Mit der Kündigung des Tyrolean-Kollektivvertrags will die Gewerkschaft den von der AUA geplanten Betriebsübergang verhindern. Der Tyrolean-Betriebsrat ist darüber wütend.
Wien. Es ist eine kleine Bombe, die die Gewerkschaft am Freitag platzen ließ: So kündigte Gottfried Winkler, der Vorsitzende der Sektion Verkehr in der für Luftfahrt zuständigen Gewerkschaft Vida, völlig überraschend den Kollektivvertrag der AUA-Tochter Tyrolean auf. Dies sei eine „reine Vorsichtsmaßnahme“, da man davon ausgehe, in den Verhandlungen mit der AUA-Führung zu einer Einigung zu kommen, heißt es lapidar. In Wirklichkeit will die Gewerkschaft damit den von der AUA zuletzt fix angepeilten „Plan B“ verhindern – den Betriebsübergang des operativen Betriebs auf die eigene Tochter Tyrolean und deren um 25 Prozent günstigeren Kollektivvertrag.
Vorerst gelten Regeln weiter
Per 30.6. tritt der Tyrolean-KV somit außer Kraft. Zum gleichen Zeitpunkt endet auch die Gültigkeit des AUA-KV, der bereits im Februar von der AUA-Führung gekündigt wurde. Nach Ansicht der Gewerkschaft ist es dadurch nicht mehr möglich, die AUA-Piloten und -Flugbegleiter in den günstigeren Tyrolean-KV überzuführen. Für die Mitarbeiter der beiden Unternehmen bedeutet dies laut Arbeitsrecht, dass die Bestimmungen der KV weiter gelten, bis es eine neue Regelung gibt.
„Die Verhandlungen der AUA-Führung waren zuletzt nur mehr Scheinverhandlungen. Man hat die Gewerkschaft nicht ernst genommen“, sagt AUA-Bord-Betriebsratschef Karl Minhard. Daher sei beschlossen worden, den Tyrolean-KV zu kündigen.
Dies erfolgte jedoch gegen den ausdrücklichen Wunsch der Tyrolean-Mitarbeiter und deren Betriebsrat. „Wir sind von der Gewerkschaft nicht einmal darüber informiert worden. Diese Vorgehensweise ist unglaublich. Man muss die ganze Gewerkschaft infrage stellen“, sagt Alexandra Patzal, Sprecherin des Tyrolean-Betriebsrates. Die Tiroler wollen daher auch gegen die Kündigung ihres KV vorgehen. Was das genau bedeute, könne aber noch nicht gesagt werden, so Patzal. Pikantes Detail am Rande: Der Tyrolean-Betriebsrat hat sich laut eigenen Angaben dafür die Unterstützung von AUA-Chef Jaan Albrecht gesichert, der ja mit der Gewerkschaft und dem AUA-Betriebsrat im Clinch liegt.
Der Kampf zwischen AUA-Führung und AUA-Bordpersonal wird somit immer mehr auch zu einem Kampf zwischen AUA- und Tyrolean-Mitarbeitern. Letztere fühlen sich von der Gewerkschaft Vida bereits seit Längerem nicht mehr gut vertreten und sind daher vor einigen Jahren bereits scharenweise zur GPA-djp übergetreten. Die Hoheit über den Kollektivvertrag hat aber weiterhin Vida.
„Natürlich verstehe ich, dass man sich bei der Tyrolean dabei nicht wohlfühlt. Wir appellieren aber an die Solidarität der dortigen Mitarbeiter. Unser Ziel ist ja ein neuer Konzern-KV, der für alle AUA-Mitarbeiter gilt und auch für die Tyrolean im Endeffekt besser ist“, sagt Winkler zur „Presse“. Und auch Minhard hofft auf Verständnis der Tyrolean-Kollegen: „Es wäre ja auch problematisch, sich aus der schwierigen Situation bei der AUA einen Vorteil zu erwarten.“ Der Chef der Gewerkschaft Vida, Rudolf Kaske, appellierte am Freitagabend via der "ZIB2" an die Belegschaft der Tyrolean: Er hoffe, die Betriebsräte der beiden Schwesterunternehmen würden "Seite an Seite kämpfen".
Bei der Unternehmensführung selbst sieht man das Vorgehen der Gewerkschaft „verwundert“, aber gelassen. „Wir sind uns sicher, dass die Kündigung des Tyrolean-KV einen möglichen Betriebsübergang nicht behindert“, heißt es. Anstatt auf den Tyrolean-KV könnten die AUA-Piloten eben einfach auf Einzelverträge – die im Inhalt dem Tyrolean-KV entsprechen – übergeführt werden. Wie schon bisher geplant, müssten die Piloten und Flugbegleiter diesem Vorgehen ohnehin zustimmen, ansonsten gelten sie als gekündigt und erhalten Abfertigungen von bis zu 39 Monatsgehältern.
Betriebsübergang ab 1. Juli?
Bei AUA-Betriebsrat und Gewerkschaft hofft man nun auf „konstruktive Verhandlungen“ für einen Konzern-KV. Die AUA-Führung sieht im aktuellen Vorgehen jedoch ein „Zeichen, dass kein Wille da ist, die Kollektivverträge so zu reformieren, dass strukturelle Probleme gelöst werden“. Der Betriebsübergang bleibt daher weiter wahrscheinlich. Das frühestmögliche Datum dafür wäre der Tag nach Ablauf der KV: der 1. Juli.
Auf einen Blick
Die Gewerkschaft hat am Freitag den Kollektivvertrag der AUA-Tochter Tyrolean gekündigt, um so den vom Unternehmen geplanten Betriebsübergang zu verhindern. Der Tyrolean-Betriebsrat sieht sich übergangen und will gegen die Kündigung vorgehen. Nach Ansicht der AUA lässt sich der Übergang zudem trotzdem durchführen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.03.2012)