Federal Reserve: US-Banken sind für Krisenfall gewappnet

(c) AP (MARK LENNIHAN)
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Die Notenbank untersuchte 19 Institute auf deren Krisenresistenz. Davon bestanden 18 Banken die Prüfung. Tatsächlich scheinen sie auf den ersten Blick weniger wackelig dazustehen.

Wien/Stef. Es ist eines dieser Worte, die vor der Finanzkrise 2008 kaum jemand gekannt hat und die nun allgegenwärtig sind: Stresstest. Anfang 2009 präsentierte die US-Regierung erstmals die Resultate dieser Untersuchung, zu der die größten Banken als Folge ihres Beinahe-Kollapses Ende 2008 verdammt worden waren. Zehn der 19untersuchten Banken fielen damals durch. Sie mussten ihre Kapitalbasis stärken.

Drei Jahre später sieht die Lage zumindest auf dem Papier deutlich rosiger aus. Dienstagnacht präsentierte die Notenbank Federal Reserve die neuesten Ergebnisse des Stresstests. 18 von 19 Banken bestanden die Prüfung, nur das relativ kleine Institut Ally Financial fiel durch. „Die US-Banken stehen deutlich besser da als ihre europäischen Konkurrenten“, lautete der Tenor in den US-Medien.

Schwer vergleichbar mit Europa

Tatsächlich scheinen die US-Institute auf den ersten Blick weniger wackelig dazustehen. Im Dezember veröffentlichte die European Banking Authority (EBA) ihre Resultate für Europas Banken. Die Behörde ortete bei 30Instituten eine unzureichende Kapitalbasis von insgesamt 114 Mrd. Euro. Davon betroffen sind auch die Erste Group – ihr „fehlen“ 743Mio. Euro– sowie die RZB mit einem Kapitalloch von 2,127 Mrd. Euro.

Allerdings sind die Vorgaben der Bankenaufseher in den USA und der EU schwer vergleichbar. Die EBA schreibt den Instituten eine Kernkapitalquote (Tier 1 Ratio) von neun Prozent vor. Die Federal Reserve spielte hingegen ein Krisenszenario ähnlich jenem von Ende 2008 durch, um die Stabilität der Banken festzustellen. Sie nahm einen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 13Prozent, einen Kurseinbruch an den Börsen von 50Prozent sowie einen Rückgang der Häuserpreise um 21Prozent an. Um den Stresstest zu bestehen, mussten die betroffenen Banken in solch einem Fall über eine verbleibende Kernkapitalquote von fünf Prozent verfügen.

Einige Institute bestanden den US-Stresstest nur knapp, beispielsweise die Riesen Goldman Sachs (im Krisenfall noch 5,8Prozent Kernkapitalquote) oder Bank of America (5,7Prozent). Andere wie JP Morgan (6,3Prozent) oder Wells Fargo (6,6Prozent) verfügen über einen etwas größeren Polster.

Die Börsen reagierten unmittelbar nach Bekanntgabe der Ergebnisse mit einem Kursfeuerwerk für Finanztitel. Bankaktien gewannen weltweit an Wert, JP Morgan legte innerhalb kurzer Zeit sieben Prozent zu, Goldman Sachs fünf Prozent. Am Mittwoch verloren die Papiere wieder einen kleinen Teil des Gewinns vom Vortag.

Citigroup tritt ins Fettnäpfchen

Die Ergebnisse des Tests sind auch deshalb so wichtig, weil sie Auskunft darüber geben, ob Banken Dividenden und Boni ausschütten dürfen. Dieser Punkt war für die US-Regierung entscheidend, als sie angeschlagenen Instituten im Zuge der Finanzkrise mit 245Mrd. Dollar (187Mrd. Euro) unter die Arme griff. Nur Banken, die für den Krisenfall gewappnet sind, dürfen Ausschüttungen erhöhen.

Und genau in diesem Zusammenhang passierte dem Finanzriesen Citigroup ein peinlicher Fehler. Die Fed verweigerte dem Institut geplante Ausschüttungen in Milliardenhöhe und warf der Bank ihren Vorschlag zurück. Der Stresstest wurde bestanden, allerdings nur ohne diese Ausschüttungen. „Wir werden unseren Kapitalplan überarbeiten und einen neuen präsentieren“, musste Bankchef Vikram Pandit zerknirscht mitteilen.

Das gleiche Missgeschick passierte vor einem Jahr der Bank of America. Einige Beobachter forderten den Rücktritt von Firmenchef Brian Moynihan. Die Bank wolle Boni ausschütten, obwohl sie noch auf wackeligen Beinen stehe, lautete der Vorwurf. Heuer verzichtete das Institut gleich von sich aus auf eine Erhöhung der Ausschüttungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2012)

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