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Syrien: Attacke auf Assads Machtzentrum

(c) AP (Muzaffar Salman)
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Untergrundkämpfer griffen das Haus eines Generals in Al-Mezze an - einem der am schwersten bewachten Viertel in Syriens Hauptstadt Damaskus. Zuletzt waren die Aufständischen deutlich unter Druck geraten.

Amman/Damaskus/Reuters/Red. Trotz ihres brutalen Vorgehens gelingt es Syriens Sicherheitskräften nicht, den Widerstand gegen Präsident Bashar al-Assad zu brechen. In der Nacht auf Montag tobten in Damaskus heftige Schießereien. Es waren die schwersten Gefechte in Syriens Hauptstadt seit Beginn des Aufstandes gegen das Regime vor einem Jahr.

Die Kämpfe begannen im Stadtviertel Al-Mezze nach Mitternacht: Aufständische feuerten ein Panzerabwehrgeschoss auf das Haus eines Armeegenerals. Danach verschanzten sie sich in einem benachbarten Gebäude und setzten sich gegen den Gegenangriff syrischer Soldaten zur Wehr. Das berichtete Rami Abdulrahman von der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London der Nachrichtenagentur Reuters. In Al-Mezze liegen wichtige Einrichtungen der syrischen Sicherheitskräfte. Es ist eines der am schwersten bewachten Viertel der Hauptstadt. Mit ihrem Vorstoß haben die Rebellen ein deutliches Signal dafür gesetzt, dass sie nach wie vor im Spiel sind. Zuletzt waren die Aufständischen deutlich unter Druck geraten.

 

27 Tote bei Bombenanschlägen

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, dass bei den jüngsten Gefechten in Damaskus sechs „Terroristen“ und ein Soldat ums Leben gekommen seien. Oppositionelle sprachen von Dutzenden Toten. Unabhängige Berichte über Opferzahlen lagen nicht vor.

Erst am Sonntag starben 27 Menschen bei Bombenanschlägen auf ein Gebäude der Polizei und ein Zentrum des Geheimdienstes in Damaskus. Mehr als 100 Personen wurden verletzt. Auch in Aleppo detonierten erneut Sprengsätze. Zwei Menschen kamen dabei ums Leben. Syriens Opposition behauptete immer wieder, das Regime stecke selbst hinter den Anschlägen, um den Widerstand zu diskreditieren. Zugleich wachsen aber auch in US-Geheimdienstkreisen die Befürchtungen, die Terrororganisation al-Qaida könnte versuchen, den Aufstand in Syrien als neues Betätigungsfeld zu missbrauchen.

 

Angriff auf Rebellenhochburg

Die Truppen des Regimes setzten am Montag ihre Offensive gegen Zentren des Widerstandes fort. Augenzeugen berichteten, dass Soldaten in die Stadt Deir al-Zor im Osten des Landes eingedrungen seien. Dort ist die „Freie Syrische Armee“ aktiv, die gegen das Assad-Regime kämpft. Bewohner der Stadt berichteten Reuters, dass eine 60-jährige Frau beim Armeeangriff auf Deir al-Zor ums Leben gekommen sei. In den vergangenen Wochen hatten die syrischen Sicherheitskräfte mehrere Rebellenhochburgen, darunter die Stadt Homs, zurückerobert und dabei zahlreiche Zivilisten getötet.

Laut Vereinten Nationen kamen bei dem Aufstand bisher 8000 Menschen ums Leben, 230.000 Personen flüchteten aus ihren Häusern. Fast 17.000 Syrer brachten sich ins Nachbarland Türkei in Sicherheit. Nach türkischen Angaben überschritten allein am 18. und 19.März 279 syrische Flüchtlinge die Grenze.

 

Lawrow verspricht Hilfe

Am Montag traf der Chef des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK), Jakob Kellenberger, in Moskau mit Russlands Außenminister, Sergej Lawrow, zusammen, um über die humanitäre Lage in Syrien zu beraten. Kellenberger berichtete nach der Unterredung, dass Lawrow dem IKRK Unterstützung zugesagt habe.

Russland werde sich in Damaskus dafür starkmachen, dass jeden Tag die Gefechte für jeweils zwei Stunden eingestellt werden. Diese Waffenruhe soll humanitäre Hilfe für die Bevölkerung in den umkämpften Gebieten ermöglichen. Die Führung in Moskau zählt zu den letzten Verbündeten des Assad-Regimes. Russland hatte gemeinsam mit China im UN-Sicherheitsrat ein schärferes Vorgehen gegen Syrien mit einem Veto verhindert.

Unterdessen traf ein Expertenteam in Damaskus ein, um im Auftrag des Syrien-Sondergesandten von UNO und Arabischer Liga, Kofi Annan, mit dem Assad-Regime zu verhandeln. Annan möchte eine internationale Beobachtermission nach Syrien entsenden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.03.2012)