Jet-Set-Fan oder Hobbybauer
Wer zieht in den Élysée-Palast?
Das Rennen um den Élysée-Palast ist eröffnet und die französischen Präsidentschaftsbewerber könnten unterschiedlicher nicht sein. Ein Überblick.
Zehn Kandidaten werden beim ersten Durchgang der französischen Präsidentenwahl am 22. April gegeneinander antreten. Ein Überblick über die fünf Bewerber mit den größten Chancen, in den Élysée-Palast einzuziehen.
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Der Sohn eines ungarischen Einwanderers und Anwalt tritt den Wahlkampf mit dem Handicap an, am Ende seiner ersten Amtszeit der unbeliebteste Präsident der fünften Republik zu sein. Dabei hatten dem 57-Jährigen vor fünf Jahren mächtige Reformversprechen mit einer breiten Mehrheit von 53 Prozent der Stimmen den Eintritt in den Élysée-Palast erlaubt.
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Bald schon machte sich "Sarko" mit seinem Hang zu Jet-Set und Millionärsfreunden unbeliebt. Zudem ließ er sich kurz nach seiner Wahl von seiner zweiten Frau Cecilia scheiden und heiratete das ehemalige italienische Top-Model Carla Bruni. Auch die Wirtschaftskrise trug dazu bei, dass der Ex-Innenminister seinen Kredit in der öffentlichen Meinung eingebüßt hat.
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Sarkozys härtester Konkurrent litt lange an einem Imagedefizit, obwohl er ab 1997 erfolgreich mehr als zehn Jahre lang die Sozialistische Partei (PS) leitete. Im Jahr 2007 hatte sich Hollande zugunsten seiner damaligen Lebensgefährtin Segolene Royal aus dem Rennen um das Präsidentschaftsamt zurückgezogen. Im Oktober 2011 gewann der 57-Jährige dann die Vorwahl im linken Lager - und ließ seine Ex-Freundin weit hinter sich.
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Hollande baute nach und nach ein Anti-Sarkozy-Image auf: Dem Jet-Set-Leben hielt er die Verankerung in der Provinz entgegen. Der Sozialist bewegt sich in Paris mit einem Scooter fort, trägt bloß seine strenge Sehbrille und ist mit einer seriösen Journalistin liiert. Der Sohn eines Arztes und einer Sozialarbeiterin besuchte die elitäre Kaderschmiede ENA. Dort traf er im Jahr 1979 Royal, mit der er vier Kinder hat.
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Die dritte Kandidatin im Rennen ist die Chefin der rechtsextremen Front National (FN), Marine Le Pen. Um ihr die Wähler streitig zu machen setzte Sarkozy in den vergangenen Wochen verstärkt auf rechtsextreme Themen wie die Reduktion der Einwanderung, die Kontrolle der Schlachtung des Viehs nach den Regeln des Islams (Schächten) oder den Ausstieg aus dem Schengen-Raum.
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Marine Le Pen übernahm im Jänner 2011 die Führung der Partei von ihrem Vater Jean-Marie Le Pen. Die 43-Jährige arbeitet seit Jahren daran, die verschrieene Partei in eine salon- und regierungsfähige politische Kraft zu verwandeln. Die Inhalte ihres Programms sind aber nach wie vor radikal. Sie fordert etwa die Wiedereinführung der Todesstrafe, kriminelle Einwanderer ohne Verfahren auszuweisen und bezichtigt alle Muslime, radikal islamistisch zu sein.
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Der Kandidat der "Linksfront" und Präsident der "Parti de Gauche" (PG) gilt als Störenfried. Der Ex-Senator und Ex-Vizeminister im Bildungsministerium fordert eine "Erhebung der Zivilgesellschaft" und eine "soziale Sechste Republik". Er wolle "ein neues Kapitel" in der französischen Geschichte aufschlagen.
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Melenchon, der laut Umfragen mit elf Prozent der Wählerstimmen rechnen kann, bot den Menschen in Griechenland, Spanien, Portugal und Italien, die "unter Unterdrückung" durch europäische Sparmaßnahmen litten, seine Unterstützung an. Für Hollande stellt Melenchon deshalb eine große Gefahr dar, weil ihm ein Bündnis mit dem 60-Jährigen zwischen den zwei Wahldurchgängen die Stimmen der Zentrumsbürgerlichen und damit den Wahlsieg kosten könnte.
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Der Zentrumspolitiker, der 2007 mit 19 Prozent der Wählerstimmen im ersten Durchgang der Präsidentenwahl für die große Überraschung gesorgt hatte, hofft auf ein Comeback. Der 60-jährige Hobbybauer und Ex-Erziehungsminister versucht, Frankreichs Rechts-Links-Schema aufzubrechen.
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Bayrou, der einstige Lehrer für Latein, Griechisch und Französisch und sechsfacher Vater, ist seit Jahrzehnten von seinem Schicksal als Staatsmann überzeugt. Schon der verstorbene sozialistische Präsident Francois Mitterrand bewunderte die Willenskraft, mit der Bayrou als junger Mann ein schweres Stottern überwand.
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