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Hotellerie: In Wien beginnt der Kampf um billige Betten

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Das Verkehrsbüro, Österreichs größter Tourismuskonzern, baut in Wien drei neue Zweisternehotels in Toplagen. Generaldirektor Harald Nograsek erklärt im "Presse"-Gespräch, warum Billighotels profitabler sind.

Die Presse: Das Verkehrsbüro hat im Vorjahr gemeinsam mit der Billigkette Motel One zwei Hotels in Wien und Salzburg eröffnet. Übernachten Sie auf Dienstreisen auch in Billighotels?

Harald Norgrasek: Ja, als ich im Vorjahr auf der ITB (Tourismusmesse in Berlin, Anm.) war, hab ich etwa in einem Motel One übernachtet. In Berlin liegt eines davon in der Nähe des Alexanderplatzes, also in einer sehr guten Lage – für ein, zwei Nächte ist das perfekt.

Billige Hotels bieten weniger Service. Mit weniger Personalkosten zu mehr Rendite, ist das das Geschäftsmodell?

Das Konzept des Motel One ist, dass Dinge, die der Gast zusätzlich wünschen könnte, weggelassen werden. Es kommt hier auf die Kernleistung an – die Übernachtung. Es gibt keinen Wellnessbereich, auch keine große Lounge und kein Zimmerservice. Dadurch ist es weniger personalintensiv. Bei drei, vier Übernachtungen ist natürlich ein Viersternehotel wesentlich angenehmer: Da habe ich mehr Gepäck dabei, will die Wellnessanlage benutzen, will mehr Service vom Hotel als nur die Übernachtung. Dadurch ist das Viersternehotel mit einem höheren Personalaufwand verbunden.


Das heißt, dass ein Motel One, wenn es eine entsprechende Auslastung hat, profitabler ist?

Richtig. Bei einem Motel erreicht man schon mit einer niedrigen Auslastung die Gewinnschwelle.


Wie war die Auslastung zum Beispiel in Wien und in Salzburg?

Schwer zu sagen, weil wir in Wien erst im Dezember eröffnet haben; die Auslastung war gleich zu Beginn besser, als wir erwartet haben, und in Salzburg – der Betrieb läuft seit Mai 2011 – haben sich unsere Erwartungen erfüllt. Welche Auslastung wir schlussendlich gehabt haben, das sagen wir in der Hotellerie nicht, das ist ein Betriebsgeheimnis.

 

Sie investieren aber auch in noble Viersternehotels – ist Motel One etwas, was in einer Nische gut funktioniert oder etwas, was den Hotelmarkt nachhaltig verändern kann?

Mit der Premium Line reagieren wir auf den Markt. In Wien gibt es immer mehr Fünfsternehotels, da muss man mit einem Viersternehotel auch schon etwas können. Und in Wien ist es so, dass es (2011, Anm.) nicht nur rund zehn Prozent Umsatzsteigerung durch mehr Nächtigungen gegeben hat, sondern auch mindestens zehn Prozent Steigerung bei den Zimmerkapazitäten. Für den einzelnen Hotelier ist der Zuwachs daher nicht zu spüren. Wir versuchen bei den Produkten nicht nur Hotelzimmer auf den Markt zu bringen, sondern Hotels mit einer Geschichte. Beim unserem neuen Hotel beim Technischen Museum haben wir zum Beispiel „Veranstaltungen im Technischen Museum“ mit dem Hotel kombiniert. Im Hotel Savoyen haben wir den größten Veranstaltungssaal der Wiener Hotellerie.


Sie versuchen also mit verschiedenen Veranstaltungen den Umsatz Ihrer Hotels zu erhöhen?

Genau. Wir steigern mit den Veranstaltungen auch die Auslastung. Auf der anderen Seite haben wir die zweite Schiene mit Motel One. Und der Trend ist natürlich, dass die Leute ein tolles Produkt zu einem günstigen Preis haben wollen – das bekommen sie dort. Die Ausstattung eines Motel-One-Zimmers kann von der Qualität her mit vier Sternen mithalten.


Sie sagen, das ist der Trend. Aber welche Bedeutung hat dieser Trend innerhalb des Hotelmarktes?

Das Motel One entwickelt sich sehr gut, wie man in Deutschland sieht. Es bewirkt, dass die Ketten-Hotellerie stärker wird. Das ist ein Trend, der zum Beispiel in Amerika schon relativ ausgeprägt ist: Dort gehören um die 80 Prozent der Hotels den Hotelketten, in Europa sind es vielleicht 20 bis 25 Prozent, je nach Land. In Österreich sind es 15 Prozent.


In Wien haben 2011 auch andere Hotels mit einem Billigkonzept eröffnet. Wie wird das Verkehrsbüro gemeinsam mit Motel One den Wettkampf ums billige Bett fortsetzen?

Unsere Intention ist schon, weiterzuwachsen. Wir haben ja bereits Standorte vertraglich fixiert. Wir werden am Hauptbahnhof in Wien präsent sein, auf der Ausstellungsstraße. Auch in der Wiener Innenstadt haben wir einen Standort im Visier. In Salzburg ist der zweite Standort schon in Arbeit.


In welchem Zeitraum sollen diese Häuser errichtet werden?

Das hängt teilweise noch von Baugenehmigungen und Ähnlichem ab. Geplant sind sie aber für die nächsten zwei bis drei Jahre.

Auf einen Blick

Harald Nograsek leitet seit 2007 als Generaldirektor der Verkehrsbüro Group den größten Tourismuskonzern Österreichs. Zum Unternehmen mit einem Umsatz von zuletzt 801,4 Mio. Euro gehören 34 Hotels, vor allem Viersternehotels in Wien. Das wichtigste Standbein des Konzerns sind Urlaubsreisen (unter anderem Ruefa Reisen, Jumbo Touristik und Hofer Reisen). [Fabry]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2012)