Dänemark-Dreh: Woody Allens gekaufte Liebe

(c) AP (Matt Sayles)
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Woody Allen dreht sich quer durch Europa. Muss er auch. Wie soll der Starregisseur sonst seine Filme finanzieren?

Die Dänen sind ja, so viel ist hinlänglich bekannt, die glücklichsten Bewohner Europas. Nun dürfte sich ihr Glücksindex – zumindest der von filmaffinen Personen und cleveren Geschäftsmännern – um mehrere Punkte erhöht haben. Wie das US-Branchenblatt „Hollywood Reporter“ am Dienstag berichtete, wird der US-Starregisseur seinen nächsten Film in Kopenhagen machen. Drehstart soll 2013 sein.

Kopenhagen ist damit die fünfte Stadt in Europa, in der Woody Allen einen Film dreht. Er setzt damit seine seit 2005 anhaltende Europatour von London (u. a. „Match Point“) über Barcelona („Vicky Cristina Barcelona“), Paris („Midnight in Paris“) und Rom („Nero Fiddles“) fort. Was für ein Kompliment für den Kontinent.

Nicht ganz. Denn Woody Allens Liebe zu Europa ist nicht (nur) auf die Geschichte und kulturelle Vielfalt des Kontinents zurückzuführen. Eigentlich ist sie hauptsächlich finanzieller Natur: Denn Woody Allen hat für sich ein neues Geschäftsmodell entdeckt. Er dreht seine Filme in europäischen Städten, weil er dort zum Teil große Filmförderungen oder massive Steuererleichterungen für den Filmdreh bekommt. In den USA hat er nämlich Schwierigkeiten für seine – kommerziell eher nicht erfolgreichen – Filme Produzenten aufzustellen.

Allen selbst macht daraus auch kein Geheimnis: „Alles fing mit ,Match Point‘ an, den ich in London machte, weil man mir dort das Geld gab. Dann fragten mich die Franzosen und die Spanier. So kam eins zum anderen“, sagte Allen unlängst zur „Kleinen Zeitung“. Amerikanische Filmfirmen würden außerdem vorher immer seine Scripts sehen wollen, was ihm gar nicht behage, gestand er „News“. Europa sei da viel freizügiger. Die Stadt kümmere sich um die Finanzierung. Er dreht. Im Gegenzug baut Allen das jeweilige Land in seine Filmgeschichte ein – und dreht lange Sequenzen, in denen indirekt Werbung für die traumhafte Kulisse gemacht wird. Bestes Beispiel ist „Midnight in Paris“, bei dem er mit seinen historischen Touren im Film eine Art „Product Placement“ betreibt.


Kein Einzelfall, und von den lokalen Politikern auch zum Teil geschickt kalkuliert. Um Woody Allen Barcelona als Drehort für seinen Film „Vicky Cristina Barcelona“ schmackhaft zu machen, hat der Bürgermeister der Stadt der Produktionsfirma ein zinsloses Darlehen gewährt, wie Arie Bohrer von der österreichischen Film Commission Location Austria erklärt. Das Darlehen hätte erst ab einem bestimmten Einspielergebnis zurückgezahlt werden müssen. Die Grenze war aber so hoch angelegt, dass es nie dazu kam. So konnte der Bürgermeister sein Gesicht wahren und sich Woody Allen über einen kräftigen Zuschuss für seinen Film freuen.

Allen selbst setzt diesen Businessplan auch geschickt um: Immer wieder erklärt er in Interviews, wo er sich vorstellen könnte zu drehen: Frankfurt, Berlin, München Hamburg, Stuttgart, im schwedischen Stockholm. Und ja, auch Wien könne er sich laut der „Kleinen Zeitung“ vorstellen. Eine Geschichte über den Anfang des 20.Jahrhunderts. Nachsatz: „Leider hat mich bisher niemand eingeladen, in Wien einen Film zu drehen.“

In Hollywood werden vereinzelt Kritiken laut: Woody Allen würde ganz Europa abgrasen, sagte Kollege Terry Gilliam, Regisseur von Filmen wie „Fear and Loathing in Las Vegas“ unlängst in einem Interview. Und auch was den filmischen Erfolg betrifft, hat sich Europa bis jetzt bei Woody Allen noch nicht durchgesetzt. Seine besten Filme sind noch immer in New York entstanden. In Europa hofft man jedenfalls, mit den Filmen Touristen ins Land zu bringen. Und einen Hauch von Hollywood zu erheischen, wenn die starbesetzte Filmcrew – und das ist sie bei Woody Allen eigentlich immer – ins Land zieht. So gute Werbung ist wohl selten zu kriegen. Kluge Europäer. Cleverer Woody Allen.

Auf einen Blick

Allen goes Europe. Woody Allen plant, seinen nächsten Film in Kopenhagen, Dänemark, zu drehen. Das Land ist damit das fünfte in Europa, in dem Allen einen Film dreht. Alles nicht weiter verwunderlich. In den USA hat Allen Schwierigkeiten, Produzenten für seine Filme zu finden. In Europa locken ihn die Politiker mit Filmförderungen. Im Gegenzug baut Allen das Land in seine Filme ein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2012)

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