Die Raiffeisenbank International habe in den vergangenen 20 Jahren kein Quartal mit Verlust abgeschlossen, sagt Raiffeisen-Generalanwalt Konrad.
Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad bezeichnet Behauptungen, man sei zu viel Ost-Risiken eingegangen, als "reine Vernaderung". Die RBI habe "in den letzten zwanzig Jahren noch kein einziges Quartal mit Verlust abgeschlossen", betonte der Aufsichtsratschef der Raiffeisen Zentralbank (RZB), die - indirekt - mehr als drei Viertel an der RBI hält: "Wir haben weder das Bankgeschäft verlernt noch sind wir Gauner", so Konrad wörtlich.
Für eine Kapitalerhöhung bei der RBI, wie sie seit längerem im Gespräch ist, sieht Konrad keinen Grund zur Eile. Die neun Prozent harte Kapitalquote - wie von der europäischen Bankenaufsicht EBA bis 30. Juni verlangt - werde man auch ohne einen solchen Schritt erreichen: "Wir arbeiten sieben Tage in der Woche an der Erfüllung der EBA-Vorschriften - und wir werden sie erfüllen". "Es gibt bis dahin keine Kapitalerhöhung", betonte Konrad bei einer Veranstaltung von Solution Providers am Donnerstagabend.
"Würde halbe Bank verschenken"
Würde die Emission heute gemacht, hieße das "die halbe Bank zu verschenken. Ich halte von diesen Plänen nicht sehr viel", sagte der Raiffeisen-Generalanwalt und verwies auf den aktuellen RBI-Aktienkurs, der mit weniger als 26 Euro deutlich unter dem Buchwert von - laut Konrad - 35 bis 36 Euro liegt. Freitagvormittag lagen RBI mit 25,69 Euro 1,44 Prozent im Plus.
Die zusätzlichen Wertberichtigungen im Osten "schaffen wir alle aus Eigenem", betonte Konrad. PS-Kapital habe man nur deshalb zusätzlich aufgenommen, da der Markt illiquide gewesen sei. "Wir brauchten Liquidität und zahlen noch immer pünktlich die acht Prozent Zinsen dafür." Das Partizipationskapital werde man "zum geeigneten Zeitpunkt zurückzahlen", so der RZB-Aufsichtsratschef. Zeit für die Rückzahlung habe man noch zwei Jahre, nämlich bis 2014, erinnerte er. Umgekehrt sei Raiffeisen aber auch ein wesentlicher Staats-Financier: Samt Versicherung "haben wir für 12 bis 14 Milliarden Euro Staatspapiere".
"Banken können Geld auch nicht vergraben"
Die Entwicklung der letzten zwei, drei Jahre führt laut Konrad "schon zur Frage, welchen öffentlichen Haushalten können wir noch Geld geben?" Doch könnten die Banken das Geld "auch nicht vergraben", sondern es müsse investiert werden. Die Entwicklung des Problemfalls Griechenland sei in dieser Form nicht abzusehen gewesen. Man könne das südeuropäische Land aber "nicht zurücklassen" - denn "es gibt keine Alternative zum Euro". Alles andere wäre "schädlich für das Projekt Europäische Union", meinte der Raiffeisen-Generalanwalt.
Die eine oder andere Strukturbereinigung werde es im Bankensektor wohl noch geben. Filialen gebe es ohnedies genug, so Konrad. In Mittel- und Osteuropa würden die Institute aber natürlich weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Damit würden die Banken zur Stabilisierung im CEE-Raum beitragen, wovon auch Österreich profitiere. Regelmäßig alle fünf, sechs Jahre reorganisieren müsse man jedes Unternehmen - auch Banken, gab der Raiffeisen-Generalanwalt zu verstehen. Umgekehrt würden die Geldinstitute ihre Kunden auch durch schwierige Zeiten "tragen".
EBA: 2,1 Milliarden Kapitallücke
Die RBI hatte im Dezember bei einem Kurs von 18 bis 20 Euro die Vorbereitungen für eine Kapitalerhöhung abgebrochen. Die EBA sieht bei der RBI und ihrer Mutter RZB wie berichtet eine Kapitallücke von zusammen 2,1 Milliarden Euro. Rund 1,4 Milliarden Euro davon könnten durch verschiedene Maßnahmen aufgebracht werden bzw. wegfallen. Auch Konrad verwies dazu auf "andere Maßnahmen" als eine Aktienemission, ohne dies näher auszuführen. Anfang Februar hatte die Finanzagentur Bloomberg von einer möglichen RBI-Kapitalerhöhung im Volumen von einer Milliarde Euro berichtet.
Eine noch im Februar als Alternative diskutierte Anerkennung des PS-Kapitals als hartes Kernkapitals scheidet ja mittlerweile aus, da - wie seit 8. März bekannt - die europäischen Bankenaufseher das private Partizipationskapital, das österreichische Banken im Zuge der staatlichen Hilfspakete 2008/09 aufgenommen haben, doch nicht für die Quotenerfüllung anerkennen.
Auch Erste Group von EBA-Vorgabe betroffen
Davon betroffen ist außer Raiffeisen auch die Erste Group, die aber ebenfalls die neunprozentige EBA-Vorgabe schaffen wird. Wäre auch das privat platzierte PS-Kapital anerkannt worden, wären die Kapitalquoten um 0,4 bis 0,5 Prozentpunkte höher ausgefallen, hatte es vor gut zwei Wochen geheißen. In der RZB-Gruppe geht es um 500 Millionen Euro von Privaten gezeichnetes PS-Kapital.
(APA)