Direktor Gerald Matt tritt zurück. Sein bis 2014 laufender Vertrag wird einvernehmlich aufgelöst. Die Grünen sind erfreut.
Am 1. April läuft die dreimonatige Dienstfreistellung von Kunsthallen-Direktor Gerald Matt ab. Montag (2.4.) hätte er sein Amt wieder antreten sollen. Doch Freitag teilte Thomas Häusle namens des KH-Vorstandes mit, dass Matt um eine einvernehmliche Auflösung seines bis 2014 laufenden Vertrages gebeten habe. Laut Häusle begründete Matt seine Entscheidung damit, dass in der neu gegründeten GmbH die kaufmännische und künstlerische Leitung getrennt werden, dadurch würden seine Kompetenzen eingeschränkt.
Er nehme Matts Entscheidung zur Kenntnis, erklärte Kulturstadtrat Mailath Pokorny (SP): „Nunmehr geht es darum, die erfolgreiche Arbeit der Kunsthalle in neuer personeller Zusammensetzung und neuer Organisationsform fortzusetzen.“ Über die Vereinbarung mit Matt wurde offiziell nichts verlautet. Sie dürfte so aussehen, dass ein Drittel seines Vertrags ausgezahlt wird, ein weiteres Drittel, wenn sich die Vorwürfe als haltlos erweisen. Falls sich die Vorwürfe gegen ihn als stichhaltig herausstellen und Matt verurteilt wird, müsste er das Geld zurückzahlen.
Erfreut über den Rücktritt Matts zeigen sich die Grünen: Dem Neustart der Kunsthalle stehe nun nichts mehr im Wege, erklärte der Kultursprecher der Wiener Grünen, Klaus Werner-Lobo: „Die Grünen Wiens haben bereits vor Monaten auf die Umstrukturierung der Kunsthalle und den Abschied ihres Direktors gesetzt. Nun hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Matt für die Kunsthalle und die Kulturpolitik der Stadt Wien nicht mehr tragbar ist.“
Misstrauensvotum der Mitarbeiter
Nun sei die künstlerische Leitung international auszuschreiben und durch ein professionelles Bewerbungsverfahren sei sicherzustellen, dass die Kunsthalle eine renommierte Führung bekomme, forderte Werner-Lobo.
Zuletzt hatten 47 von 54 Mitarbeitern der KH Matt das Misstrauen ausgesprochen. Das Misstrauensvotum wurde von einem Notar anonym durchgeführt. Die Kunsthalle wird derzeit vom Kontrollamt geprüft. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt, u. a. wegen missbräuchlicher Verwendungen von Subventionen. Weiters hat die Stadt Wien die Prüffirma HLB Intercontrol um Durchleuchtung der Kunsthalle ersucht. Die Vorwürfe gegen Matt lauten im Wesentlichen: Verwendung von KH-Ressourcen für private Zwecke, Intervention für österreichische Staatsbürgerschaften für KH-Sponsoren.
Ein kürzlich vorgelegter Prüfbericht der von der Kunsthalle beauftragten Firma Interbilanz Hübner entlastete Matt und fand im Zusammenhang mit Möbeltransporten, Reparaturarbeiten an Kraftfahrzeugen sowie bei Arbeiten in der Wohnung Matts „keine Hinweise auf privat veranlasste Kosten“, die über das Haus abgerechnet worden seien. Die Kunsthalle wurde von einem Verein in eine GmbH umgewandelt. Ihre interimistische Geschäftsführung liegt bei Franz Patay, der zuvor im Kunsthaus Wien tätig war.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.03.2012)