Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Pröll bei „Wein & Co“: Tür zur Politik ist zu

(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
  • Drucken

Ein Jahr nach der Erkrankung trat Josef Pröll erstmals öffentlich auf. Er kritisierte Expertenregierungen innerhalb der EU und erklärte, er hätte als Juniorpartner nur eine Regierungsperiode mit Faymann gearbeitet.

Wien. „Überhaupt nicht.“ Josef Pröll verneint deutlich, den Abschied aus der Politik in seinem ersten Jahr in der Wirtschaft bereut zu haben. Und nein, er werde sich weiter daran halten, Vorgänge in der österreichischen Innenpolitik nicht zu kommentieren. Zu oft habe er als Minister und Parteichef genervt die kritischen Kommentare und Aussagen ehemaliger ÖVP-Politiker hinnehmen müssen, die es selbst hätten besser machen können. Diesen Fehler werde er sicher nicht begehen. Und dennoch spricht Pröll wieder öffentlich über Politik und bekommt dafür lautstarken Applaus.

Ziemlich genau ein Jahr, nachdem er an einer schweren Lungenembolie erkrankt war, trat Pröll Donnerstagabend in Wien auf: Auf Einladung des Ex-SPÖ-Bundesgeschäftsführers Joe Kalina, der heute eine PR-Agentur betreibt und der ein Nachbar des ehemaligen ÖVP-Parteiobmanns ist, diskutierte Pröll bei „Wein & Co“ auf der Mariahilfer Straße mit Nationalbank-Chef Ewald Nowotny und dem Fraktionsführer der Sozialisten im EU-Parlament, Hannes Swoboda, über Europa-Politik. Durchaus ernst, zeitweise launig und doch mit vielen persönlichen Aussagen. Immerhin ist es de facto sein erster Auftritt seit einem Jahr. Er sei froh, den „ständigen öffentlichen Druck in der Entscheidungsfindung“ los zu sein, dem er in der Politik ausgesetzt war. Dies sei der größte Unterschied zwischen Wirtschaft und Politik: Entscheidungen in aller Ruhe abwägen zu können. Das verbessere deren Qualität enorm.

Wie sein ehemaliger Koalitionspartner Werner Faymann bekennt Pröll, zu einem „glühenden Europäer“ geworden zu sein. Als Landwirtschaftsminister habe er in Brüssel stets für nationale Interessen gekämpft, als Finanzminister – bei der Bekämpfung der Schuldenkrise – sei schon mehr das Gemeinsame im Vordergrund gestanden. Pröll wünscht sich ein Europa, das viel mehr mit einer Stimme spricht. Derzeit sei die europäische Führungsspitze mit Kommissions-, Rats- und Parlamentspräsident leider „filetiert“: „Wenn Obama nach Brüssel reist, sagt er ganz klar, was er will. Wenn die EU nach Washington reist, kommen Barroso, Van Rompuy, Schulz sowie die Delegationen der 27 Mitgliedstaaten“, kritisiert er. Die Führungsmängel der EU seien nicht in den Personen, als viel mehr den Positionen begründet.

 

Nie wieder Juniorpartner

Im Gegensatz zu vielen Beobachtern hält er nicht viel von den Expertenregierungen, die die Schuldenkrise in manchen Ländern Europas gebracht hätten: Der Unterschied einer Regierung zur Wirtschaft müsse „klar“ sein. Und dann fällt da ein sehr interessanter Satz: „Faymann und ich haben auch in schwierigen Zeiten als regulär gewählte Volksvertreter eine Regierung gebildet – und gewusst, dass nach der nächsten Wahl nur noch einer von uns da sein wird.“ Als Juniorpartner der SPÖ hätte sich Josef Pröll demnach also kein Dacapo vorstellen können. Ob er sich eine Rückkehr in die Politik vorstellen könne? Journalisten umringen Pröll im Anschluss, und man merkt ihm deutlich an, dass ihm das so wie früher wesentlich angenehmer ist als etwa Werner Faymann oder Michael Spindelegger. Eine Rückkehr sei völlig ausgeschlossen, sagt Pröll ernst.

 

„Natürlich“ gut vernetzt

Ob er nach seinem Ausscheiden noch politische Kontakte pflege? Immerhin sei er ja der Nachfolger im gut vernetzten Amt des Landesjägermeisters von Niederösterreich, das bisher Christian Konrad innehatte. Pröll: „Natürlich habe ich gute politische Kontakte, ich bin aus eigenem Willen zurückgetreten. Da verliert man das nicht.“ Als Berater von Spindelegger fungiere er aber sicher nicht, beteuert er. „Wenn jemand ein neues Zimmer bezieht, braucht er eine völlig neue Einrichtung und eigene Leute, da wäre ich fehl am Platz.“ Und noch einmal: „Ich habe die Tür für immer zugemacht.“ Sagt es und lächelt.

Heute ist Pröll Chef des Unternehmens Leipnik-Lundenburger, einer Raiffeisen-Tochter. Deren Mühlen waren 2011 in zwei Kartellverfahren verwickelt. Beide habe er abgeschlossen, sagt Pröll. „Das vergangene Jahr war schwierig und schlechter als erhofft, heuer läuft das erste Quartal aber gut an.“

Zu 100 Prozent gesund ist er nicht. „Einmal im Monat muss ich zur Blutverdünnung ins Spital. Damit muss ich jetzt eben leben. Aber das geht vielen so.“ Langstreckenflüge darf er keine absolvieren, die Kurzstrecke zur Niederlassung in Hamburg geht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.03.2012)