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Muslime gegen Deutschzwang

Symbolbild
(c) APA
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Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) lehnt am Montag eine Pflicht für Predigten auf Deutsch ab. Langfristig sollen die heimischen Imame aber in Österreich ausgebildet werden können.

Wien/Eko. In Moscheen soll auf lange Sicht nur mehr auf Deutsch gepredigt werden. Diesen Wunsch hat Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (VP) zuletzt am Wochenende in einem Interview geäußert. Und er betonte auch, dass er dabei mit Fuat Sanac, dem Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), „sehr stark auf einer Wellenlänge“ sei. Doch sah sich die Muslimevertretung gleich am Montag zu einer Klarstellung genötigt – man sei dagegen, die deutsche Sprache bei den Imamen mit Zwang durchzusetzen.

„Wir wollen, dass mehr auf Deutsch gepredigt wird“, sagt IGGiÖ-Sprecher Zekirija Sejdini im Gespräch mit der „Presse“. Doch sei eine Verpflichtung dazu kontraproduktiv, vielmehr wolle man motivieren. „Und jede Initiative in diese Richtung kann mit unserer Unterstützung rechnen.“ Wie viele solcher Initiativen es gibt, ist jedoch unklar. So wie die Glaubensgemeinschaft auch keine Zahlen nennen kann, in wie vielen Moscheen Deutsch oder andere Sprachen gesprochen werden. Die meisten Moscheen sind nach ethnischer Zugehörigkeit organisiert, allerdings gibt es auch einige mit größerer Durchmischung. Und, so Sejdini: „Es gibt auch Moscheen, in denen in mehreren Sprachen gepredigt wird.“

Derzeit gibt es keine Rechtsgrundlage, nach der sich eine Deutschpflicht in Moscheen ableiten ließe. Wollte man einen Zwang durchsetzen, meint Religionsrechtler Richard Potz von der Universität Wien, könnte der Gesetzgeber das etwa über den Hinweis auf Sicherheitsprobleme versuchen – sodass die Behörden jederzeit die Inhalte von Predigten nachprüfen könnten.

 

„Muslime unter Generalverdacht“

Ob eine solche Regelung allerdings zu erzwingen wäre, ist fraglich. „Da müsste man die Muslime unter Generalverdacht stellen“, so Potz. Oder aber die Regel müsste auch für alle anderen Religionen gelten, die von Migranten ausgeübt bzw. die auch in anderen Sprachen praktiziert werden. Dass dabei alle Beteiligten mitspielen würden, sei unwahrscheinlich.

Abgesehen von der rechtlichen Lage hat die IGGiÖ aber auch organisatorische Schwierigkeiten, überhaupt Einfluss darauf zu nehmen, welche Imame in Moscheen eingesetzt werden und in welcher Sprache sie predigen. Indirekt kann die Glaubensgemeinschaft nur dann eingreifen, wenn Moscheevereine einen Imam aus dem Ausland berufen – hier ist eine Einreisegenehmigung oder ein Visum an die Genehmigung der IGGiÖ gebunden. Bei Predigern mit österreichischer Staatsbürgerschaft fällt diese Möglichkeit weg.

Schließlich gibt es noch die Imame in den Moscheen von Atib, der größten türkischen Dachorganisation in Österreich – sie werden von der türkischen Religionsbehörde Diyanet entsandt und sind als weisungsgebundene Beamte der türkischen Botschaft unterstellt. Auch auf sie hat die IGGiÖ keinen Zugriff. Allerdings organisiert das österreichische Außenministerium für Imame eine landeskundliche Ausbildung, bei der sie auf ihren etwa fünfjährigen Einsatz im Land vorbereitet werden sollen.

 

Imame-Ausbildung in Österreich

Langfristig wünschen sich sowohl Kurz als auch Sanac, dass die heimischen Imame auch in Österreich ausgebildet werden können. Tatsächlich läuft die Diskussion über eine eigene islamisch-theologische Fakultät schon seit Jahren, bisher allerdings ohne Ergebnis. Einen neuen Impuls könnte das vom Integrationsstaatssekretariat eingerichtete „Dialogforum Islam“ bringen: Hier ist eine eigene Arbeitsgruppe mit dem Thema Imame-Ausbildung befasst.

Auf einen Blick

Debatte: Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (VP) wünscht sich Predigten in Moscheen nur mehr auf Deutsch. Die Islamische Glaubensgemeinschaft unterstützt die Idee, spricht sich aber gegen jede Form von Zwang aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2012)