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Riedel-Gläser: Ein Luxusglas aus Familienhand

Symbolbild
(c) APA (BARBARA GINDL)
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Das Familienunternehmen Riedel ist heute einer der beliebtesten und weltweit führenden Hersteller von Weingläsern. 2011 produzierte Riedel rund 50 Millionen Artikel. Seine Geschichte reicht 250 Jahre zurück.

Kufstein/Wien. Glasbläser ist ein aussterbender Beruf: Die Ausbildung ist langwierig, der Verdienst durchschnittlich. Wenn eine Fabrik zusperrt, sind auf einen Schlag viele Dutzend Arbeiter ihren Job los. Die Aussicht auf einen neuen geht gegen null. Entsprechend wenige verlassen die Riedel'sche Glashütte in Kufstein. „Fluktuation gibt es hier fast keine“, sagt Gerald Orehounig, der Leiter der Glasmanufaktur. Weil die Leute so spezialisiert seien, könnten sie auf dem Bau oder als Busfahrer nichts anfangen.

Die rund hundert Mitarbeiter in der Produktion haben mindestens vier Jahre Ausbildung hinter sich. Wer es bis zum Meister bringen will, braucht schon einmal um die zwölf. Das tut sich kaum mehr ein Österreicher an. In der letzten Glasbläser-Generation stammten einige noch aus Neapel, sagt Orehounig. Jetzt kommen viele aus dem europäischen Osten. Aber auch dort steigen die Löhne. Deshalb will man künftig wieder verstärkt selbst ausbilden.

22 Hände für ein Glas

Zum Teil passiert das schon – es geht gar nicht anders. Denn die Glasbläser müssen für jede Serie neu eingeschult werden. „Ein talentierter Glasmacher kann fast alle unsere Produkte fertigen. Aber aus dem Stegreif geht das nicht“, so der Glashüttenchef.

Bis ein Glas fertig ist, geht es durch 22 Hände: 90 Sekunden wird es geblasen, dann zwei Stunden abgekühlt und über Nacht gelagert. Am nächsten Tag wird der Mundrand gefertigt, die Gläser werden sortiert, verpackt und verkauft. Im Jahr verlassen rund 360.000 Gläser und 150.000 Karaffen die Fabrik in Kufstein – alle mundgeblasen. Zu den Klassikern, wie der Sommeliers-Serie, kommen ständig neue, die für eine gewisse Zeit verkauft werden. Serienmäßig produziert werden darf aber erst, wenn der Firmenchef persönlich seinen Sanktus gegeben hat: „Georg Riedel prüft jedes Modell selbst. Solange es ihm nicht passt, wird es nachbearbeitet“, sagt Orehounig.

Denn Riedel weiß, welche Klientel er bedient: Sein klassischer Kunde habe ein Nettojahreseinkommen zwischen 50.000 und 60.000 Euro und ein Weinbudget von weit über 2000 Euro im Jahr. Und das in einem Alter zwischen 35 und 45 Jahren. Riedel-Gläser sind Luxus – und auch der Firmenchef wird seines eleganten Auftretens wegen oft als „Sir“ bezeichnet.

Und Luxus ist gefragt. Der Betrieb in Kufstein ist einer der weltweit führenden Hersteller von Weingläsern. 2011 produzierte Riedel rund 50 Millionen Gläser und andere Glasartikel. Und wie jedes Jahr verkaufte Riedel über 97 Prozent davon in mehr als 120 Länder. Dass der Name „Riedel“ Weinkennern rund um den Globus ein Begriff ist, ist das Werk des heutigen Firmenchefs und Mehrheitseigentümers Georg Riedel. Er übernahm das Glasimperium 1994 von seinem Vater Claus. Claus Riedel war der Erfinder des Riedel-Glases. Georg Riedel ging für das Unternehmen auf weltweite Entdeckungsreise.

Und er brachte gute Beute nach Hause: Riedel expandierte in die Vereinigten Staaten, nach Kanada, Deutschland, Japan und Großbritannien. Derzeit ist China sein Steckenpferd: Mehrmals im Jahr reist er ins Reich der Mitte und führt die Menschen in die Welt des Weines ein.
Die Geschichte des Unternehmens Riedel war von Anfang an international: Claus Riedel entwarf ein Weinglas für den Österreich-Pavillon der Weltausstellung 1958 in Brüssel. Die überdurchschnittliche Größe veränderte das Gefühl beim Weintrinken so sehr, dass er von den Besuchern scharenweise darauf angesprochen wurde. Claus Riedel hatte eine Idee geboren: dass die Form des Glases den Weingenuss steigern konnte. Heute steht das Glas im Museum of Modern Art in New York.

Und das Unternehmen, dessen Geschichte 250 Jahre zurück ins nördliche Böhmen reicht, ist immer noch in Familienhand. Das wird es wohl auch bleiben. Die Nachfolger sind längst in Stellung gebracht: Georg Riedels Sohn Maximilian leitet die US-Tochterfirma in New York, seine Tochter Laetizia berät die Firma in juristischen Angelegenheiten. Und zieht gerade die zwölfte Generation auf.

Der Umsatz erholt sich

Wie lange Riedel noch selbst die Fäden ziehen will, verrät er nicht. Im Unternehmen gibt es jedenfalls einiges zu tun: 2008 und 2009 hat Riedel die Krise ordentlich zu spüren bekommen. Nach einem Rekordergebnis ging der Umsatz zwei Jahre in Folge zurück, 2009 von 225 auf 220 Mio. Euro. Ein Werk der Tochterfirma Nachtmann im niederbayerischen Ort Riedlhütte (der Name ist Zufall) wurde zugesperrt, hunderte Mitarbeiter wurden entlassen. Seit dem Vorjahr geht es wieder aufwärts. Zuletzt erholte sich der Umsatz wieder auf 233 Mio. Euro.

Er selbst, sagte Riedel einmal zur „Presse“, habe seinen Vater „pensioniert“. Seinen Kindern will er es leichter machen, so Riedel einmal: „Ich gehe schon freiwillig.“

Auf einen Blick

Georg Josef Riedel wurde 1949 geboren. Unter seiner Leitung expandierte das Unternehmen mit Sitz in Kufstein in die USA, nach Kanada, Deutschland, Japan und Großbritannien. Etwa 97 Prozent der Produktion werden exportiert. [ Riedel ]