Firmen strotzen vor Optimismus

Firmen strotzen Optimismus
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Zwei Drittel der österreichischen Unternehmen sind für das heurige Wirtschaftsjahr positiv eingestellt. 40 Prozent erwarten sogar, dass 2012 besser wird als das Vorjahr.

Wien. Während die Prognosen der Ökonomen von EU und OECD für die wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 2012 verhalten sind, ist man „draußen“ in den Firmen bereits deutlich optimistischer. Dieses Bild ergibt zumindest eine Umfrage des auf Industriebetriebe spezialisierten Wiener Beratungsunternehmens Syngroup: Demnach sind zwei Drittel der heimischen Unternehmen für das heurige Wirtschaftsjahr positiv gestimmt. 40Prozent erwarten sogar, dass Umsätze und Erträge 2012 besser als im konjunkturell bereits sehr starken Vorjahr ausfallen werden.

„Dieses Ergebnis hat uns selbst überrascht“, sagt Andreas Meilinger von Syngroup. Befragt wurden 30Kunden des Beratungsunternehmens – großteils Mittelständler, darunter aber auch ein paar Schwergewichte wie Lenzing, Mayr-Melnhof oder Alpla, der hierzulande kaum bekannte Vorarlberger Weltmarktführer in der Produktion von Kunststoffflaschen. Syngroup zitiert dabei etwa den Chef eines heimischen Autozulieferers: „Krise sehe ich keine. Unsere Kunden wollen sich zwar nicht zu Mengen für 2012 verpflichten. Wir haben aber letztes Jahr ein sattes Plus gehabt, und heuer schaut es auch danach aus.“

Besser auf Abkühlung vorbereitet

„Vor allem die Autozulieferer und Unternehmen aus der Verpackungsindustrie sind positiv gestimmt“, sagt Meilinger. Grund für diesen Optimismus ist aber nicht nur die wirtschaftliche Lage, sondern auch, dass die Unternehmen besser auf eine konjunkturelle Abkühlung vorbereitet sind: „2008 sind alle wie die Kaninchen vor der Schlange in Schockstarre verfallen. Heute hat jeder entsprechende Pläne in der Schublade, um auf einen Einbruch oder einen kräftigen Aufschwung sofort zu reagieren“, so Meilinger. Zudem sei das Geschäft volatiler geworden. Langfristige Abnahmeverträge würden heutzutage immer seltener abgeschlossen.

Der Großteil der Unternehmen richtet sein Hauptaugenmerk daher auch weiterhin auf die Steigerung der Effizienz im operativen Betrieb. Das bedeutet aber auch, dass trotz des konjunkturellen Optimismus in der Regel keine Ausweitung der Mitarbeiterzahl angedacht ist. „Das Thema ist eher, dass es keinen weiteren Abbau geben soll“, sagt Meilinger.

Die Umfrage stimmt in ihrer Kernaussage mit einer Reihe von Konjunkturindikatoren der letzten Wochen überein, die mit positiven Erwartungen aufhorchen lassen. So stieg etwa der Index des renommierten deutschen Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo Ende Februar zum vierten Mal in Folge auf den höchsten Stand seit Juli 2011. Der Ifo-Index misst die Erwartungen von 7000 deutschen Firmenchefs. Ebenfalls über den Erwartungen lag zuletzt der Economic Sentiment Indicator der EU-Kommission, in den die Stimmung unter Industrie, Dienstleistern und Konsumenten einfließt.

Auch die Ökonomen rücken daher zunehmend von ihren seit dem Sommer des Vorjahres weitgehend schlechter gewordenen Erwartungen ab. „Ein langsamer Aufstieg ist eindeutig da. Die Stimmung bessert sich“, sagte etwa jüngst der Chef des Instituts für Höhere Studien, Bernhard Felderer, zur „Presse“. Er könne nicht erkennen, woher eine neuerliche Krise kommen solle. „Irgendwann müssen das auch die Prognostiker zur Kenntnis nehmen“, so Felderer weiter.

Die – vergangenheitsbezogenen – Konjunkturzahlen sprechen jedoch noch eine andere Sprache. So schrumpfte Österreichs Wirtschaft laut dem Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung im vierten Quartal 2011 um 0,1Prozent gegenüber dem Vorquartal. Ob diese Delle bereits überwunden ist, wird sich erst Mitte Mai zeigen – dann gibt es die erste Schätzung für die wirtschaftliche Entwicklung zwischen Jänner und März.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2012)

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