere Anhaltspunkte, die diese These erhärten könnten.

 

Elf Trips nach Tripolis

Bei den Ermittlungen gegen den Waffenhändler Ziad Takieddine, der in mehreren Rüstungsgeschäften für Frankreich als Vermittler tätig war, stieß die Polizei angeblich auf belastende Dokumente. „Mediapart“ zufolge lässt sich aus ihnen ableiten, dass bei einem von Takieddine und Sarkozys Mitarbeitern Brice Hortefeux und Claude Guéant vorbereiteten Besuch in Tripolis im Oktober 2005 zwischen dem damaligen französischen Innenminister und dem libyschen Staatsführer geheime Vereinbarungen getroffen wurde. Neben diversen Gegengeschäften soll damals auch eine Finanzierung von Sarkozys Wahlkampagne des Jahres 2007 mit 50 Mio. Euro fixiert worden sein.

Takieddine bestätigt, dass er allein 2005 nicht weniger als elf Mal nach Tripolis gereist war. Zum Vorbereitungstreffen von Sarkozys rechter Hand, Claude Guéant, in der libyschen Hauptstadt notierte Takieddine selbst: „Der Besuch muss seinen geheimen Charakter behalten. Es wäre von Vorteil, dass sich CG allein und ohne Fanfaren bewegt. Anderer Vorteil: Es wäre leichter, andere wichtige Themen auf direkte Weise zu erwähnen.“

Kurz nach Sarkozys Kür zum Staatspräsidenten flog der Wahlsieger nach Tripolis, um dort mit seiner damaligen Gattin, Cécilia, acht bulgarische Krankenschwestern aus ihrer Geiselhaft zu „befreien“. Plötzlich war der libysche Diktator ein guter Freund Frankreichs, den Sarkozy im Dezember desselben Jahres noch mit allem Pomp zu einem Besuch in Paris einlud. Diverse Verträge und Abkommen wurden damals unterzeichnet.

Diese These, dass Sarkozy als Gegenleistung Geld für seine Kampagne des Jahres 2007 erhalten habe, stützt sich im Wesentlichen auf Angaben und Aussagen des Arztes Didier Grosskopf, der früher auf Ersuchen der französischen Behörden für Takieddine tätig war. Obwohl die Namen aller französischen Beteiligten in Grosskopfs von „Mediaparte“ veröffentlichter Notiz „Camp07“ (Kampagne 2007?) mit Initialen abgekürzt sind, ist eine Entschlüsselung ein Kinderspiel.

Es werden mehrere vorbereitende Treffen von ZT (alias Ziad Takieddine) mit Gaddafis Sohn Saif al-Islam erwähnt sowie die von BH (Brice Hortefeux?) organisierte Abwicklung der finanziellen Transfers zugunsten von NS (Nicolas Sarkozy?) via Schweiz auf ein Konto in Panama. Am Ende dieses ominösen Dokuments steht hingegen der unzweideutige Satz: „Kampagnenfinanzierung vollständig beglichen“.

 

Hortefeux dementiert

Für den Staatspräsidenten, der für seine Wiederwahl am 22. April und 6. Mai antritt, ist das ein schwerwiegender Verdacht, zu dem er sich bisher nicht geäußert hat. Sarkozys Berater Hortefeux erklärte hingegen auf Anfrage von „Mediapart“, bei seinem und Sarkozys Besuch in Tripolis sei „in keinster Weise je von einer Finanzierung der Politik die Rede“ gewesen.

Der Arzt Didier Grosskopf sagte zu „Mediapart“, er wolle in keiner Weise in dieses Dossier verwickelt werden. Er müsse sich und seine Familie schützen, denn er sei bereits beschattet worden.

Auf einen Blick

Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht der Waffenhändler Ziad Takieddine, der in mehreren Rüstungsgeschäften für Frankreich als Vermittler tätig war. Die Recherchen von „Mediapart“ haben ergeben, dass Takieddine gemeinsam mit Sarkozys Mitarbeitern Brice Hortefeux und Claude Guéant im Jahr 2005 einen Besuch in Tripolis organisiert haben soll. Bei Sarkozys Visite in der libyschen Hauptstadt sollen mehrere Geheimabkommen mit dem damaligen Herrscher Muammar al-Gaddafi fixiert worden sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2012)