Was bringen Zinsabsicherungen für Kredite?

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Kreditnehmer können sich derzeit über niedrige Zinsen freuen. Mit sogenannten Zinscaps kann man die Konditionen absichern. Das zahlt sich aber nur in Extremfällen aus, meistens verdient die Bank.

Wien/Ker. Die Wirtschaft in der Eurozone strauchelt, die Europäische Zentralbank (EZB) fährt daher im Krisenmodus. Sie hält die Zinsen gering, um die Wirtschaft zu unterstützen. Einer Gruppe gefällt dieser Kurs wohl besonders: den Kreditnehmern. Sie müssen derzeit relativ wenig für Zinsbelastungen aufwenden.

Ein Beispiel: Für einen variablen 200.000-Euro-Kredit (endfällig) beträgt die Zinsrate knapp 400 Euro monatlich (inklusive Zinsaufschlag von einem Prozentpunkt). Im vorigen Juli musste der Kreditnehmer noch 520 Euro bezahlen. Vor vier Jahren waren bei dieser Kreditsumme monatliche Zinsraten von 900 Euro normal.

Marktzinsen auf tiefem Niveau

Eines kann man aber mit großer Wahrscheinlichkeit vorhersagen: So niedrig wie jetzt werden die Zinsen nicht immer sein. Sie hängen bei variablen Krediten von den Marktzinsen ab, im Euroraum ist das in vielen Fällen der sogenannte Drei-Monats-Euribor. Dieser Interbanken-Zinssatz liegt derzeit bei niedrigen 0,88Prozent und hängt stark vom Verhalten der EZB ab (erhöht diese die Leitzinsen oder gibt es die Erwartung, dass sie das tun wird, steigt der Euribor).

Bleibt nun die Frage: Soll man jetzt die Kreditzinsen auf Jahre hinweg absichern? Dafür gibt es ein Instrument, nämlich Zinscaps. Mit so einem Deckel zieht man bei seinem Kredit eine Zinsobergrenze ein. Die Zinsbelastung für den Kreditnehmer geht über diese Grenze nicht hinaus.

Ob sich solche Instrumente für den Kunden auch tatsächlich auszahlen, hat „Die Presse“ für zwei Szenarien durchgerechnet. Angenommen, die Wirtschaft in der Eurozone erholt sich kontinuierlich, und die EZB lässt daher dementsprechend die Zinsen moderat ansteigen. Dann könnte jenes Szenario eintreten: Der Euribor (drei Monate) liegt 2012 durchschnittlich bei einem Prozent, in den kommenden zwei Jahren bei zwei, in den folgenden zwei Jahren bei drei und dann bis 2019 bei 3,5 Prozent pro Jahr.

Teure Absicherung

Die Belastung für den Kreditnehmer würde in diesen acht Jahren bei rund 68.000 Euro liegen (in diesem Wert ist einberechnet, dass die Bank zum Euribor einen Zinsaufschlag von 1,5Prozentpunkten einbehält).

Als Kreditnehmer kann man sich vor diesen steigenden Zinsen mit Zinscaps schützen. Der Vorteil dabei: Da die Zinsen derzeit so niedrig sind, sollten diese Produkte auch billiger zu haben sein. Das bedeutet freilich noch nicht, dass sich die Absicherung auch rechnet.

Ein Beispiel: Ein Zinscap der Erste Bank (Isin: AT0000A0NWZ4) sichert dem Kunden zu, dass die Zinsbelastung bis Ende 2019 nie über drei Prozent steigt (Zinsaufschlag ist nicht inkludiert). Kauft er nun diesen Zinscap, macht seine Zinsenbelastung in den kommenden acht Jahren 64.800 Euro aus. Also um fast 3200 Euro weniger als ohne Zinsabsicherung.

Es gibt jedoch ein großes Aber: Der Zinscap ist nicht gratis. Im Gegenteil: Ein solches Produkt kostet bei der Erste Bank derzeit 53 Euro. Damit deckt man 1000 Euro ab. Für einen 200.000-Euro-Kredit benötigt man also 200 Caps. Der Kunde müsste demnach 10.600 Euro an die Erste Bank bezahlen. Fazit: In diesem Fall hat sich die Zinsabsicherung nicht gelohnt. Der Kunde hätte sich zwar 3100 Euro erspart, wofür er aber 10.600 Euro hätte aufwenden müssen. Unter dem Strich bleibt ein Minus von 7500 Euro.

