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Toulouse: Scharfschützen töten mutmaßlichen Attentäter

Elitepolizisten am Einsatzort.
(c) AP (Bob Edme)
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32 Stunden hatte sich der mutmaßliche Todesschütze verschanzt, am Vormittag erfolgte der Zugriff. Der Mann wurde von Scharfschützen getötet, als er aus dem Fenster sprang. Eine al-Qaida-nahe Organisation soll sich zu seinen Anschlägen bekannt haben.

Der mutmaßliche Serienattentäter von Toulouse ist tot. Der Mann ist am Donnerstagvormittag nach einem heftigen Schusswechsel mit Polizisten aus dem Fenster seiner Wohnung gesprungen. Dabei wurde er von Scharfschützen durch einen einen Kopfschuss getötet. Als er auf dem Boden aufschlug, war er bereits tot.

Am Nachmittag soll sich dann eine dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestehende Organisation zu den Anschlägen des Mannes bekannt haben. Die Gruppe Dschund al-Chilafah (Die Soldaten des Kalifats) soll Frankreich in einer Internet-Botschaft aufgefordert haben, seine "feindliche" Politik gegenüber Muslimen aufzugeben. Das berichten mehrere französische Medien.

32-stündige Zermürbungstaktik

Vor seinem Tod hatte sich Mohamed Merah rund 32 Stunden lang in seiner Wohnung verschanzt gehalten. In der Nacht auf Mittwoch Hatte ihn die Polizei aufgespürt. Innenminister Claude Gueant berichtete, dass der mutmaßliche Täter am späten Mittwochabend zunächst sein Aufgeben angekündigt hatte, dann aber ein Einlenken ausschloss und sagte, er würde die Polizisten erschießen, wenn sie ihn gefangen nehmen wollten. Der Minister hatte angeordnet, Merah möglichst lebend zu fassen, um ihn vor Gericht zu stellen und mehr über seine Motive und Komplizen zu erfahren. Er hatte sich zuvor als "Mujahid" (Gotteskrieger) und Mitglied des islamistischen Terrornetzwerks al-Qaida bezeichnet.

Die Angehörigen der Sondereinsatzeinheit Raid waren gegen 10.30 Uhr in die Wohnung im ersten Stock des Wohnhauses eingedrungen und hatten sich dort langsam vorgetastet. Sie haben dabei die Räume mit Videokameras überprüft. Plötzlich sei der Mann aus dem Badezimmer gestürmt und habe auf die Polizisten geschossen, sagt der Innenminister. Anschließend sei er aus dem Fenster gesprungen. Angeblich wurden am Tatort mehr als 300 Patronen verschossen. Der Verdächtige leistete erbitterte  Gegenwehr. Ein Beamter wurde am Bein verletzt, ein zweiter erlitt einen Schock.

Alle Bluttaten gefilmt

Die Pariser Staatsanwaltschaft teilte am Donnerstagnachmittag mit, der Serienmörder von Toulouse habe alle seine Bluttaten gefilmt. Die bei Mohamed Merah sichergestellten Videos seien erschreckend explizit. Beim tödlichen Kopfschuss auf sein erstes Opfer habe er erklärt: "Du tötest meine Brüder, und ich töte Dich." Polizisten habe er erklärt: "Wenn ich sterbe, gehe ich ins Paradies - wenn ihr sterbt, Pech für euch!".

In einem Wagen seien Maschinenpistolen und Revolver gefunden worden. Er habe rund 30 Schüsse auf die eindringenden Polizisten abgefeuert, sagt der zuständige leitende Staatsanwalt Francois Molins. Merah sei "in legitimer Selbstverteidigung" getötet worden.

Sieben Morde seit 11. März

Der mutmaßliche Serienmörder soll am am 11. März zum ersten Mal zugeschlagen haben: Er erschoss in Toulouse auf offener Straße einen Fallschirmjäger in Zivil. Wenige Tage später tötete er im nahegelegenen Montauban zwei weitere Fallschirmjäger. Ein weiterer Soldat wurde bei dem Angriff schwer verletzt.

Wieder in Toulouse tötete er am Montag bei einem Angriff auf eine jüdische Schule drei Kinder und einen Lehrer. Innenminister Guéant sagte dem Fernsehsender LCI am Mittwochabend, der Mann habe die jüdische Schule nach eigenen Angaben nur angegriffen, weil er keinen weiteren Soldaten zum Töten "gefunden" habe. Offenbar hatte er aber für Mittwoch schon wieder einen Mord an einem Soldaten geplant gehabt. (Mehr: Chronologie der Taten)

Anti-Terror-Maßnahmen werden verschärft

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy kündigte im Gefolge der Attentate von Toulouse verschärfte Maßnahmen gegen "die Verherrlichung des Terrorismus" an. Auch Aufrufe zum Hass und zur Gewalt würden künftig härter verfolgt, sagte Sarkozy am Donnerstag in einer Fernsehansprache.

"Von jetzt an wird jede Person, die regelmäßig Internetseiten aufruft, die den Terrorismus verherrlichen oder zu Hass und Gewalt aufrufen, strafrechtlich verfolgt", sagte Sarkozy. Dies gelte auch für Personen, die im Ausland ideologische Schulungen dieser Art besuchten. Zudem solle extremistische Indoktrinierung in Gefängnissen strenger verfolgt werden. Propaganda und Verherrlichung extremistischer Ideologien würden bereits im Rahmen des Anti-Terror-Kampfes bestraft.

Le Pen: "Die Regierung hat Angst"

Nach den Attentaten auf eine jüdische Schule und mehrere Soldaten haben die französischen Rechtsextremisten der Regierung vorgeworfen, ganze Stadtviertel radikalen Islamisten zu überlassen. Die Gefahr werde unterschätzt, sagte die Chefin des Front National, Marine Le Pen, am Donnerstag im Hörfunksender France Info. Sie kritisierte, dass die Bildung fundamentalistischer Netze in manchen Vierteln toleriert werde, nur um den sozialen Frieden nicht zu gefährden.

"Die Regierung hat Angst", sagte Le Pen. Sie liegt Umfragen zufolge einen Monat vor der Präsidentenwahl hinter dem konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy und dessen sozialistischem Herausforderer Francois Hollande.

(Ag./red.)