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Uni-Kindergarten versinkt im Chaos

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Die ÖH und der „Verein StudentInnenkinder“ streiten um die Vergabe von Hortplätzen und die Kontrolle über Hort und Kindergarten auf dem Campus Altes AKH. Es könnte das Aus drohen.

Wien. Ein Mädchen frisiert einem anderen die Haare, ein Bub zerschnipselt Papier, ein anderer schiebt sich ein Stück Orange in den Mund. Entspannter Alltag im Kindergarten auf dem Uni-Campus Altes AKH. Die Eltern, die Kindergarten und Hort als „Verein StudentInnenkinder“ verwalten, sind aber alles andere als entspannt. Seit Monaten schwelt ein Streit mit der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH), die den Kindergarten mit 30.000 Euro pro Jahr mitfinanziert (das Gebäude stellt die Uni Wien, den Betrieb ermöglicht die Stadt Wien). Einem der ältesten elternverwalteten Kindergärten Österreichs droht das Aus.

Vordergründig geht es dabei um die Frage, wessen Kinder diese Einrichtung besuchen dürfen. Die ÖH vergibt die 43 Plätze im Kindergarten, die 26 Plätze im Hort teilt der Verein zu. Vor etwa einem Jahr hat der Verein neue Kriterien zur Vergabe der Hortplätze erarbeitet. Dabei, so der Vorwurf der ÖH, sei die Frage, ob schon Geschwister dort betreut werden und ob die Eltern schon länger im Verein engagiert sind, wichtiger gewesen als die Frage, ob die Eltern studieren. Die ÖH könne Beiträge der Studenten nicht für die Betreuung von Kindern von Nichtstudenten ausgeben. Vom Verein heißt es, die Frage, ob Eltern studieren, hätte immer Priorität gehabt.

 

Konfrontationskurs statt Einigung

Vorigen Dezember stellt die ÖH den Vorstand des Vereins vor die Wahl: Entweder die Reihung für die Hortplätze ab Herbst 2012 werde aufgehoben oder man kündige die Zusammenarbeit. „Zu dem Zeitpunkt konnten wir die Reihung rechtlich nicht aufheben“, sagt Christoph Waldhauser vom Verein. Erst in der Generalversammlung im Jänner wurde die Reihung aufgehoben, das sei der ÖH zu spät gewesen. Auch habe man der ÖH angeboten, die Plätze selbst zu vergeben, auch das habe keine Einigung gebracht. Im Hintergrund gehe es längst nicht mehr um die Frage der Vergabekriterien, sondern die Kontrolle über die Einrichtung, wird gemutmaßt. Michael Wissgott, ein betroffener Vater, spricht von einem „Konfrontationskurs der ÖH“ und „Panik“, schließlich wurden die Eltern vor Wochen informiert, dass sie sich neue Betreuungsplätze suchen sollten.

Die ÖH sagt, sie wolle die Kinderbetreuung an dem Standort erhalten. Wenn auch mit anderen Partnern als dem Verein. „Wir verhandeln mit verschiedenen Einrichtungen. Wir würden die Kinder und Betreuer aus dem bisherigen Kindergarten auch übernehmen“, sagt Kübra Atasoy (VSStÖ) vom Vorsitzteam der ÖH Uni Wien.

Klingt, als habe man eine Einigung mit dem bisherigen Partner schon aufgegeben. „So kann man das interpretieren“, sagt Atasoy. Eigentlich aber wolle sich die ÖH dazu nicht mehr äußern. Man wolle den Konflikt nicht anheizen.

Nach Deeskalation aber sah die Strategie bisher nicht aus. Vielmehr herrscht seit Wochen ein Kleinkrieg zwischen dem Verein und der ÖH der Uni Wien, die ihre Büros in unmittelbarer Nähe des Kindergartens hat. Eltern seien aus dem Verein gemobbt worden, Vertreter der ÖH abgepasst und bedroht worden, schreibt die ÖH.Wissgott fühlt sich angesprochen. Er habe niemanden abgepasst, sondern versucht, Gespräche zu führen. Auch über die Gebühr für den Privatkindergarten ist man uneins. Die ÖH beziffert diese mit monatlich 276,40Euro, der Verein würde das Geld in Form diverser Beiträge einheben, sagt Atasoy.

Die Eltern sagen, sie hätten außer einem Essensbeitrag von 67 Euro monatlich bloß kleine Summen etwa für Bastelmaterial zu zahlen. Gegenseitig wirft man sich Unfähigkeit oder bewusste Verfälschung vor. Zum Beispiel bei der Frage, wessen Kinder die Einrichtung besuchen. Laut ÖH studiere die Mehrheit der Mitglieder des Vereins nicht mehr. „Derzeit sind 80Prozent der Eltern Studenten“, sagt Wissgott. Klären könnte diese Konflikte die begonnene Mediation. Ob diese weitergeht, ist unklar.

Jüngst hat Viktoria Parisot, ein Vereinsmitglied, unterstützt von bisher gut 400 Unterschriften, ein Studierendenbegehren eingebracht. Dieses Instrument, das erstmals angewandt wurde, erzwingt, dass in der nächsten Sitzung der Universitätsvertretung die Frage, ob die elternverwaltete Form beibehalten werden soll, beraten wird.

 

Rektor will sich heraushalten

Die Uni Wien, die das Gebäude für Kindergarten und Hort zur Verfügung stellt, hält sich aus dem Streit heraus. „Wir haben einen Vertrag mit der ÖH zum Zweck der Kinderbetreuung“, so eine Sprecherin des Rektors. Mit welchem Partner die ÖH das umsetzt, steht ihr frei.

Auf einen Blick

Die ÖH kämpft derzeit an zwei Fronten: Zum einen streiten die Studentenvertreter mit dem „Verein StudentInnenkinder“ um die Kinderbetreuung. Die ÖH kritisiert die Platzvergabe und droht Kindergarten und Hort mit neuen Partnern weiterzuführen.
Ein zweites Projekt der ÖH, das Café Rosa, steckt in massiven finanziellen Schwierigkeiten. Nun hat der RFS die ÖH wegen des Verdachts der Untreue angezeigt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2012)