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Nutzen nur bei hohen Zinsen

Warum hat sich die Absicherung bei diesem Beispiel nicht gelohnt? Die Caps greifen ja nur dann, wenn der Euribor-Zinssatz auch tatsächlich auf über drei Prozentpunkte steigt. Das wäre im obigen Beispiel nur in drei Jahren der achtjährigen Kreditlaufzeit der Fall gewesen.

Hier ein extremeres Szenario: Die Eurozone erlebt bald einen wirtschaftlichen Boom, die EZB erhöht die Zinsen stark, um hohe Inflationsraten zu vermeiden. Demnach liegt der Euribor im Jahr 2012 bei durchschnittlich einem Prozent und in den folgenden zwei Jahren bei zwei bzw. drei Prozent.

In den darauf folgenden fünf Jahren liegt dann der Zinssatz bei durchschnittlich vier Prozent. Ohne Zinsabsicherung beträgt die Zinsbelastung in den nächsten acht Jahren fast 77.000 Euro. Wenn aber der Kreditkunde den besagten Zinscap (AT0000A0NWZ4) kauft, muss er nur rund 67.000 Euro zahlen. Das ergibt eine Ersparnis von 10.000 Euro. Doch selbst diese Ersparnis liegt unter jenem Preis, den der Kreditnehmer für die Caps aufwenden muss (nämlich 10.600 Euro).

Hochzinsphasen meist nicht lang

Erst bei noch höheren Zinsen würde sich die Absicherung rechnen. Doch eines muss der Kreditnehmer beachten: Dass der Euribor (drei Monate) fünf Jahre lang bei oder über vier Prozent liegt, ist zumindest aus Sicht der vergangenen zehn Jahre ein extremer Fall. Zuletzt war der Euribor von Mitte 2007 bis Ende 2008 so hoch. Also in einer absoluten Boomphase oder besser gesagt „Kreditblasenphase“. Aktuell notiert der Drei-Monats-Euribor bei 0,88Prozent und ist von solch hohen Werten noch weit entfernt.

Vor allem auch, weil aus der EZB derzeit keinerlei Anzeichen kommen, dass die Verantwortlichen an den niedrigen Zinsen in absehbarer Zeit etwas Grundlegendes ändern wollen.

Was Sie beachten sollten bei... der Absicherung gegen hohe Zinsen

Tipp1

Zinscaps. Der Kreditnehmer sichert sich damit zu, dass seine Zinsbelastung nicht über einen bestimmten Wert hinausgeht. Das ist sinnvoll, wenn man mit steigenden Marktzinsen rechnet und eine höhere Belastung vermeiden will. Aber: Die Absicherung kostet Geld, schließlich wollen auch die Anbieter (Banken) daran verdienen.

Tipp2

Hohe Kosten. Ein Beispiel: Der Kreditnehmer will seinen variablen 200.000-Euro-Kredit (endfällig) dahingehend absichern, dass er nicht mehr als drei Prozent zahlen muss. Mit einem Zinscap der Erste Bank kostet das 10.600 Euro für die nächsten acht Jahre. Damit sich diese Absicherung auszahlt, müssten die Marktzinsen extrem steigen, wonach es aktuell nicht wirklich aussieht.

Tipp3

Zinsaufschläge. Aufpassen sollten die Kunden, was in der Absicherung inkludiert ist. Diese Absicherung sorgt nur dafür, dass der Euribor nicht über einen bestimmten Wert hinausgeht. Bei Krediten zahlen die Kunden aber nicht nur die Marktzinsen, sondern auch Zinsaufschläge an die Banken. Die sind in der Absicherung nicht inkludiert und auf jeden Fall zu bezahlen.

Tipp4

Spekulieren. Einen Zinscap kann man nicht nur als Absicherung verwenden. Man kann damit auch spekulieren, indem man versucht, diesen Cap vor Ende der Laufzeit zu einem höheren Preis an die Bank zurückzuverkaufen. Aber Achtung: Den Preis dafür legt im Normalfall die anbietende Bank fest, er ist nicht wie an der Börse von Angebot und Nachfrage abhängig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2012)

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