Schatten über Papstbesuch

Pope Benedict XVI trägt Sombrero
(c) REUTERS (Tomas Bravo)

Benedikt XVI. besuchte erstmals Mexiko. Der Jubel war groß, doch ein Missbrauchsskandal trübte die Visite. Es war das erste Mal, dass der deutsche Oberhirte ein spanischsprachiges Land auf dem amerikanischen Kontinent betrat.

Mexiko-stadt. Die Begeisterung war groß, als Papst Benedikt XVI. in der mexikanischen Stadt Guanajuato landete – fast so groß, wie bei den fünf Mexiko-Besuchen seines Vorgängers Johannes Paul II. Dem Vatikan zufolge waren es mehr als eine halbe Million Menschen, die singend, jubelnd, betend und gelbe Konfetti werfend Spalier standen, als das Oberhaupt der katholischen Kirche im Papamobil die 32 Kilometer vom Flughafen in die Stadt León zurücklegte. Zuvor hatten ihn Mexikos Präsident, Felipe Calderón, und dessen Ehefrau begrüßt. „Benedikt, Bruder, du bist jetzt Mexikaner“, rief die Menge. Der enthusiastische Empfang habe den Papst zutiefst gerührt, sagte der Sprecher des Vatikans, Frederico Lombardi.

Es war das erste Mal, dass der deutsche Oberhirte ein spanischsprachiges Land auf dem amerikanischen Kontinent betrat. 2007 hatte er Brasilien besucht. In den beiden größten katholischen Ländern der Welt steht die Kirche unter Druck und sieht sich vor allem durch evangelikale Sekten herausgefordert. In Mexiko ist der Anteil der Katholiken während der letzten 30Jahre um acht Prozent auf 84Prozent gesunken, während das Parlament gegenwärtig darüber diskutiert, die mexikanische Republik ausdrücklich als laizistisch zu deklarieren.

Die beiden Städte Guanajuato und León sind katholisch-konservative Hochburgen, was ein wichtiger Grund für die überschwänglichen Emotionen war. Landesweit hingegen fühlen sich einer Umfrage zufolge lediglich 20 Prozent der Katholiken vom Papst wirklich begeistert. Da in Mexiko in wenigen Tagen der Wahlkampf beginnt, erhoben Kritiker des amtierenden Präsidenten Calderón den Vorwurf, dessen katholisch-konservative Partei könnte den Besuch des Oberhirten als religiösen Werbespot missbrauchen.

 

Wusste Papst von Missbrauch?

Für die Sonntagsmesse in Guanajuato hatten sich sämtliche Präsidentschaftsanwärter sowie der reichste Mann der Welt, Carlos Slim, angekündigt. Die Hauptstadt Mexico City ließ Benedikt XVI. links liegen – angeblich, weil es für den 85-Jährigen aus gesundheitlichen Gründen zu gefährlich sei, sich auf 2300 Meter über Meer aufzuhalten. Spötter meinen allerdings, er wolle es vermeiden, in einer progressiv regierten Stadt aufzutreten, in der Abtreibung und Heirat unter Homosexuellen erlaubt seien.

Einen Schatten über den Papstbesuch warf der Skandal um den pädophilen Priester Marcial Maciel. Der vor vier Jahren verstorbene Begründer der Kongregation der Legionäre Christi hatte ab 1940 bis in die 1960er-Jahre Seminaristen sexuell missbraucht. Ausgerechnet während des Mexiko-Aufenthaltes von Benedikt XVI. ist am Samstag ein gut dokumentiertes Buch erschienen, das dem heutigen Oberhirten sowie dessen Vorgänger Johannes Paul II. vorwirft, viel mehr vom Treiben ihres mexikanischen Zöglings gewusst zu haben, als sie bisher einräumten. Benedikt XVI. hatte es bereits vor seiner Abreise nach Mexiko abgelehnt, Maciels Opfer zu empfangen.