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Plagiat? Panne bei Wiener Charta

Plagiat Panne Wiener Charta

Die SPÖ setzt auf neue Initiativen, um das Klima in der Stadt zu verbessern. Die Kampagne zur "Wiener Charta" sei geklaut, behauptet eine Künstlerin.

Wien. Es ist eine Initiative, die das Zusammenleben in Wien verbessern soll - die aber gleich zu Beginn für Missmut sorgte. Die Rede ist von der Wiener Charta, die am Montag offiziell gestartet ist. Noch am selben Tag meldete sich eine Künstlerin zu Wort - die dazugehörige Kampagne sei ein Plagiat eines Bildes von ihr. Nina Wilsmann gestaltete eine Stadtplan-Serie, in der sie unter anderem auch Wien mit einer kindlichen Bildsprache darstellte. Genau jene Bildsprache findet sich nun auch in der Kampagne der MA17.

„2011 habe ich die Illustration beim Wettbewerb ,100 beste Plakate' eingereicht, die Ende 2011 auch im MAK zu sehen war." Wilsmanns Verdacht: Genau dort habe sich der Urheber der Kampagne die Idee abgeschaut. Sie überlegt nun rechtliche Schritte.

In der für die Kampagne zuständigen MA17 reagierte man auf Nachfrage der „Presse" entsetzt. Leiterin Ursula Struppe sieht die Verantwortung dafür bei der für die Kampagne zuständigen Agentur. Sie will Konsequenzen ziehen und auch schnellstmöglich mit der Künstlerin Kontakt aufnehmen.

Quelle: ferras.at/blog/

 

Ideensammlung bis 1. April

Ungeachtet der Probleme mit der Kampagne wird das Programm weitergehen. Bis zum 1. April werden Themen und Ideen für ein gutes Zusammenleben gesammelt - online (www.charta.wien.at) und telefonisch (4000-815 61). In diesem Papier sollen Grundregeln für ein besseres Zusammenleben in Wien von den Bürgern selbst erarbeitet werden - in kleinen Gruppen, mithilfe eines Mediators. Die Charta soll dann eine Art Leitbild der Stadt werden - auf Basis von Empfehlungen.

Was am Montag im Onlineforum diskutiert wurde? Rücksichtslosigkeit beim Radfahren; Gleichberechtigung; Regeln bei der Nutzung von Gemeinschaftsflächen; Probleme auf Spielplätzen - und das Thema Ausländer, das besonders heftig erörtert wird. Beispielsweise schreibt ein User: „Wieso müssen wir derart viel Rücksicht auf muslimische Mitbürger und deren Einstellungen nehmen, wenn umgekehrt viel zu wenig Toleranz für die österreichische Lebensweise, die deutsche Sprache u.v.m. gelebt wird?" Eine andere Userin kontert beim Thema „Kopftuch": „Wir finden überall auch diverse Arten wie man Kopftuch bindet (z. B. Bäuerinnen). Aber nein, uns stört nur die eine, und zwar moslemische Art."

Facebook im „echten" Leben

Neben der Charta gibt es seit Montag ein weiteres Projekt für ein besseres Zusammenleben. Die Wiener SPÖ startet die Initiative „Wir sind mehr". Dabei sollen Wiener mit den gleichen Interessen auf eine niederschwellige Art und Weise zusammengeführt werden, um gemeinsam etwas zu unternehmen - vom Radfahren über gemeinsames Lernen von Studenten bis hin zur gemeinsamen Kinderbetreuung.

Vergleichbar ist die Aktion mit der Gründung von Facebook-Gruppen, wo sich Gleichgesinnte zusammenschließen. In dem Fall von „Wir sind mehr" soll das allerdings im echten Leben erfolgen - auch wenn sich die Gruppen über Facebook und das Internet (www.wirsindmehr.at) bilden sollen. „Diese Initiative basiert auf einem US-Modell, und wird nun erstmals in Europa umgesetzt", sagte SP-Landesparteisekretär Christian Deutsch: „Dabei steht die gegenseitige Hilfe im Vordergrund."

In den Gruppen gibt es auch eine Art Leiter, der z. B. bei einer gemeinsamen Radtour Vorschläge für eine Strecke erarbeitet, die dann gefahren wird. Auch werden Gruppen z. B. bei der Suche nach einem Raum für ihr Hobby unterstützt. In anderen Worten: Den organisatorischen Aufwand übernimmt bei Bedarf ein Gruppenleiter (im Auftrag der SPÖ). Derzeit gibt es vier Schwerpunktgruppen, die laufend erweitert werden sollen:

► Neu in der Stadt. In dieser Gruppe treffen sich Menschen, die neu nach Wien gezogen sind, um Anschluss in der Stadt zu finden.

► Eltern. Babyclubs und Eltern-Treffs sollen eine Plattform sein, um sich über Kinder auszutauschen, und auch gemeinsam etwas zu unternehmen.

► Sport. In dieser Gruppe finden sich Untergruppen, um gemeinsam Sport zu betreiben, bzw. Anschluss an eine Sportgruppe zu finden. Derzeit gibt es Gruppen für Fußball, Volleyball, Walking, Wandern und Fahrrad.

► Senioren. Für die große Zahl der Pensionisten in Wien werden eigene Gruppen für gemeinsame Aktivitäten geschaffen.

Nur: Viele Menschen wollen sich bei ihren Freizeitaktivitäten nicht parteipolitisch vereinnahmen lassen. Dazu Harald Katzmair, (FAS.research), der an dem Konzept mitgearbeitet hat: „Es ist ein politisches Projekt, aber kein parteipolitisches." Es richte sich an alle Menschen, völlig unabhängig von ihrer politischen Einstellung - also an jeden Wiener.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20. März 2012)