Das Gerede über die Osteuropa-Risken hält Raiffeisen-Generalanwalt Konrad für „reine Vernaderung“. Kritisch sieht er das geplante Bankeninsolvenzrecht.
Wien/Höll. „Wir haben weder das Bankgeschäft verlernt noch sind wir Gauner“, sagte Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad am Donnerstagabend bei einer Veranstaltung der Firma „Solution Providers“. Das Gerede, dass die österreichischen Banken in Osteuropa zu hohe Risken eingegangen seien, hält Konrad für „reine Vernaderung“. Raiffeisen würde die zusätzlichen Wertberichtigungen, die in Osteuropa wegen des Konjunkturabschwungs entstanden seien, aus eigener Kraft schaffen. Die im Osten tätige Raiffeisen Bank International habe in den letzten zwanzig Jahren noch kein einziges Quartal mit einem Verlust abgeschlossen. Auch einen „Herbstputz“ wie die Erste Bank habe Raiffeisen nie machen müssen.
Konrad ist einer der mächtigsten Manager Österreichs. Er steht an der Spitze des Raiffeisenverbands und herrscht über ein weit verzweigtes Reich aus Banken und Lebensmittelkonzernen, aus Medien und Bauriesen. Konrad gibt kaum Interviews, am Donnerstagabend stand er jedoch für Journalistenfragen zur Verfügung.
Raiffeisen finanziert den Staat
Auf einen Zeitpunkt über die Rückzahlung der Staatshilfe von 1,75 Mrd. Euro wollte sich Konrad allerdings nicht festlegen. Man habe dafür bis 2014 Zeit. Die Bank habe das Geld nur aufgenommen, weil die Finanzmärkte im Zuge der Krise ausgetrocknet gewesen seien. „Wir brauchten Liquidität und zahlen noch immer pünktlich die acht Prozent Zinsen dafür.“
Konrad erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass seine Gruppe ein maßgeblicher Financier des Staates sei. Inklusive der Versicherungen halte man zwölf bis vierzehn Mrd. Euro an Staatsanleihen. „Und niemand von uns hat gesagt, wir mischen uns jetzt in Staatsgeschäfte ein.“ Die Entwicklung der letzten Jahre führt laut Konrad „schon zur Frage, welchen öffentlichen Haushalten können wir noch Geld geben?“
Laut Berechnungen der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) muss die Raiffeisen Zentralbank bis Ende Juni 2012 einen zusätzlichen Kapitalpuffer von 2,1 Mrd. Euro aufbauen. „Wir arbeiten sieben Tage in der Woche an der Erfüllung der EBA-Vorschriften, und wir werden sie erfüllen“, so Konrad.
Bei der RZB-Tochter RBI ist eine baldige Kapitalerhöhung unwahrscheinlich. Beim derzeitigen Börsenkurs „würde ich die halbe Bank verschenken“. Die RBI-Aktie würde derzeit deutlich unter dem Buchwert von 35 bis 36 Euro pro Wertpapier liegen. Am Freitag lag der Kurs zwischen 25 und 26 Euro.
Gegen Gerede über Bankenkonkurs
Kritisch äußerte sich Konrad zu den Plänen der Regierung und der Aufsicht, ein Insolvenzrecht für Banken einzuführen. Das Gerede über einen „geordneten Konkurs“ einer Bank sei nicht sinnvoll. Das Gleiche gelte für das Vorhaben, dass die Finanzinstitute bis Ende 2012 ein Testament vorlegen müssen, wie sie im Krisenfall am besten abgewickelt werden können.
Konrad sieht hier einen Widerspruch. Denn die Banken müssten nachweisen, „dass ich in einem Insolvenzfall 99 Prozent meiner Verpflichtungen erfüllen kann – dann bin ich aber in keiner Insolvenz“.
Bereits vor Konrad äußerte sich RZB-Chef Walter Rothensteiner skeptisch zum Bankeninsolvenzrecht: „Ich bin nicht sehr glücklich über diese Diskussion, Banken pleitegehen zu lassen. Man tut so, als ginge eine Kfz-Werkstatt in Konkurs.“
Konrad hofft, dass die Rettung des Volksbanken-Spitzeninstituts ÖVAG ein gutes Ende nehmen wird. Der Staat werde die ÖVAG „sanieren und verkaufen“. Ein Zusammenschluss von Raiffeisen und Volksbanken, wie dies in Deutschland der Fall ist, kommt für Konrad nicht infrage.
Der 68-jährige Generalanwalt hat schon Pläne, wer ihm nachfolgen wird. Die betreffenden Personen wüssten teilweise schon Bescheid. Doch es sei noch zu früh, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Denn er sei „bis 2014“ gewählt. Fest stehe nur, dass ihm am 14. April Ex-Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) als Landesjägermeister in Niederösterreich nachfolgen wird.
Auf einen Blick
Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad ist einer der mächtigsten Manager des Landes. Bei ihm laufen die Fäden von Österreichs Wirtschaft und Politik zusammen. Raiffeisen hält Anteile an 700 Firmen. Rund 165.000 Mitarbeiter stehen direkt und indirekt auf der Lohnliste der Gruppe. Über seine Nachfolge hält sich der 68-jährige Manager bedeckt. Es gilt als wahrscheinlich, dass er seine Ämter auf mehrere Personen aufteilen wird. Gute Chancen werden unter anderem Ex-Finanzminister Josef Pröll eingeräumt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.03.2012)