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Bericht: Untersuchungsrichter nimmt Sarkozy ins Visier

Bericht Untersuchungsrichter nimmt Sarkozy
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy(c) Reuters/PHILIPPE WOJAZER
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Der französische Präsident Nicolas Sarkozy soll seinen Wahlkampf 2007 über illegale Parteispenden finanziert haben. Der Staatsmann soll bei der "L'Oréal"-Milliardärin Liliane Bettencourt um Geld gebeten haben.

In der Affäre um illegale Parteispenden der "L'Oréal"-Milliardärin Liliane Bettencourt gerät Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy erstmals selbst ins Visier der Ermittler. Untersuchungsrichter Jean-Michel Gentil hege in Bordeaux offen den Verdacht, dass Sarkozy seinen Wahlkampf 2007 über illegale Parteispenden habe finanzieren lassen, meldet die Tageszeitung "Le Monde" in ihrer Mittwoch-Ausgabe. Gentil habe Zeugenaussagen gesammelt, nach denen Sarkozy selbst bei der Witwe des gaullistischen Politikers und früheren Ministers André Bettencourt vorstellig geworden sei.

Bisher gab es den Verdacht, dass der langjährige Schatzmeister der konservativen Regierungspartei UMP, Eric Woerth, möglicherweise illegale Parteispenden von Bettencourt beziehungsweise deren Vermögensverwalter Patrice de Maistre in Empfang genommen habe. De Maistre sitzt in Bordeaux in Untersuchungshaft, gegen Woerth wurden zwei Ermittlungsverfahren eingeleitet. Präsident Sarkozy ist während seiner Amtszeit durch seine Immunität geschützt.

"Ich habe ja gesagt"

Zuletzt hatten französische Medien berichtet, dass zweimal 400.000 Euro in bar in Sarkozys Wahlkampf des Jahres 2007 geflossen sein sollen. Die Wochenzeitung "Marianne" und die Zeitung "Sud-Ouest" berichteten, der erste Vorgang datiere vom 5. Februar 2007, einem Zeitpunkt, zu dem sich Woerth mit de Maistre getroffen habe. Der zweite Vorgang beziehe sich auf den 26. April, also zwischen den beiden Durchgängen der Präsidentschaftswahl 2007.

Laut "Sud-Ouest" sprach Liliane Bettencourt damals mit einem engen Freund und sagte diesem: "De Maistre hat mir gesagt, dass Sarkozy noch einmal um Geld gebeten hat, ich habe ja gesagt." Bei dem Freund handelt es sich um den Künstler Francois-Marie Banier, der dies laut "Le Monde" in seinem Tagebuch festhielt. Bei einer Befragung durch den Untersuchungsrichter in Bordeaux habe der jedoch versucht, den Eintrag zu relativieren: Er sei sich nicht sicher, ob der Name Sarkozy gefallen sei, es sei aber "jemand Wichtiges" gewesen.

In Frankreich sind Parteispenden von Privatpersonen nur bis zu einer Höhe von 7500 Euro im Jahr erlaubt. In Bordeaux laufen Ermittlungen der Justiz zu diversen Affären um die reichste Frau Frankreichs, die im Oktober auf Betreiben ihrer Tochter wegen fortschreitender Demenz entmündigt wurde.

(Ag.)